Die in der Ostukraine festgehaltenen OSZE-Beobachter sind Medienberichten zufolge wieder auf freiem Fuß. (Archivbild) Foto: OSCE

Die OSZE-Beobachter, die in der Ostukraine tagelang festgesetzt worden waren, befinden sich laut Medienberichten wieder in Freiheit. Die OSZE und Russland bestätigten mittlerweile die Freilassung.

Die OSZE-Beobachter, die in der Ostukraine tagelang festgesetzt worden waren, befinden sich wieder in Freiheit. Die prorussischen Separatisten in Slawjansk haben die sieben als Geiseln festgehaltenen Militärinspekteure freigelassen.

Moskau/Berlin - Nach acht Tagen Geiselhaft sind die in der Ostukraine festgesetzten OSZE-Militärbeobachter wieder frei. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sagte am Samstag, die Männer, darunter vier Deutsche, seien in sicherer Obhut der OSZE und des deutschen Unterstützungsteams. Allen gehe es den Umständen entsprechend gut. Das Team sollte abends in Berlin eintreffen.

Parallel eskalierte in der Ex-Sowjetrepublik die Gewalt: In Kramatorsk und Slawjansk gab es bei Kämpfen ukrainischer Truppen mit moskautreuen Aktivisten mehrere Tote. In Odessa starben bei Straßenschlachten und einem Hausbrand mindestens 46 Menschen, mehr als 210 wurden verletzt.

Die prorussischen Separatisten in Slawjansk übergaben ihre Geiseln dem Kreml-Sondergesandten Wladimir Lukin. Außerhalb der Stadt nahm m der Generalsekretär des Europarats, Thorbjørn Jagland, die Männer in Empfang. Freigelassen wurden vier Deutsche, ein Däne, ein Pole, ein Tscheche sowie fünf ukrainische Soldaten, die als Begleiter dabei waren. Ein chronisch kranker Schwede war schon vor einigen Tagen freigekommen.

Der Sondergesandte des Kremls, Lukin, betonte, dass die Volksmiliz in Slawjansk die Männer als „edle Geste“ freigelassen und auf einen Austausch gegen inhaftierte Gesinnungsgenossen verzichtet habe. Im Gegenzug solle die Führung in Kiew nun ihre am Freitag gestartete Militäroffensive in der Region Donezk gegen die moskautreuen Separatisten abbrechen. Wünschenswert wäre zudem ein Dialog, sagte der langjährige russische Menschenrechtsbeauftragte dem Sender Rossija-24.

Besonders schwere Kämpfe tobten am Samstag in der Stadt Kramatorsk bei Slawjansk. Ein Fernsehturm sowie mehrere Straßensperren seien in der Hand der Regierungstruppen, berichtete der ukrainische Innenminister Arsen Awakow. Das Anti-Terror-Zentrum in Kiew teilte mit, die Vororte von Slawjansk würden mittlerweile von Sicherheitskräften kontrolliert.

Nach der Freilassung der OSZE-Beobachter sollen in Slawjansk bei neuen Gefechten wieder mehrere Menschen getötet worden sein. Ein Sprecher der Aktivisten sagte der russischen Staatsagentur Itar-Tass, elf Zivilisten und vier Bewaffnete seien ums Leben gekommen. Eine unabhängige Bestätigung gab es dafür nicht. Im nahen Dorf Andrejewka seien am Vorabend 10 Menschen getötet und 40 verletzt worden. Die Regierung in Kiew hatte den Tod von zwei Soldaten bekanntgegeben.

In der Hafenstadt Odessa am Schwarzen Meer, wo es bislang weitgehend ruhig geblieben war, lieferten sich am Freitag Anhänger und Gegner der Übergangsregierung in Kiew schwere Straßenschlachten. Dabei wurde das zentrale Gewerkschaftshaus in Brand gesetzt, wo Dutzende Menschen starben. Die Staatsanwaltschaft zählte insgesamt es 46 Tote, 214 Verletzte und 144 Festnahmen.

Auf der Krim wachsen ebenfalls die Spannungen

Die prowestliche Regierung in Kiew machte die einstige Führung um den entmachteten Präsidenten Viktor Janukowitsch für die Gewalt verantwortlich. Von ihrem Exil in Russland aus habe sie die Zusammenstöße organisiert, sagte eine Sprecherin des ukrainischen Geheimdienstes SBU. Übergangspräsident Alexander Turtschinow ordnete eine zweitägige landesweite Trauer an. Russland gab hingegen der ukrainischen Regierung die Schuld. „Die Hände der Führung in Kiew stecken bis zum Ellbogen in Blut“, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow der Agentur Interfax zufolge. Er forderte die Regierung auf, die für 25. Mai geplante Präsidentenwahl in der Ukraine abzusagen.

Weiter sagte der Kremlsprecher, Russland erhalte derzeit „tausende Hilferufe“ aus dem Osten des Nachbarlandes. „Es ist der Schrei der Verzweiflung und die Bitte um Hilfe.“ Prorussische Aktivisten halten dort seit Wochen Dutzende Verwaltungsgebäude besetzt und fordern mehr Autonomie für die Region. Die Führung in Kiew befürchtet, dass der russische Präsident Wladimir Putin seine Truppen in die Ost- und Südukraine einmarschieren lassen könnte - mit dem Argument, wie auf der Krim russische Bürger oder Interessen schützen zu müssen. Ein Mandat für diesen Fall hatte sich Putin bereits vom Parlament geben lassen.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) äußerte sich bestürzt über die jüngsten Gewaltexzesse. „Die Tragödie von Odessa muss ein Weckruf sein! Gewalt löst nur Gegengewalt aus“, erklärte er. „Wenn dem jetzt nicht Einhalt geboten wird, kann der Moment kommen, an dem sich alles nicht mehr stoppen lässt. Deshalb darf von den politisch Verantwortlichen aller Seiten nicht noch mehr Öl ins Feuer gegossen werden.“ Der polnische Regierungschef Donald Tusk warf Russland vor, gegen die Ukraine einen unerklärten Krieg zu führen.

Der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) nannte die Freilassung der OSZE-Militärbeobachter einen Schritt zur Deeskalation. „Die erneute Androhung von Sanktionen hingegen bewirkt nichts. Ständiger Dialog und direkte Gespräche auf gleicher Augenhöhe sind der Schlüssel zur Lösung des Ukraine-Konflikts“, sagte Schröder der Deutschen Presse-Agentur. Die Drohung mit schärferen Sanktionen hatten Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und US-Präsident Barack Obama nach ihrem Treffen am Freitag im Weißen Haus ausgesprochen.

Auf der Schwarzmeer-Halbinsel Krim wuchsen ebenfalls die Spannungen. 5000 Krimtataren durchbrachen eine Polizeikette und ermöglichten einem ihrer Anführer die Einreise. Mustafa Dschemilew war nach dem umstrittenen Anschluss der Krim an Russland mit einem Einreiseverbot belegt worden.

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