Die Starkregenkatastrophe vor zwei Jahren hat den Handlungsdruck in Sachen Klimaschutz auch im Rems-Murr-Kreis deutlich gemacht. Foto: Gottfried Stoppel

Nach Starkregen und Hochwasser 2024 startet der Landkreis eine große Umfrage. Bürger sollen mitentscheiden, wie Klimaschutz und Anpassung konkret aussehen sollen.

Der Klimawandel ist im Rems-Murr-Kreis keine abstrakte Größe mehr, sondern greift spürbar in den Alltag ein. Überschwemmte Straßen, vollgelaufene Keller, aufgeweichte Böden – die Starkregen- und Hochwasserereignisse des Jahres 2024 haben gezeigt, wie verletzlich die Region ist. Vor diesem Hintergrund hat das Landratsamt nun einen neuen Anlauf gestartet, um Klimaschutz und Klimaanpassung systematisch voranzubringen, wie es in einer Mitteilung heißt.

 

Ziel sei ein umfassendes Klimahandlungsschutzprogramm, das nicht nur Emissionen senken, sondern den Landkreis zugleich widerstandsfähiger gegen Hitze, Starkregen und andere Folgen des Klimawandels machen solle. Entscheidend dabei: Die Maßnahmen müssten zu den realen Bedingungen vor Ort passen – und finanziell tragfähig bleiben.

Bürgerbeteiligung als Schlüssel zur Klimapolitik vor Ort

Um diese Balance zu finden, will das Landratsamt auf Beteiligung setzen. Bürgerinnen und Bürger können aktuell an einer anonymen Online-Umfrage teilnehmen und dort angeben, wo sie Handlungsbedarf sehen, welche Themen ihnen wichtig sind und welche Erfahrungen sie einbringen wollen. Die Ergebnisse sollen direkt in die Entwicklung konkreter Maßnahmen einfließen.

Landrat Richard Sigel wird mit den Worten zitiert, man wolle „gemeinsam mit den Kommunen einen wirkungsvollen Beitrag leisten“ – praxisnah und wirtschaftlich umsetzbar. Dafür brauche es die Perspektiven der Bevölkerung. Welche Themen den Menschen tatsächlich am Herzen lägen, solle die Umfrage sichtbar machen.

Das Wichtigste zur Umfrage

Der Druck zum Handeln ist nicht nur lokal motiviert. Das Bundes-Klimaschutzgesetz schreibt eine deutliche Reduktion der Treibhausgasemissionen bis 2030 und Klimaneutralität bis 2045 vor, das Land Baden-Württemberg zieht dieses Ziel sogar auf 2040 vor. Kommunen komme dabei eine Vorbildrolle zu, sie seien gesetzlich zur Entwicklung von Anpassungskonzepten verpflichtet, heißt es in der Mitteilung des Landratsamts.

Im Rems-Murr-Kreis liefen bereits Projekte – von Förderprogrammen für ehrenamtliche Initiativen über Energieberatungen bis hin zum Ausbau von Photovoltaik und öffentlichem Nahverkehr. Die Umfrage könnte nun zeigen, ob diese Maßnahmen aus Sicht der Bevölkerung greifen – oder wo der Kurs korrigiert werden müsste.