Eine Station zur Desinfektion gibt es in Coronazeiten im Bahnhof. Ansonsten ist die große Halle des Bonatzbaus aber leer geräumt. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Die große Halle des Bonatzbaus präsentiert sich seit einem halben Jahr öde und leer. Geschäfte und Gaststätten sind längst ausgezogen. Nun bekommt Züblin den Umbauauftrag für das Bahnhofsgebäude.

Stuttgart - An großen Baustellen herrscht kein Mangel in der Innenstadt. In absehbarer Zeit wird eine weitere dazukommen, wenn der Umbau und die Sanierung des Bahnhofsgebäudes auch nach außen hin sichtbar beginnt. Das Stuttgarter Bauunternehmen Züblin hat sich nun den Auftrag für die Rohbauarbeiten im denkmalgeschützten Bonatzbau gesichert. Wert des Mitte Juni unterzeichneten Kontrakts: Gut 89,5 Millionen Euro. Den Gesamtaufwand für den Umbau des Stuttgarter Bahnhofsgebäudes gibt die Bahn mit 250 Millionen Euro an. Große Auswahl bei der Vergabe des Auftrags hatte die Bahn nicht. Nur ein einziges Angebot war auf die Ausschreibung hin eingegangen.

 

Arbeiten, die nicht sichtbar sind

Nach den im November 2019 vorgestellten Plänen hätten die Rohbauarbeiten Anfang 2020 beginnen sollen. Dass der Rohbauauftrag erst jetzt erteilt werden konnte, bedeute aber nicht, dass Verzug eingetreten sei. „Es laufen bereits nicht erst seit Schließung der letzten Geschäfte zahlreiche Maßnahmen, die für die Reisenden zu großen Teilen nicht sichtbar sind“, erklärt ein Bahnsprecher. Dazu gehöre etwa „der Rückbau von Haustechnik und der von den früheren Mietern eingebauten Anlagen“.

Züblin hatte sich im Jahr 2012 auch bereits den Auftrag für den neuen Tiefbahnhof von Stuttgart 21 gesichert. Bei der Bahn legt man allerdings Wert auf die Unterscheidung der beiden Vorhaben. Den Umbau des Bonatzbaus stemmt die Bahn aus eigenen Mitteln, Stuttgart 21 wird von den Projektpartnern Bahn, Land, Stadt und Region finanziert. Diese bezahlen an der Bahnhofssanierung nicht mit. Gleichwohl hat die dafür zuständige Bahntochter „Station und Service“ Anfang Juni die S-21-Projektgesellschaft mit den Projektmanagement-, Planungs- und Bauüberwachungsleistungen im Zuge eines sogenannten „Geschäftsbesorgungsvertrages“ beauftragt. Dies biete Synergieeffekte und sei „deshalb überaus sinnvoll“, so der Bahnsprecher.

Das Äußere des Bahnhofs bleibt erhalten

Bei dem Umbau des Bahnhofs bleibt zwar dessen Fassade unverändert, aber im Inneren kaum ein Stein auf dem anderen. Das komplette Gebäude, das zwischen 1922 und 1928 in Etappen in Betrieb gegangen ist, wird entkernt. Die heutige Bahnhofshalle wird zur Galerie, wenn der Zugang zu den Gleisen nach Inbetriebnahme des Durchgangsbahnhofs eine Etage tiefer als heute stattfindet. Vom Arnulf-Klett-Platz kommend geht es dann ebenerdig zur Verteilerebene über den Gleisen des Tiefbahnhofs. Im Bereich zwischen der Großen und der Kleinen Schalterhalle, wo bislang gastronomische und Einzelhandelsbetriebe ihre Geschäftsräume hatten, entsteht ein Hotel. Dass in diesem Bereich das Gebäude aufgestockt werden muss, hatte Kritik hervorgerufen.

Rund 300 000 Reisende frequentieren den Bahnhof jeden Tag. Für sie hat sich einiges geändert, seit sie ihre Besorgungen nicht mehr auf dem Weg zum oder vom Zug in gewohntem Umfang erledigen können, da sich die Zahl der Geschäfte reduziert hat. Die nächsten Einschränkungen stehen an, wenn nach den Serviceeinrichtungen und den Läden auch der Wartebereich aus dem Bahnhofsgebäude hinaus verlegt wird. Dazu ist am Nordausgang auf dem Kurt-Georg-Kiesinger-Platz eine Interims-Wartehalle aufgebaut worden. Noch steht sie hinter hohen Zäunen. „Das Gebäude ist fertiggestellt und wird den Reisenden zur Verfügung gestellt, sobald das infolge des Bauablaufs erforderlich ist“, sagt der Bahnsprecher. Offen bleibt, wann es soweit ist.