Schwierige Mittlerrolle: Ibrahim Kalin, Direktor des türkischen Geheimdienstes, trifft am Verhandlungsort in Istanbul ein. Foto: dpa/Emrah Gurel

Immer gut, wenn mit der Ukraine verhandelt wird. Warum der Schluss aber falsch wäre, es gehe Russland dabei um Frieden, schreibt StN-Chefredakteur Christoph Reisinger.

Die Ausgangslage aller Gespräche, die Russland mit der Ukraine führt, ist immer die gleiche: Ohne legitimen Grund hat der russische Präsident Wladimir Putin den Krieg 2014 vom Zaun gebrochen. Wäre er gewillt zu echtem Frieden, müsste er nur seine Beute an Leuten und Land zurückgeben – und bekäme ihn innerhalb von 24 Stunden.

 

Russland will mit Terror die Europäer lähmen

Was die Russen in Istanbul anbieten werden, sind einmal mehr nur ihre Vorstellungen von ukrainischer Unterwerfung. Den Nachbarn mit Feuer und Terror brechen, um die Europäer in Nato und EU durch Furcht zu lähmen – an diesem mehrfach öffentlich gesetzten Kriegsziel hat Putin schließlich noch nie Abstriche gemacht. Selbst die jüngst so erfolgreichen ukrainischen Schläge gegen militärische Ziele tief in russischem Territorium werden daran nichts ändern. Sie zeugen zwar vom beeindruckenden Selbstbehauptungswillen der Ukrainer. Aber sie hemmen eher Russlands aktuelle strategische Aufrüstung gegen die Nato als seine Operationen in der Ukraine.

Wo es die Briten richtig machen

Lasse sich daher niemand vom Auftauchen russischer Unterhändler in Istanbul täuschen. Putin ist nicht mit gutem Zureden beizukommen, sondern ausschließlich mit vehementer Unterstützung für die Ukraine, den Kampf nicht zu verlieren – und mit Signalen, wie sie die britische Regierung mit ihrem aktuellen Rüstungsprogramm setzt: Dass die Zeit in diesem Krieg allen Geländegewinnen zum Trotz gegen Putin läuft.