Windpark oder nicht? Das ist in Böblingen zu klären. Foto: red13fotostudio - stock.adobe.com/Christian Widmann

Das Thema Windpark ist in Böblingen umstritten – nicht nur in der Bevölkerung. Wir haben die Parteien und Gruppierungen, die für den Böblinger Gemeinderat kandidieren, um ihre Meinung gebeten.

Viele Diskussionen hat in den vergangenen Wochen ein möglicher Windpark auf Böblinger, Holzgerlinger und Ehninger Gemarkung verursacht; es gab bereits mehrere Veranstaltungen, und man hat sich vielfältigst ausgetauscht: Derzeit wird geprüft, ob er zwischen B464 und Maurener Tal entstehen könnte – auf der Fläche BB-14, die der Verband Region Stuttgart als potenzielles Vorranggebiet für Windkraft identifiziert hat. Aktuell läuft die Suche nach einem Projektierer. Findet sich einer, so wird es voraussichtlich auch Aufgabe des neuen Böblinger Gemeinderats sein, über die Verpachtung der Fläche zu entscheiden. Unsere Zeitung hat die Haltung der Parteien und Gruppierungen, die zur Wahl antreten, zusammengefasst – sie reichen von Zustimmung über Abwarten bis hin zu Ablehnung.

 

Grüne

Die Grünen im Böblinger Gemeinderat unterstützen einen möglichen Windpark. „Wir brauchen mehr erneuerbare Energien in unserer Region“, schreibt Stadträtin Claudia Maresch. Darin sei man sich mit Nabu und BUND einig. „Von einem Windpark auf BB-14 profitieren sowohl die Bürgerschaft als auch die Kommunen, denen die Fläche gehört. Wir setzen uns dafür ein, dass der Eingriff in den Wald so gering wie möglich gehalten wird, damit das Waldgebiet weiterhin für die Naherholung genutzt werden kann.“

CDU

Der Stadtrat Thorsten Breitfeld erinnert daran, dass die CDU gegen die Stellungnahme zur Ausweisung der Fläche BB-14 als Vorranggebiet für Windkraft gestimmt hat. Man erkenne jedoch den mehrheitlich gefassten Beschluss des Gemeinderats an. „Den weiteren Prozess begleiten wir kritisch konstruktiv und setzen uns dafür ein, alle offenen Fragen zu klären.“ Die Belange des Arten- und Naturschutzes müssten geprüft, die Lärmschutzgrenzwerte eingehalten werden. „Der Charakter als Naherholungsgebiet darf nicht verloren gehen. Sollte ein privater Investor Anlagen errichten wollen, unterstützen wir ein Modell, an dem sich Bürger beteiligen können.“

Freie Wähler

Die Freien Wähler legen sich noch nicht fest und verweisen auf die fehlende Datengrundlage. „Ob die Schallgrenzwerte beim geplanten Windpark eingehalten werden, ist bisher nicht bekannt“, schreibt Stadträtin Janina Dinkelaker. „Erst wenn die Daten vorliegen, ist eine Aussage möglich. Die Freien Wähler werden auf Faktenbasis eine sachlich fundierte Entscheidung treffen.“ Grundsätzlich sehen die Freien Wähler die Notwendigkeit, alternative Energien auszubauen – auch mithilfe von Windkraft. Allerdings seien Windräder zu bevorzugen, die in größerem Abstand zur Wohnbebauung stehen. „Dies ist in unserem dicht besiedelten Gebiet sehr schwierig“, schreibt Janina Dinkelaker.

SPD

„Die SPD ist sich bewusst, dass ein Windpark einen Eingriff in die Natur darstellt und die Landschaft verändert“, schreibt Stadträtin Gerlinde Feine. „Daher wird geprüft, ob die Vorteile die Nachteile überwiegen. Wir sprechen uns für diese Prüfung aus. Denn: Kohlestrom und russisches Gas werden unseren Energiebedarf nicht mehr sichern und den Klimawandel beschleunigen.“ Zudem könnte vor Ort produzierte Energie Standortentscheidungen beeinflussen. „Bevor aber die SPD einer Verpachtung zustimmt, müssen die Investorenpläne genau geprüft, die Bürger informiert, alle Natur- und Lärmschutzvorgaben eingehalten und der Flächenverbrauch auf ein Minimum reduziert werden.“

FDP

Eindeutig gegen einen interkommunalen Windpark positioniert sich die FDP. „Wir sind grundsätzlich für erneuerbare Energien und nicht gegen Windkraft“, schreibt Stadtrat Detlef Gurgel. Die FDP halte den Standort BB-14 jedoch für ungeeignet. „Der Wald ist eines der letzten Naherholungsgebiete für uns.“ Dort so hohe Windräder aufzustellen, würde das Naherholungsgebiet zerstören. Auch unter dem Aspekt des Natur- und Artenschutzes sei das Gebiet sehr sensibel und der Abstand zu den Wohnansiedlungen zu gering.

Bürger für Böblingen

Die Bürger für Böblingen wollen ebenfalls keine Windräder zwischen B464 und Maurener Tal. „Wir empfehlen eine Windkraftanlage neben dem Restmüllheizkraftwerk, das vom Landkreis betrieben wird“, schreibt Stadtrat Willi Braumann. Der gelieferte Strom könne direkt dem Kraftwerk zugeführt werden. „Dadurch wird kein Wald zerstört und der Landkreis soll auch die Windkraftanlage übernehmen.“

Die Linke

Gegen den Windpark argumentiert auch Franz Haibt, der auf Listenplatz eins für die Linken kandidiert. Er befürchtet, dass der Windpark nicht rentabel sein könnte. „Wenn die Erzeugung von Energie teurer wird, als man durch andere Arbeit erwirtschaften kann, sollte man die Finger davonlassen“, schreibt er.

AfD

Für den Stadtrat Manfred Howe zerstören Windkraftanlagen die Landschaft. Er hält sie für „volkswirtschaftlichen Unsinn“, die den Profitinteressen der Betreiber dienten. „Ich wünsche mir einen optimalen Energiemix, mit Einbeziehung der neuen Kernkraftgeneration.“