Die Gemeinde Denkendorf wollte einen niederschwelligen Einstieg in die Ganztagsschule an der Ludwig-Uhland-Schule. Eine Umfrage ergab nur geringes Interesse der Familien.
Man wollte die Eltern mit im Boot haben und von ihnen erfahren, wie groß der Bedarf für eine Ganztagsschule ist. Denn vom Schuljahr 2026/2027 an gibt es für Grundschüler einen Rechtsanspruch auf Ganztagesbetreuung. Genau 249 persönlich adressierte Briefe hat die Gemeinde Denkendorf an die Eltern der Jahrgänge, die 2027 und 2028 eingeschult werden, verschickt. Darin wurde abgefragt, ob Bedarf besteht oder ob die Eltern lieber bei der Halbtagsschule bleiben wollen.
Nur 109 Familien gaben den Fragebogen überhaupt zurück. Das Ergebnis: Für 2027 wünschten sich die Eltern für 27 Kinder, für 2028 gar nur für 18 Kinder eine Ganztagsschule. Die anderen Rückläufe votierten für eine Halbtagsschule. Jedoch hätten laut Empfehlung des Staatlichen Schulamts mindestens 30 Schüler pro Jahrgang zusammenkommen müssen, damit die Gemeinde ein detailliertes Konzept für die Ganztagsschule erarbeitet und einen entsprechenden Antrag beim Regierungspräsidium stellt. Nur dann, so das Schulamt, werde die Ganztagsschule mit den erforderlichen finanziellen und personellen Ressourcen für einen sicheren Betrieb ausgestattet.
Verpflichtende Ganztagsschule würde komplett vom Land finanziert
Diese Mindestanzahl wurde in keinem der beiden abgefragten Jahrgänge erreicht. Damit bleibe es – wohl wissend um die Vorteile der Ganztagsschule – beim bisherigen Konzept, so der Bürgermeister Ralf Barth. Neben der Halbtagsschule gibt es bereits jetzt verschiedene Bausteine der Ganztagsbetreuung, die Eltern flexibel buchen können. Es bleibt auch dabei, dass die Eltern eine zusätzliche Betreuung selbst bezahlen müssen. Denn lediglich die verpflichtende Ganztagsschule würde komplett vom Land finanziert und wäre für die Eltern kostenlos.
Angeboten werden sollte die Ganztagsschule an der Ludwig-Uhland-Schule. Gedacht war ein Wahlmodell mit einer Betreuung von sieben Stunden an drei Tagen in der Woche zum Einstieg. Wer mehr Betreuung benötige, hätte diese über die bestehenden Bausteine der Ganztagsbetreuung buchen können.
Barth zeigte sich über die geringe Rücklaufquote von nur gut 43 Prozent enttäuscht. Er sei schon verwundert, dass das Interesse der betroffenen Eltern so gering gewesen sei. Zumal man auf dem Fragebogen nur ein Kreuzchen hätte setzen müssen. Für Barth passt dies jedoch ins Bild: Schon ein Informationsabend im Frühjahr war nur mäßig besucht. Bisher sei von keiner Seite der Wunsch nach einer Ganztagsschule an die Gemeinde herangetragen worden.
„Ich habe das Gefühl, wir beschäftigen uns mit einem Thema, das eigentlich niemand will“, so der Bürgermeister. Das Umfrageergebnis spiegele auch die Zufriedenheit mit dem bestehenden Angebot wider. Schon jetzt komme die Gemeinde der Verpflichtung aus dem Rechtsanspruch von 40 Wochenstunden sehr nahe. Lediglich am Freitagnachmittag, der bisher nicht nachgefragt sei, und in den Schulferien müssten zusätzliche Betreuungsangebote geschaffen werden.
Grüne geben zu bedenken: Angebot schafft Nachfrage
Barbara Fröhlich, Sprecherin der SPD, vermutete, dass Eltern jetzt noch nicht wüssten, welchen Bedarf sie in zwei Jahren hätten. „Ich wäre dafür, die Ganztagsschule trotzdem in Gang zu setzen.“ Aus pädagogischer Sicht sei das Ergebnis sehr bedauerlich. Sie forderte dazu auf, schon in den Kindergärten die Eltern zu informieren. Zudem solle die Umfrage unter den Eltern jedes Jahr wiederholt werden. Christa Brockhaus-Henzler, Sprecherin der Grünen, gab zu bedenken, „dass man gerade diejenigen, die eine Ganztagsschule am dringendsten brauchen, an den Grundschulen nicht sieht“. Man wisse zudem: „Ein Angebot schafft Nachfrage.“ Andreas Allmendinger (CDU), sieht den bisherigen Kurs der Gemeinde bestätigt. „Das bestehende System hat sich bewährt.“ Für Frank Obergöker, den Vorsitzenden der FWV-Fraktion, war es richtig, die Meinung der Eltern einzuholen. „Es ist die Verantwortung der Eltern, sich um die Zukunft ihrer Kinder zu kümmern.“ Er erwarte jedoch, dass sich das Meinungsbild in nächster Zeit verändert.
Einig war sich der Gemeinderat mit dem Bürgermeister, das Thema auf dem Schirm zu behalten. Einstimmig wurde beschlossen, zum Schuljahr 2027/28 keine Ganztagesgrundschule einzuführen, sondern die flexiblen Betreuungsangebote gemäß dem Rechtsanspruch auszubauen. Zudem beschloss der Gemeinderat, im Frühjahr 2026 bei den betroffenen Familien erneut den Bedarf für eine Ganztagsschule ab dem Schuljahr 2028/29 abzufragen.
Vollausbau bis zum Schuljahr 2029/30
Anspruch
Vom Schuljahr 2026/2027 an haben Grundschüler einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung von jeweils acht Stunden an fünf Wochentagen. Begonnen wird mit der Klassenstufe 1. Deshalb ist der Vollausbau erst ab dem Schuljahr 2029/30 erreicht. Außerdem muss eine Betreuung in den Schulferien – mit Ausnahme von vier Ferienwochen – angeboten werden. Für die Umsetzung des Rechtsanspruchs stehen verschiedene mehr oder weniger verbindliche Konzepte zur Wahl.
Umfrage
Von 249 angeschriebenen Denkendorfer Familien, deren Kinder 2027 und 2028 eingeschult werden, haben 109 geantwortet. Für die Halbtagsschule sprachen sich in der Umfrage die Eltern von 63 Kindern aus: für den Schulstart 2027 waren es 27 und für 2028 36 Kinder. Für die Ganztagsschule votierten die Eltern von insgesamt 45 Kindern – für 2027 27 und für 2028 18 Kinder.