Hansjörg Eisele und Sieglinde Helbig auf Wüstentrip mit Kamelen. Foto: Eisele (z)

Das Uhlbacher Ehepaar Hansjörg Eisele und Sieglinde Helbig auf Entdeckertour fernab der Touristenströme: von Peking durch die Wüste Gobi ins Altai-Gebirge.

Uhlbach - In Gedanken ist Hansjörg Eisele schon oft durch die Wüste Gobi gereist. „Als Jugendlicher habe ich die Berichte von Sven Hedin verschlungen. Die Tour durch die Mongolei war ein Jugendtraum“, sagt der Uhlbacher. Mit seiner Frau Sieglinde Helbig erfüllte er sich 2017 den Traum: 43 Tage auf den Spuren von Dschingis Khan. Nur das Ehepaar, ein Führer und ein Fahrer, fernab der Touristenströme und auf einer ungewöhnlichen Route. Von Peking durch die Gobi-Wüste ins Altai-Gebirge. „Ein einmaliges Erlebnis mit Eindrücken, von denen wir zehren“, schwärmt Helbig. Dabei begann die Reise mit einem Hindernis. Auf dem Pekinger Flughafen fehlte ein Koffer. Welch‘ glückliche Fügung, dass die Uhlbacher drei Übernachtungen in Chinas Hauptstadt geplant hatten und der verlorene Koffer am dritten Tag im Hotel abgegeben wurde. „Wir hatten uns bewusst für ein Hotel im historischen Bezirk Xicheng entschieden, in dem noch die ursprünglichen Häuser stehen“, erzählt Helbig. Natürlich liefen sie auf der Chinesischen Mauer und bestaunten die verbotene Stadt. „Aber wir haben auch die ursprünglichen Viertel erkundet – zu Fuß und ohne Aufpasser.“ Eindrucksvoll, aber sie waren froh, als es nach vier Tagen in der wuseligen Millionenstadt an die chinesisch-mongolische Grenze ging.

Übernachten unter freiem Himmel

Die Expedition begann: 6000 Kilometer durch die Mongolei. „Eine grobe Route hatten wir vorab besprochen, diese aber je nach Wetterlage und auf unsere Wünsche hin variiert“, so Eisele. Mit einem Allrad-Geländewagen ging’s in die Wüste. Nomadenleben, Übernachten in Zelten oder typischen Jurten unter freiem Nachthimmel, meist auch ohne WC und Dusche. „Unsere Einkäufe lagerten nur in einem Karton“, erinnert sich Helbig. Magenverstimmung bekam trotz landestypischer Speisen wie Innereien dennoch keiner. Die Eindrücke der Natur wogen die kulinarischen Entbehrungen mehr als auf: „Unendliche Weite, keine Zäune, in der Wildnis frei lebende Pferdeherden, ein herrlicher Nachthimmel, mäandernde Flüsse und eine faszinierende Sanddünen-Landschaft“, schwärmt Eisele. Für die wanderbegeisterten Uhlbacher endeten die Nächte oft um 6 Uhr. Bei noch angenehmen Temperaturen ging’s auf Tour. Auf eigene Faust, der Nase nach. „Verirren konnten wir uns nicht, kilometerweit erblickten wir unsere Zelte.“ Im Übrigen: Die Spuren im Sand wiesen den Rückweg. Die Schritte waren mühsam, aber die Mühen wurden mit Bilderbuch-Szenarien belohnt.

300 anstrengende Höhenmeter

Wir erlebten die unfassbar schöne Dünenlandschaft mit dem dahinter liegenden Gebirge und ein einzigartiges Spiel von Licht und Schatten“, schwärmt Fotograf Eisele. Mit ihrem Führer erklommen sie die größte Erhebung, die „Singende Düne“ Khongorin Els. Das Naturwunder ist „nur“ 200 bis 300 Meter hoch. Der Anstieg im schlüpfrigen Sand und bei Hitze war aber anstrengend. „Die letzten Meter haben wir auf allen vieren zurückgelegt.“ Der Wind und die Sandkörner sangen den Gipfelstürmern ein Lied. Kaum weniger faszinierend waren die Begegnungen. Die Uhlbacher erlebten Kamelzüchter, ritten auf den Wüstenschiffen und erfuhren den liebevollen Umgang mit ihren Tieren. „Zu deren Beruhigung sang ein Sohn des Züchters beim Ausritt den Kamelen Melodien vor“, erzählt Eisele. Ungewöhnliche Töne für europäische Ohren – für den ausgebildeten Sänger Eisele eine Begegnung der Kulturen. Seine Bassstimme beeindruckte die Mongolen. Der Führer beeindruckte an besonderen Orten der Reise mit Kehlkopfgesang. „Wir bekamen einen tiefen Eindruck vom enthaltsamen Leben der Bevölkerung“, so Helbig. Viele leben als Nomaden, hüten und züchten Tiere. Ihr Leben spielt sich in den Jurten ab. „Ein stolzes Volk, mit großer Tradition, Kultur und Dschingis Khan als ihrem Nationalheld.“

Vom Kälteeinbruch überrascht

Nach einer Zwischenstation in Ulaanbaatar ging es ins Altai-Gebirge – ins Dreiländereck Sibirien, China, Kasachstan mit bis zu 4350 Meter hohen Bergen. Kontrastprogramm zur Gobi. Grün, Nadelbäume, Edelweißwiesen, Murmeltiere, über den Köpfen kreisende Adler, aber auch Schneegipfel. Auch hier übernachteten die Uhlbacher in Zelten und mussten improvisieren. In der Ferne erblickte Eisele einen Schneeberg, an dessen Fuß ein paar Jurten standen. „Dort wollen wir hin“, beschloss er. Über Stock und Stein sowie durch Flüsse brachte ihr Fahrer sie ins Sommerdomizil der Nomaden auf 3000 Meter Höhe. Ein Kälteeinbruch über Nacht zwang die Gruppe allerdings am kommenden Morgen wieder ins Tal.

Der Alltag eines Yaks-Züchters

Ihr nächstes Ziel: Das nicht minder beeindruckende Seengebiet mit dem Uws Nuur, einem Biosphärenreservat, das ins UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen wurde. „Traumseen in schönster Umgebung“, so Eisele. Dort lernten sie den Alltag einer Yaks züchtenden Familie kennen. Bei Ulaangoom erlebten sie den „Naadam“ – das höchste mongolische Fest mit den klassischen Wettkämpfen Reiten, Bogenschießen und Ringen. „Die letzten Tage unserer Reise standen im Zeichen der touristischen Ausflugsziele rund um die Hauptstadt: das monumentale Reiterstandbild von Dschingis Khan und den Nationalpark Chustain Nuruu, einem 50 000 Hektar großen Reservat, in dem die letzten Przewalski-Pferde, Hirsche, Schwarzstörche und weitere seltene Tierarten noch Zuhause sind. „Ein schöner Abschluss einer Reise, die uns geerdet hat. Wir haben die Schönheit und das Ursprüngliche der Natur, aber auch den schweren Alltag der Mongolen erlebt“, so Helbig und Eisele.

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