Laut der Umfrage „Autokäuferpuls“ blicken deutsche Autokäufer mit Verdruss nach Berlin. Vielen Politikern wird die Kompetenz abgesprochen – am besten schneiden noch die Antipoden Robert Habeck (Grüne) und Alice Weidel (AfD) ab.
Die Frage ist deutlich, die Antwort auch. „Gibt es einen deutschen Spitzenpolitiker, dem Sie zutrauen, die aktuellen Probleme der deutschen Autoindustrie zu lösen?“ Satte drei Viertel der deutschen Autokäufer sagen: Nein. Und unter den kargen 24,7 Prozent, die es anders sehen, gibt es nur minimale Übereinstimmungen.
Auf Kanzler Olaf Scholz (SPD) setzen gerade einmal 2,2 Prozent, auf Ex-Finanzminister Christian Lindner (FDP) nur 1,6 Prozent. Noch am meisten Stimmen sammeln zwei Antipoden, die höchst gegensätzliche Ansichten dazu vertreten, in welche Richtung sich die Autoindustrie entwickeln soll: Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) und Alice Weidel von der AfD. Auch sie kommen jedoch nicht über vier Prozent Zutrauen hinaus, dahinter folgt der Unionskanzlerkandidat Friedrich Merz mit 3,7 Prozent.
Die Inkompetenzvermutung ist weitverbreitet
Der „Autokäuferpuls“, dem diese Zahlen entstammen, ist eine monatliche Umfrage des Puls-Marktforschungsinstituts aus Schwaig bei Nürnberg mit gut 1000 Teilnehmern. Meist greift sie Fragestellungen auf, die für den Autohandel relevant sind. Befragt wird nur, wer im vergangenen Jahr ein Auto gekauft hat oder plant, im nächsten halben Jahr eines zu kaufen. In der Regel geht es um Kundenerwartungen an das Verkaufspersonal, Werkstattservice, Markenbewertung, Preise und derlei Dinge. Im Dezember haben die Meinungsforscher aber politische Fragen in den Fokus gestellt.
Das Ergebnis ist ein recht deutlicher Misstrauensbeweis gegenüber denen, die sich derzeit im Bundestagswahlkampf befinden. Der meistgenannte Grund (24 Prozent) für das harsche Urteil lautet: Inkompetenz. „Unsere Abfrage deckt die wahre Glaubwürdigkeitskrise der deutschen Politik sehr deutlich auf“, schreibt Stefan Reiser, der Geschäftsführer der Puls Marktforschung.
Zu denken geben muss der Politik jedoch auch, dass in der Umfrage zwei Lager deutlich werden, die recht gegensätzliche Erwartungen haben. Dies zeigt sich bei der Frage: „Haben Sie eine klare Vorstellung davon, was getan werden müsste, um die Probleme der Autoindustrie zu lösen?“ Ein gutes Drittel immerhin bejaht dies, aber mit unterschiedlichen Stoßrichtungen. Fast ein Viertel (23,7 Prozent) plädiert für die Förderung neuer Technologien wie Elektromobilität, Wasserstoff und autonomes Fahren. Fast gleich oft (22,9 Prozent) wird danach gerufen, die klassische Automobilproduktion und die bestehenden Arbeitsplätze zu schützen – womit vor allem die Herstellung von Autos mit Verbrennungsmotor gemeint sein dürfte.
Die meiste Zustimmung fand mit gut 35 Prozent eine Forderung, die auch von der Autoindustrie regelmäßig und in den vergangenen Monaten mit vergrößerter Vehemenz erhoben wird: Regulierungen und Bürokratie zu reduzieren.
Als Stimmungsbild aus der Gesamtbevölkerung kann die Umfrage nicht dienen. Sie wirft jedoch ein Schlaglicht auf eine interessante Teilöffentlichkeit, da Autokäufer sich zumindest aus Kundensicht intensiv mit aktuellen Fragestellungen befasst haben dürften, beispielsweise mit der Entscheidung über die Antriebsart, den Marktpreisen und dem aktuellen Modellangebot.