Ulrich Rost sagt, er werde den Kontakt zu den Menschen vermissen. Auf seine neue Aufgabe freut er sich trotzdem sehr. Foto: Julia Barnerßoi

Ulrich Rost verlässt zum 1. Mai die evangelische Kirchengemeinde Riedenberg. Der Pfarrer sagt, dass er den Kontakt zu den Menschen vermissen werde. Künftig wird er Lehrer im Haus Birkach zu Seelsorgern ausbilden.

Riedenberg - Die Vorfreude auf die neuen Aufgaben überwiegt. Trotzdem ist Pfarrer Ulrich Rost auch ein wenig traurig, dass er seine Pfarrstelle in der evangelischen Gemeinde Riedenberg zum 1. Mai aufgeben wird. Bisher war der 54-Jährige zu 50 Prozent vornehmlich als Seelsorger im Augustinum aktiv, eine weitere halbe Stelle hat er als Seminarleiter im Evangelischen Bildungszentrum der Landeskirche im Haus Birkach. Nächsten Monat übernimmt Rost im Bildungszentrum eine weitere 50-Prozent-Stelle. Er wird künftig Religionslehrer an staatlichen Schulen zu Seelsorgern ausbilden. Ulrich Rost wird quasi ein Lehrer für Lehrer.

Seelsorger müssen mit sich selbst im Reinen sein

Bisher war Rost ausschließlich ein Lehrer für Pfarrer. Seit mehr als vier Jahren leitet er das Seminar für Seelsorge-Fortbildung im Evangelischen Bildungszentrum. „Es ist eine sehr intensive und ehrliche Arbeit“, sagt Rost. Ehrlich deshalb, weil die Seminarteilnehmer sehr aufrichtig zu sich selbst sein müssen. Denn bevor jemand als Seelsorger einem anderen Menschen helfen kann, müsse er zunächst mit sich selbst im Reinen sein. „Dafür muss man viel über sich lernen“, sagt Rost. Das sei mitunter auch sehr schmerzhaft.

Rost freut sich besonders, dass er zukünftig mit Lehrern arbeiten darf, wie er sagt. Denn Lehrer seien es gewohnt, dass normalerweise sie selbst anderen etwas beibringen. Der Perspektivwechsel werde spannend, da ist sich Rost sicher. Besonders auch deshalb, weil die Ausbildung nicht wie der Schulunterricht dogmatisch orientiert sei. „Die Lehrer denken, sie bekommen Inhalte vermittelt“, sagt Rost. Der Pfarrer wird ihnen jedoch nicht ein Lehrbuch zum Auswendiglernen liefern. Im Gegenteil: „Ich werde sie sofort mit sich selbst konfrontieren“, sagt er. Der Grund dafür, dass die Evangelische Kirche die Seelsorger-Ausbildung der Lehrer ausbauen möchte, sei im Übrigen der Bedarf, der aus den Schulen kommt, wie Rost sagt. Die Kinder bräuchten immer mehr Begleitung über den Unterricht hinaus.

Er hat sehr gerne Gottesdienste gefeiert

Genauso lange wie er im Haus Birkach tätig ist, war Ulrich Rost auch Pfarrer in Riedenberg. Besonders der enge Kontakt zu den Menschen in der Gemeinde werde ihm fehlen. Und die Gottesdienste. „Ich feiere sehr gerne Gottesdienst“, sagt der dreifache Vater, der in Aichtal wohnt. Auch wenn ihm bewusst sei, dass nicht jedem Gemeindemitglied sein Stil gefalle, der eher meditativ geprägt sei. Auch hier wolle er die Menschen anregen, über sich nachzudenken und den Gedanken freien Lauf zu lassen.

Schon immer habe er sich für Kontemplation und Psychologie interessiert, sagt Rost. Das zeigt auch der Werdegang des gebürtigen Oberschwaben. Nach dem Studium und der Vikariatszeit hatte er sechseinhalb Jahre eine gewöhnliche Pfarrstelle in der Nähe von Ulm inne. Danach zog es ihn für acht Jahre nach Bad Schussenried – als Pfarrer in der Psychiatrie. Eine Zeit, „in der ich extrem viel gelernt habe über uns Menschen“, wie Rost sagt. Vor allem die Tatsache, dass die Menschen in der Psychiatrie vieles seien, aber nicht geisteskrank.

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