Hunderttausende Flüchtlinge sind mittlerweile aus der Ukraine in Deutschland angekommen. Wie läuft die Aufnahme und Unterbringung? Wir haben in Holzgerlingen nachgefragt.
Aufgrund des Krieges in der Ukraine hat auch Deutschland in den letzten Wochen zahlreiche Flüchtlinge aus dem Kriegsgebiet aufgenommen. In Holzgerlingen sind mittlerweile 76 ukrainische Flüchtlinge angekommen und untergebracht. Doch das allein reicht nicht, sagt Bürgermeister Ioannis Delakos. Es sei auf lange Sicht wichtig, den Menschen eine Perspektive zu bieten.
Jeder der kommt, wird aufgenommen
Die Kommune geht zunächst pragmatisch an die Situation heran: „Wir nehmen jeden auf, der zu uns kommt“, sagt Ioannis Delakos. Der Rathauschef gibt allerdings trotzdem zu bedenken, dass im Land und auch bundesweit auf eine faire Verteilung geachtet werden muss. Wichtig sei dabei, dass diese Regeln nicht auf dem Rücken der Flüchtlinge ausgetragen werden. „Deshalb nehmen wir jeden auf und tun unser Möglichstes“, sagt er. Seit Wochen ist die Kommune bereits mit Privatleuten, Gastfamilien und ehrenamtlichen Helfern sowie vielen anderen im Gespräch, um langfristig Perspektiven bieten zu können. Die Aufnahme und Unterbringung ziehen nämlich einen ganzen Rattenschwanz hinter sich her, erklärt Ioannis Delakos. Da gehe es auch darum, einen Schul- und Kindergartenbesuch zu ermöglichen oder die Arbeitssuche zu vereinfachen.
25 Flüchtlinge sind in städtischen Unterkünften untergebracht
Um Netzwerke unter den Flüchtlingen und Helfenden zu schaffen, hat die Stadt auch bereits ein Zusammentreffen in der Stadthalle organisiert. Dort sei es darum gegangen Bedürfnisse abzuklären und zu erfragen, welche Hilfsangebote sinnvoll und gewollt sind. Mittlerweile sind rund 25 der Geflüchteten in städtischen Unterkünften untergebracht. „Wir versuchen im Gespräch mit den Gastfamilien, Regelungen zu treffen und Perspektiven zu bieten, wie eine Unterbringung längerfristig aussehen kann“, sagt Ioannis Delakos.
Die Hilfsbereitschaft ist groß
Dabei gehe es vornehmlich um Menschen, die mit anderen Familien zusammenleben und beispielsweise nur ein eigenes Zimmer haben. Von der Hilfsbereitschaft der Holzgerlingerinnen und Holzgerlinger ist der Bürgermeister begeistert: „Es wurden uns schon einige Wohnungen zur Miete angeboten.“ Theoretisch könnte die Stadt bereits den Bedarf decken, doch die Verantwortlichen sind vorsichtig, da nicht klar ist, wie viele Menschen noch kommen werden. „Wir als Kommune brauchen auch etwas Zeit, um uns die Wohnungen anzuschauen und sie eventuell auszustatten“, sagt Ioannis Delakos. Die spontanen Hilfstransporte, wie sie vor ein paar Wochen stattgefunden haben, haben die Stadt zunächst vor eine Herausforderung gestellt. Delakos schildert, wie er an einem Freitagabend um 20 Uhr einen Anruf bekommen hatte, dass in zwei Stunden Flüchtlinge in Holzgerlingen ankommen würden, die eine Unterkunft benötigten.
Innerhalb von zwei Stunden Unterkunft organisiert
„Das war dann kurz Stress, aber dank ehrenamtlichen Helfern konnten die Menschen untergebracht werden“, erzählt er. Um die Flüchtlinge auch wirklich willkommen zu heißen, brauche die Stadt etwas mehr Vorlauf. „Diese Aktionen verdienen den größten Respekt und mittlerweile hat sich das auch eingespielt, aber es ist letztlich für alle von Vorteil, wenn die Ankunft gut vorbereitet ist“, fügt er hinzu.
Pragmatisches Handeln ist gefragt
Als nachgelagerte Diskussion sieht der Bürgermeister neben der fairen Verteilung ebenfalls die Kosten für die Unterbringung. Jetzt müsse zunächst einmal pragmatisch gehandelt werden.
Aufnahme von Flüchtlingen – was zu beachten ist
Was tun, wenn man eine Wohnung zur Verfügung hat?
Die freie Wohnung kann beim Rathaus im Wohnort gemeldet werden, zusammen mit der maximalen Zahl an Flüchtlingen, die dort unterkommen können.
Was tun, wenn man eine größere Immobilie oder ein Grundstück hat?
Das Landratsamt bittet in diesem Fall, sich an folgende E-Mail-Adresse zu wenden: gebaeudewirtschaft@lrabb.de.
Was tun, wenn man nur ein Zimmer oder Bett frei hat?
Über die Plattform www.unterkunft-ukraine.de können Daten hinterlegt werden. Flüchtlinge können dann direkten Kontakt aufnehmen.
Was tun, wenn man bereits aufgenommene Flüchtlinge nicht mehr unterbringen kann?
In diesem Fall rät das Landratsamt, sich direkt ans Rathaus zu wenden, da zunächst die Kommune für die anschließende Unterbringung zuständig ist. Falls es keine Kapazitäten mehr gibt, wird der Landkreis eingeschaltet.
Was muss man bei der Aufnahme von Flüchtlingen beachten?
Die Flüchtlinge müssen ihren Wohnsitz beim Einwohnermeldeamt im Rathaus anmelden und die zuständige Ausländerbehörde kontaktieren. Das Landratsamt weist darauf hin, dass die Anmeldung und Registrierung zwingend notwendig sind, damit Miete und Zimmerpauschale übernommen werden.
Kosten
Wer in den eigenen vier Wänden in einem privaten Zimmer Flüchtlinge untergebracht hat, bekommt von der Leistungsbehörde Asylbewerberleistungen pro untergebrachter Person 100 Euro. Dazu muss eine Wohnungsgeberbestätigung, die Mietbescheinigung und Anmeldebescheinigung vorgelegt werden. Der Gesamtbetrag ist auf monatlich 400 Euro gedeckelt, Nebenkosten werden nicht übernommen. Für die Übernahme der Kosten einer ganzen Wohnung gelten die Richtwerte der Mietobergrenzen.