Die Meinung der Bürger ist klar: Wie hier bei einer Demo in der Stuttgarter Innenstadt fordern viele die Einführung einer Mietpreisbremse. Foto: Leif Piechowski

Hohe Mieten und fehlende Wohnungen beschäftigen die Stuttgarter stark. Bei einer Umfrage haben sie ihre Ideen für Lösungen geäußert. Neubaugebiete auf der grünen Wiese lehnen die meisten trotz der angespannten Lage ab.

Stuttgart - Fehlen in Stuttgart bezahlbare Wohnungen? Diese Frage treibt seit Monaten die Politik und die Bürger um. Während die Antworten aus dem Rathaus zurückhaltend sind, steht für viele Stuttgarter fest, dass die Lage angespannt ist. Und sie machen sich Gedanken darüber, welche Lösungen es geben könnte. Das Institut TNS Infratest hat im Auftrag der Wüstenrot & Württembergische-Gruppe Anfang August 500 Stuttgarter aus allen Stadtbezirken dazu befragt. Damit gilt die Untersuchung als repräsentativ. Die Ergebnisse lassen aufhorchen.

Die nachdrücklichste Forderung der Befragten dürfte bei der Stadtverwaltung keine Begeisterung auslösen. Gilt es doch als ausgemacht, den erst 2010 angehobenen Grundsteuersatz nicht anzurühren. Genau das aber fordern satte 75 Prozent der Stuttgarter. Sie befürworten eine Senkung, um Mieter und Eigentümer gleichermaßen zu entlasten, denn die Grundsteuer wird über die Nebenkosten abgerechnet.

Nicht ganz so einig sind sich die Befragten bei weiteren Maßnahmen, um die Wohnkosten zu begrenzen. Allerdings fordern 54 Prozent eine offizielle Mietpreisbremse, um den Mietanstieg bei Neuvermietungen zu begrenzen. Besonders junge Menschen (63 Prozent) und Bürger mit einem niedrigen Einkommen (69 Prozent) plädieren dafür. Knapp die Hälfte der Stuttgarter sieht zudem in einer besseren Wohnbau- und Eigenheimförderung Möglichkeiten, die Lage am Immobilienmarkt zu entspannen. Lediglich jeder Zehnte ist der Meinung, die Politik brauche überhaupt nicht in die Wohnungsfrage einzugreifen.

Haus kostet im Schnitt 680.000 Euro

Auf welche Weise keine neuen Wohngebiete entstehen sollen, darin sind sich viele Befragte ebenfalls einig. Trotz der von vielen empfundenen Wohnungsnot soll es die berühmte grüne Wiese ihrer Meinung nach nicht sein. 71 Prozent sind dagegen, städtische Grünflächen in Bauland umzuwandeln. Das macht die Sache für die Stadtverwaltung nicht gerade einfacher.

Dass die Wohnungslage angespannt ist, belegt eine Untersuchung der staatlichen ­L-Bank. Sie zeigt, dass die Nachfrage in ­Baden-Württemberg hoch bleibt. In allen Bereichen ganz vorn ist dabei die Landeshauptstadt. So ist ein Haus im vergangenen Jahr dort im Schnitt 680 000 Euro teuer gewesen. Denselben Wert erreicht im Land nur Heidelberg. Ähnliches gilt für die Mieten. 2012 mussten Mieter für eine Bestandswohnung in guter Lage in Stuttgart im Schnitt 10,90 Euro pro Quadratmeter bezahlen. Seit 2007 ist dieser Wert laut der Untersuchung um gut zwölf Prozent gestiegen.

Eigentlich will kein Stuttgarter aufs Land ziehen

Auf dem Land dagegen sind die Preise deutlich niedriger und steigen vielerorts sehr viel moderater als in den großen Städten. Das nutzt den Stuttgartern freilich nichts: Sie würden laut Umfrage am liebsten in der eigenen Stadt bleiben. Sofern sie eine bezahlbare Wohnung finden. Ansonsten sehen 92 Prozent von ihnen die Gefahr, dass immer mehr Menschen die Stadt verlassen.

„Es muss gelingen, die Stadt mit Blick auf die Wohnkosten für alle Bevölkerungsgruppen attraktiv zu gestalten“, sagt deshalb Alexander Heinzmann aus der Geschäftsführung der Wüstenrot Haus- und Städtebau GmbH. Darum müssten alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden, den Anstieg der finanziellen Belastung fürs Wohnen abzubremsen. „Die Senkung der Grundsteuer wäre ein Schritt in die richtige Richtung“, sagt der Experte. Die Freude bei der Stadtverwaltung wird sich in Grenzen halten.

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