Nur jedes fünfte heimische Unternehmen meldet gute Aufträge, viele rechnen mit Stellenabbau. Eine Umfrage zeigt, wie angespannt die Lage ist – und warum es noch schlimmer kommen könnte.
Die Metall- und Elektroindustrie in der Region Ludwigsburg und Rems-Murr startet mit spürbarer Skepsis in das Jahr 2026. Viele Betriebe kämpfen mit schwachen Aufträgen, unsicheren Perspektiven und schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Das geht aus einer aktuellen Mitgliederumfrage des Arbeitgeberverbands Südwestmetall hervor.
Wie der Verband bei seinem Jahrespressegespräch in Ludwigsburg mitteilte, zeigt die Umfrage ein deutlich eingetrübtes Stimmungsbild. Demnach bewerte nur gut ein Fünftel der Betriebe den aktuellen Auftragsbestand als gut, während rund 40 Prozent von einer schlechten Auftragslage berichteten.
Neuer Zusammenschluss: Bezirksgruppen vereint in Ludwigsburg
Das Jahrespressegespräch fand in diesem Jahr erstmals in Ludwigsburg statt. Hintergrund ist die organisatorische Neuordnung im Verband: Die bislang eigenständigen Bezirksgruppen Ludwigsburg und Rems-Murr wurden zum Jahresbeginn zusammengeführt. Damit präsentiert sich der Arbeitgeberverband nun als gemeinsame Bezirksgruppe Ludwigsburg-Rems-Murr.
An der Spitze der neuen Einheit stehen seit Anfang Februar zwei Vertreter großer Industrieunternehmen aus den jeweiligen Kreisen. Die Mitgliederversammlung wählte den Stihl-Manager Michael Prochaska einstimmig zum Vorsitzenden der neuen Bezirksgruppe. Ebenfalls ohne Gegenstimmen wurde Hanno Höhn vom Filterhersteller Mann+Hummel zum stellvertretenden Vorsitzenden bestimmt. Beide engagieren sich ehrenamtlich im Verband.
„Multiple Krisen“ belasten Metall- und Elektroindustrie
Die wirtschaftliche Lage der Branche beschreiben sie als angespannt. Prochaska erklärte, die Unternehmen hätten weiterhin mit „multiplen Krisen“, den Herausforderungen der industriellen Transformation sowie mit aus ihrer Sicht nicht wettbewerbsfähigen Rahmenbedingungen zu kämpfen.
Auch der Blick auf die Entwicklung der Auftragseingänge gibt laut Umfrage wenig Anlass zur Zuversicht. Nur etwa jedes zehnte Unternehmen meldet steigende Bestellungen. Mehr als ein Drittel dagegen verzeichnet rückläufige Order. Für das laufende Jahr rechnet rund ein Drittel der Betriebe mit einer weiteren Verschlechterung der Geschäftslage. Lediglich 17 Prozent erwarten eine Verbesserung.
Industrie plant Stellenabbau: Entlassungen als „letztes Mittel“
Die skeptischen Erwartungen spiegeln sich auch in den Personalplänen der Industrie wider. Nach Angaben des Verbands rechnen lediglich fünf Prozent der Unternehmen mit einem Aufbau von Arbeitsplätzen. Knapp die Hälfte geht dagegen von sinkenden Beschäftigtenzahlen aus. Entlassungen seien für die Betriebe allerdings weiterhin „das letzte Mittel“, sagte Prochaska laut Mitteilung. Zunächst würden Instrumente wie der Abbau von Arbeitszeitkonten, Kurzarbeit oder natürliche Fluktuation genutzt.
Besonders alarmierend sei zudem die Entwicklung bei den Investitionen. Rund ein Drittel der Unternehmen plane derzeit überhaupt keine Investitionen mehr, erklärte Prochaska. Das wertet der Vorsitzende als Hinweis auf ungünstige Rahmenbedingungen und mangelnde Planbarkeit für die Unternehmen.
Politik in der Pflicht: Bessere Bedingungen für Industrie gefordert
Der stellvertretende Vorsitzende Höhn sieht deshalb vor allem die Politik in der Pflicht. Aus Sicht der Unternehmen brauche der Standort Deutschland dringend bessere Bedingungen. Dazu gehörten unter anderem weniger Bürokratie, wettbewerbsfähige Energiepreise sowie stabile soziale Sicherungssysteme.
Auch die Landespolitik stehe dabei in der Verantwortung. Nach Ansicht Höhns verfüge Baden-Württemberg über politischen Einfluss sowohl in Berlin als auch in Brüssel. Ein neuer Ministerpräsident müsse diesen Einfluss nutzen, um die Interessen des Industriestandorts stärker zu vertreten.
Die neue Bezirksgruppe Ludwigsburg-Rems-Murr vertritt nach eigenen Angaben rund 269 Mitgliedsunternehmen der Metall- und Elektroindustrie mit insgesamt etwa 71.400 Beschäftigten in beiden Landkreisen.