Olaf Scholz, Angela Merkel, Horst Seehofer – die große Koalition verliert an Vertrauen. Foto: dpa

Auch wenn Jamaika im Bund krachend gescheitert ist – Regierungen mit nur zwei Parteien werden künftig die Ausnahme sein, kommentiert Christian Gotttschalk. Für die ehemaligen Volksparteien gibt es aber einen Hoffnungsschimmer.

Stuttgart - Stuttgart - Bevor die Bundesliga in die nachweltmeisterliche Saison gestartet ist, hat es eine Umfrage unter den Trainern gegeben, wer am Ende denn wohl ganz oben stehen würde. Mit einer Ausnahme sieht jeder die Bayern aus München ganz oben. Es ist das schöne an Umfragen, dass es am Ende nicht so kommen muss, wie vorhergesagt. Von daher ist es natürlich keineswegs sicher, dass bei einer Bundestagswahl die große Koalition tatsächlich auf nur noch mickrige 39 Prozent zusammenschnurren würde, dass die traditionsreichen Sozialdemokraten nur noch auf dem vierten Platz liegen würden, dass AfD und Grüne zu kleinen Volksparteien mutierten.

Umfragen haben eigene Ironie

Allerdings: der Trend, den die ARD-Umfrage aufzeigt, der scheint unaufhaltsam. Die Zeiten, als ein Großer mit einem Kleinen die Regierung stellte, sie scheinen ebenso vorbei wie das Zusammenspiel der beiden vermeintlich Großen. Der Bündnistrend muss zum Dreier, wenn nicht gar noch größeren Zusammenschluss gehen, auch wenn das auf Bundesebene zuletzt krachend gescheitert war. Allen Schwierigkeiten zum Trotz – es gibt keine andere Wahl. Und das, Umfragen haben manchmal eine eigene Ironie, beunruhigt den Wähler wieder. Mehr als die Hälfte der Befragten beklagen den Bedeutungsverlust gerade der Parteien, denen sie ihre Stimme nicht mehr geben wollen. Vielleicht ist gerade das die Chance der ehemals Großen auf eine politische Wiederauferstehung.

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