Die Schulleiter im Land sind mit der Schulpolitik teilweise nicht zufrieden. Foto: dpa

Wie geht es den Schulleitern im Land? Das hat der VBE in einer Umfrage untersucht. Die Ergebnisse sind ernüchternd. Daran ist nicht allein die Politik schuld - auch die Eltern rücken in den Fokus.

Stuttgart - Viele Schulleiter fühlen sich nach Angaben des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) von der Politik im Stich gelassen. Diesen Eindruck vermittelte jedenfalls am Freitag in Stuttgart VBE-Landeschef Gerhard Brand. Er stützte sich auf eine Umfrage des Instituts Forsa unter rund 250 Schulleitern in Baden-Württemberg. Demnach fordern die Rektoren mehr Zeit für ihre originären Aufgaben, mehr Lehrer, um freien Stellen zu besetzen und bessere Vertretungslösungen für kranke Lehrer. Nur 13 Prozent der Schulleiter fühlten sich durch das Kultusministerium unterstützt.

Vor allem das Problem fehlender Lehrer habe sich verschärft, sagte Braun. In der Umfrage hätten 44 Prozent erklärt, mit einem Lehrermangel und unbesetzten Stellen zu kämpfen. Im einer Umfrage von 2018 hatten dies noch 32 Prozent angegeben. Das bedeute, dass derzeit von rund 5000 Schulen rund 2200 den Unterricht nicht mehr in allen Bereichen in der gewünschten Qualität sicherstellen könnten.

Schulleiter vergeben Not 3,7

Vor allem Schulen in sozialen Brennpunkten litten darunter. Dort gebe es oft Seiteneinsteiger als Lehrer, obwohl Kinder dort eine besondere Förderung und Lehrer mit viel pädagogischem Geschick bräuchten. „Der Lehrermangel wird damit auf dem Rücken sozial benachteiligter Kinder ausgetragen“, sagte Brand. Insgesamt werde die Schulpolitik in Baden-Württemberg von den Schulleitern mit der Note 3,7 bewertet.

Die Schulen betrachten aber auch das Verhalten mancher Eltern als ein Problem. „Zunehmend mehr Eltern versuchen, ihre Vorstellungen von Schulen mit allen Mitteln durchzusetzen“, erklärte Braun. „Waren es letztes Jahr 14 Prozent der Schulleitungen, die Eltern als Problem sahen, sind es dieses Jahr 21 Prozent.“ Der stellvertretende VBE-Landeschef Dirk Lederte sprach von zunehmender Distanz- und Respektlosigkeit der Eltern. Die Bereitschaft, auf professionelle Ratschläge einzugehen und mit der Schule zu kooperieren, sinke.

Eisenmann zeigt Verständnis

Das Kultusministerium, das von CDU-Politikerin Susanne Eisenmann geführt wird, zeigte Verständnis für die Sorgen der Schulleiter. „Die Befragung der Schulleitungen deckt sich in weiten Teilen mit unseren Erkenntnissen.“ Das Ziel sei, Schulleiter zu stärken. Eisenmann hat vor einiger Zeit unter anderem ein Konzept vorgelegt, nach dem Rektoren von Grundschulen besser bezahlt werden sollen. Sie legt dafür eine Zahl von mindestens 40 Schülern zugrunde. Noch streiten die Koalitionäre darüber: Die CDU will die bessere Bezahlung auch für noch kleinerer Schulen, die Grünen will sie nur für größere Schulen.

SPD-Bildungsexperte Gerhard Kleinböck mahnte: „Seit drei Jahren hören die Schulleitungen nichts als leere Versprechen und vollmundige Ankündigungen von der Regierungsbank.“ Bei mehr als 200 unbesetzten Leitungsstellen an den Schulen sei hier Eile geboten.

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