Polarisiert mit seinen Aussagen: Daimler-Chef Dieter Zetsche Foto: dpa

Der Chef des Autobauers kündigt auf dem Mobile World Congress in Barcelona Umbrüche im Konzern an. Wir haben uns vor dem Werk in Esslingen-Mettingen umgehört. Die Umfrage zeigt: Die Belegschaft ist gespalten.

Stuttgart - Daimler-Chef Dieter Zetsche hat auf der Mobilfunkmesse MWC in Barcelona an die Veränderungsbereitschaft der Branche und seines Unternehmens appelliert. Es sei kein Naturgesetz, „dass Daimler ewig besteht“ – und ein Weiter-So dürfe es auch nicht geben.

Bei der Belegschaft löst Zetsche damit gemischte Reaktionen aus. Viele Mitarbeiter wollen sich jedoch nicht zu dem Thema äußern, zeigt eine Umfrage unserer Zeitung vor dem Werkstor in Esslingen-Mettingen – und wenn, dann ohne ihren Namen zu nennen. Einige springen ihrem Chef bei. „Mit diesen Aussagen hat er Recht. Es ist alles im Wandel. Ich habe den Eindruck, dass sich die Leute hier zu wenig Gedanken darüber machen“, sagt ein Gießereimitarbeiter.

Zetsche schürt Verunsicherung

„Dass es Daimler in dieser Form nicht für immer gibt, ist hoffentlich jedem hier klar“, kommentiert ein IT-Mitarbeiter. Den Konzern weiter aufzusplitten, sei als Modell für die Zukunft „wesentlich vernünftiger“. Einige Kollegen ziehen Vergleiche zu anderen Branchen, in denen Unternehmen es nicht geschafft haben, sich erfolgreich zu wandeln. „Wir müssen uns weiterentwickeln. Sonst geht es uns irgendwann wie Nokia“, sagt ein Logistik-Mitarbeiter. Viele Daimler-Beschäftigte beklagen den Zeitpunkt der Aussagen Zetsches. „Jetzt steht er kurz vor der Rente und hat leicht reden“, sagt ein 57-jähriger Schweißer. Zetsche habe es selbst verschlafen, rechtzeitig die Wende einzuleiten. Ähnliche Aussagen hört man am Mittwoch des Öfteren. Einige meinen, Zetsche schüre mit solchen Aussagen vor allem die Verunsicherung bei der Belegschaft. „Wir wissen, dass irgendwas auf uns zukommt. Darauf müssen wir uns vorbereiten. Nur was kommt, kann uns keiner sagen“, sagt ein 43-Jähriger, der in der Putzerei arbeitet. Er und seine Kollegen würden sich schon auf eine Abfindungsrunde einstellen. Dass es Veränderungen beim Autobauer geben muss, stellt er gar nicht in Frage: „Es lässt sich eben nichts daran ändern, dass man heute vielleicht zehn Leute braucht, um ein Auto zu bauen. Irgendwann sind es halt nur noch vier.“

Leiharbeiter sind besonders frustriert

Diejenigen Daimler-Beschäftigten, die bald in Rente gehen können, zeigen sich froh darüber. „Wenn es die ganzen Umbrüche nicht gegeben hätte, dann hätte ich das nicht gemacht“, sagt ein Mitarbeiter aus der Gießerei. Er gehe im August in Altersteilzeit. Ein Kollege aus der Produktion hat auch nicht mehr lang bis zu seinem Ruhestand. „Für den Rest der Belegschaft ist es schade“, sagt der 60-Jährige. Immerhin werde die Belegschaft auf die Veränderungen eingestimmt. „Ich habe 34 Jahre lang im Bereich Antriebswellenproduktion gearbeitet. Uns wurde immer gesagt: Ihr seid super! Bis der Bereich dann irgendwann nach Polen verkauft wurde.“ Besonders frustriert sind die Leiharbeiter. „Ich würde Herrn Zetsche wünschen, dass er wieder bei Null anfangen muss – dann kann er mal zu uns in die Gießerei kommen und sehen, was es heißt, richtig zu arbeiten“, sagt ein 49-jähriger Leiharbeiter. Er gehe davon aus, dass er ab April arbeitslos ist.

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