Auch bei Daimler spielt die Digitalisierung in den Jobs eine immer größere Rolle. Foto: picture alliance//Christoph Schmidt

Dass es in Deutschland bei der digitalen Weiterbildung laut einer Umfrage offenbar hakt, ist mehr als ein Warnsignal, meint Daniel Gräfe. Die Firmen müssen aktiv gegensteuern.

Stuttgart - Selbst in der Coronakrise geht es vielen Arbeitnehmern in Deutschland im internationalen Vergleich verhältnismäßig gut. Vor allem die Kurzarbeitsregelungen, die bis Ende des Jahres verlängert wurden, greifen – bisher ist die Zahl der Arbeitslosen kaum gestiegen. Der Fachkräftemangel sichert Arbeitnehmern in vielen Branchen den Job. Außerdem werden mittelfristig mit den Babyboomern die geburtenstarken Jahrgänge aus dem Arbeitsmarkt ausscheiden und Stellen freimachen. Kein Wunder, dass mancher sich im Job nicht nur sicher, sondern unersetzbar fühlt.

 

Diese Beobachtung stützt eine Umfrage des Jobportals Stepstone, das weltweit mehr als 200 000 Arbeitnehmer befragte. Demnach agieren die sonst eher als latent vorsichtig und sorgenvoll geltenden Deutschen im internationalen Vergleich überdurchschnittlich sorgenfrei, gerade was mögliche Jobverluste durch die Digitalisierung und Automatisierung ihrer Arbeit betrifft. Natürlich ist es grundsätzlich gut, sich nicht mit unnötigen Jobsorgen zu quälen – was weder der Psyche noch der Arbeitseffizienz hilft.

Die Gefahr, dass man die Veränderungen für den eigenen Job unterschätzt

Doch es besteht die Gefahr, die Folgen der Digitalisierung für den eigenen Job zu unterschätzen. An die Digitalisierung der Fabriken hat man sich gewöhnt. Doch dass beispielsweise die Finanz- und Versicherungswirtschaft mittlerweile zu Software-Branchen geworden sind, hat vor allem bei den Banken Arbeitsplätze und Filialen gekostet. Die Digitalisierungswelle ist längst auch in die Büros, Verwaltungen und die Logistik geschwappt. Dabei werden selten Berufe ersetzt, aber teils ändern sich die Jobprofile und Tätigkeiten rasant.

Schenkt man der Umfrage Glauben, ist hierzulande die Bereitschaft zur Umschulung im internationalen Vergleich gering. Dass es besonders stark bei der konkreten Weiterbildung hakt, ist mehr als ein Warnsignal. Hier verspielt manches Unternehmen den Spielraum, selbst zu gestalten und passgenau die Übergänge zu finden, die es für die Beschäftigungspolitik braucht. Natürlich ist diese Umfrage nur eine Momentaufnahme. Doch der Fingerzeig ist deutlich.