Für den Wahl-Feuerbacher Ulrich Kadelbach bedeutet sein neues Buch auch eine Rückkehr an den Ort, an dem er die ersten 16 Jahre seines Leben verbracht hat. Foto: Susanne Müller-Baji

Ulrich Kadelbach, Pfarrer im Ruhestand, erforscht in seinem Buch „Ur-Sprung Königsbronn“, welche Spuren die Geschichte in seiner Heimatstadt hinterlassen hat.

Feuerbach - Mancher schreibt mit den Jahren seine Memoiren auf, Ulrich Kadelbach, Wahl-Feuerbacher und Pfarrer im Ruhestand, wählt einen anderen Weg. In seinem neuesten Buch „Ur-Sprung Königsbronn – Geheimnis eines Dorfes“ geht er zurück zu den allerersten Anfängen, und erforscht, welche Spuren die Geschichte in seiner Heimatstadt an der Brenz hinterlassen hat, und damit in ihm selbst.

Um es vorweg zu sagen: Man muss sich schon Zeit nehmen für dieses Büchlein. Und vor allem muss man sich als Nicht-Königsbronner auch von der Vorstellung verabschieden, dass einen nur das interessiert, zu dem man einen unmittelbaren persönlichen Bezug hat. Schon der Einstieg ist ungewöhnlich: Ein schwäbischer Beamter befragt einen Syrer und sitzt dabei auf recht hohem Ross: Was ihn denn aus Aleppo hergeführt habe? Der junge Mann erzählt von der vor Gram verstorbenen Mutter und vom Weg über die Balkanroute bis ins malerische Königsbronn.

Nun aber will er hinauf zur Burg Herwartstein: „Zu meinem Vater.“ Und das ist nun etwas, was wirklich nur die Literatur vermag: Den Leser durch einen neuen Bezug von einem Moment zum nächsten ins Mittelalter zu katapultieren. Zu den Kreuzfahrern, die genetische Spuren im Nahen Osten hinterlassen haben, darunter vielleicht auch der Königsbronner Ritter Guntram. „In Syrien sieht man öfter helle Haare und helle Augen“, sagt Kadelbach, der etwa als vormaliger Nahostreferent im Evangelischen Missionswerk in Südwestdeutschland (EMS) regelmäßig vor Ort gewesen ist.

Rückkehr an den Ort der Kindheit

In dem schmalen Band wird schnell klar, dass nichts und niemand eine Insel ist. Und: „Wer glaubt, das schöne und geheimnisvolle Dorf Königsbronn am Brenzursprung verstanden zu haben, dem wurde es nicht richtig erklärt.“ Kadelbach erzählt also von seiner Heimat, durch die der Hochofen dröhnt, in der dank des örtlichen Hüttenwerks sogar die Gartenwege mit Eisenspänen angelegt werden. Die Produkte gingen in die Welt hinaus und viele Städte hatten einst eiserne Brunnen „Made in Königsbronn“. Geschichte vermischt sich im Buch mit Anekdoten und ergibt eine angenehme Lektüre, sobald man sich erst einmal eingelesen hat.

Für Kadelbach ist es eine Rückkehr an den Ort seiner Kindheit, er hat dort die ersten 16 Jahre seines Leben verbracht. Das Buch versteht er aber nicht als Reminiszenz an die Jugend: „Es ist vielmehr eine Suche nach dem, was Spuren in einem hinterlassen hat.“ Und davor im Ort selbst. Georg Elser zum Beispiel ist ein berühmter Sohn Königsbronns. Nur, dass sein Heimatort es ihm lange nicht verzeihen konnte, dass man nach dem gescheiterten Hitler-Attentat quasi in Sippenhaft genommen wurde.

Feuerbach ist seit 33 Jahren Kadelbachs Wahlheimat

Seit 33 Jahren ist freilich Feuerbach Kadelbachs Wahlheimat. „Ich lebe hier so lange wie noch an keinem anderen Ort.“ Wird es also einmal ein ähnliches Buch über den Stadtbezirk geben? „Nein, erstens glaube ich, dass schon sehr viele gibt. Und zweitens fühle ich mich dazu überhaupt nicht befähigt, wo man doch hier geboren sein muss, um Feuerbächer zu sein.“ Von wegen: Drei Generationen und ein Stückle am Ort, die Alteingesessenen legen die Latte sogar noch ein Stück höher, bei der Festlegung wer ein echter Einheimischer ist. Das ist in Feuerbach so in die Steinbrüche gemeißelt, wie im geheimnisvollen Königsbronn alles um den Werkstoff Eisen kreist.

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