Südwestmetall-Chef Stefan Wolf (links) und Musicalstar Kevin Tarte sind seit Februar ein Paar. Foto: Wolfgang List

Rückt die „Zeit danach“ näher? Am Mittwoch will die Politik entscheiden, wie es mit den Corona-Beschränkungen weitergeht. Wir haben Stadtpromis gefragt, was sie am Tag nach dem Shutdown als Erstes tun wollen.

Stuttgart - So sehr hatte sich Südwestmetall-Chef Stefan Wolf auf den grünen Hügel gefreut. Erstmals wollte er mit Musicalsänger Kevin Tarte, seiner neuen Liebe, die Bayreuther Festspiele besuchen. Am 25. Juli hätte Premiere der Neuinszenierung von Wagners „Ring des Nibelungen“ sein sollen. Doch daraus wird nichts. Wegen der Corona-Pandemie hat Festspielleiterin Katharina Wagner sämtliche Vorstellungen in dieser Saison abgesagt. Auch Musicalstar Tarte, der erste Krolock bei „Tanz der Vampire“ in Stuttgart vor 20 Jahren, kann nirgendwo auftreten. Sein Terminkalender wäre jetzt proppenvoll. Immerhin kann er nun für seinen Partner Wolf ganz allein daheim singen.

Viel Zuspruch erfuhr Stefan Wolf nach seinem Outing

Das Erste, was der Verhandlungsführer der Arbeitgeber nach dem Shutdown machen will, steht fest: „Mit Freunden essen gehen!“ Dass er jetzt von daheim Konferenzen per Skype führt und wenig reist, laufe besser als gedacht. Für die Zukunft will er dies beibehalten. „Man muss nicht ständig umherfliegen“, findet er, „das ist eine Lehre aus der Coronakrise und gut für das Klima.“

Viel Zuspruch hat Wolf erhalten, seit er sich vor kurzem in unserer Zeitung geoutet hat. „Man glaubt nicht, wer sich alles anvertraut hat und mir von seiner Homosexualität berichtet hat“, sagt der 58-jährige Vorstandschef von Elring-Klinger. Auch Spitzen aus Politik und Wirtschaft hätten ihm zum Mut gratuliert, offen zu sich zu stehen. In den sozialen Medien werden er und Tarte als Vorbilder gefeiert. Liebe ist auch in Zeiten von Corona schön.

„Endlich mal wieder die Eltern besuchen“

Ob Christian Doll sein Kesselfestival im Sommer auf dem Wasen absagt, ist noch nicht geklärt. „Großveranstaltungen kann man sich zur Zeit nicht wirklich vorstellen“, sagt er. Nach der Krise will er „zusammen mit Freunden kochen und eine Flasche Wein trinken“. Facetimes und Zoomen seien kein Ersatz.

Promi-Wirt Jörg Mink nennt zwei Pläne für den „Tag danach“: Endlich könne er seine Eltern besuchen und danach viele Gäste im Schloss Solitude begrüßen. Um über die Zeit zu kommen, verkauft er vorgegrillten Zwiebelrostbraten, den man daheim nur noch in Ofen zum Entspannen stecken muss, sowie eine Bonuskarte, mit der man später dann zehn Prozent Rabatt erhält.

„Alle werden noch mal extra umarmt“

Die „Zeit danach“ will Kim Renkema, die Sportdirektorin des Allianz MTV Stuttgart, nutzen, ihre Familien zu besuchen „und alle noch mal extra zu umarmen“. Für die Zukunft wünscht sie sich, „dass wir etwas dankbarer werden für Dinge, die wir bisher als selbstverständlich genommen haben.

Bestseller-Autorin Gaby Hauptmann will ihrem Bauchgefühl nachgehen: „Ab nach Öhningen zu meinem Freund Harry Leissner und mich von ihm mit einem Überraschungsmenü verwöhnen lassen - in seinem Restaurant Residenz Seeterrasse. Und mit Blick auf den See das neue Lebensgefühl genießen.“ Musicalsänger Hannes Staffler, der kostenlos Bücher ausfährt, will sich später „trotz vollem Termin-Kalender mehr Zeit für Familie und Freunde nehmen“.

„Als wären wir alle zusammen auf einer Expedition“

Der Bergsteigerin Heidi Sand kommt es vor, „als wären wir alle zusammen auf einer Expedition“. Im Basislager sei alles entschleunigt und man habe viel Zeit, über das Leben zu reflektieren. „Wir erkennen schnell, was uns wichtig ist“, sagt sie. Expedition bedeute , das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren und sich den Herausforderungen zu stellen. „Nur durch starken Willen, Ausdauer und die Verantwortung von jedem einzelnen, werden wir als Team den Gipfel erreichen“, weiß die Stuttgarterin, die eigentlich jetzt auf einen weiteren Viertausender in den Alpen steigen wollte. Die Parallelen von Bergsport und Corona beschreibt sie so: „Nach erfolgreichem Abstieg haben wir als Menschheit wirklich etwas geleistet. Darauf können wir stolz sein.“

Worauf sich der Auktionator Ferdinand B. Eppli freut: „Da meine Frau Amerikanerin ist, haben wir eine große Familie in den USA. Wir können es kaum erwarten, unsere nächste Reise zu planen.“ Künftig wolle er „Dinge, die ich vorher für selbstverständlich gehalten habe, wieder mehr schätzen“.

„Influencer sollten umschulen“

Der Stuttgarter Trendbeobachter Mathias Haas sagt eine wichtige Änderung für die Zukunft voraus: „Prioritäten und Ansehen – und auch Gelder – werden neu sortiert.“ Bäcker und Pfleger könnten langfristig mit Gehaltserhöhungen rechnen. Influencer hingegen sollten umschulen.

Eine Umarmung, ein Konzertbesuch, ein Abendessen mit Freunden - es sind die kleinen Dinge, auf die sich viele freuen, wenn das Gröbste überstanden ist.

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