Der Schlosshof ist eine schöne Kulisse für das Sommerfestival. Die ehrenamtlichen Helfer aber haben an den neun Festivaltagen alle Hände voll zu tun. Foto: privat

Warum haben auf Schloss Filseck die Bühnenarbeiter Lampenfieber? Und warum bewacht der Hausmeister den Steinway in seiner Garage?

Uhingen - Manches ist beim Sommerfestival auf Schloss Filseck bei Uhingen anders als in den vergangenen Jahren. Deshalb haben nicht nur die Bühnenakteure Lampenfieber, sondern auch die Mitglieder des ehrenamtlichen Aufbauteams. „Wir hatten bisher Räume, um unsere Utensilien zu lagern. Die sind nun weg, stattdessen werden auf der Westseite vier Container aufgestellt, damit haben wir eine komplett neue Situation“, sagt Gerald Buß, der künstlerische Leiter des Sommerfestivals auf Schloss Filseck. Dies bedeute, dass eingespielte Abläufe künftig nicht mehr funktionierten. Die neue Logistik aber könne vorher nicht erprobt werden, und so hofft er, dass während der Veranstaltungsreihe vom 23. bis zum 31. Juli alles rund läuft. „Wenn die Konzertbesucher nichts von diesen Veränderungen bemerken, dann sind wir zufrieden. Wir haben schließlich einen hohen Anspruch.“

Das 22. Festival in Folge

Wer auf das Schloss Filseck zufährt, wird von blühenden Wiesen empfangen, die die neu angelegten Parkplätze einfassen. Vor dem Tor zum Hof erstreckt sich auf der Westseite der neu gestaltete Schlossgarten, nach Osten hin befinden sich im Schatten des Schlosses ein Biergarten und ein großer Spielplatz. „Die Außenanlage ist wirklich sehr schön geworden“, lobt Buß. 7,3 Millionen Euro investiert die Schloss-Filseck-Stiftung der Kreissparkasse in und am Schloss.

Auch im Schlosshof selbst gibt es Veränderungen – eine Herausforderung für den Verein Musik auf Schloss Filseck, der das Festival in diesem Sommer zum 22. Mal veranstaltet. Denn im Zuge all der Umstrukturierungen sind alle Räume im Bereich des Schlosshofs, die die Festivalmacher in der Vergangenheit nutzen konnten, ersatzlos weggefallen. Auch auf die ehemalige Remise rechts des Haupttores, die noch im vergangenen Jahr gute Dienste leistete, müssen sie verzichten. Dort entsteht zurzeit ein Infozentrum für Besucher. Stattdessen müssen sie quasi aus Containern leben, die westlich des Schlosses im Bereich des neuen Wirtschaftsgebäudes aufgestellt werden.

Die Technik steckt in vier Containern

120 bis 130 ehrenamtliche Helfer stemmen seit mehr als 20 Jahren das Sommerfestival auf Schloss Filseck, eine Besonderheit, wie Buß unterstreicht. „Ich weiß von keinem Festival dieser Größenordnung, das ausschließlich mit Ehrenamtlichen arbeitet“, sagt er. Für diese Truppe beginnt am kommenden Mittwoch der Ausnahmezustand, denn am 23. Juli findet das Eröffnungskonzert statt. Sie bauen die Bühne im Schlosshof auf, richten die Technik ein, so weit dies möglich ist. Alles, was sie dazu brauchen, müssen sie aus den vier Containern holen. Das bedeutet vor allem längere Wege. „Ich bin auch sicher, dass manche in die Irre laufen, weil die alten Abläufe noch drin sind“, sagt Buß.

Der Steinway parkt in der Hausmeistergarage

Noch weniger Luft hat das Aufbauteam an den Festivaltagen. Nachmittags stellen die Helfer die 800 Stühle im Schlosshof auf, nummerieren die Sitze und die Reihen, machen die Technik startklar und schaffen den großen Steinway-Flügel, der in der Garage des Hausmeisters zwischengeparkt wird, mit einem Gabelstapler auf die Bühne. Außerdem müssen Getränke und Gläser bereitgestellt werden. „Da sind unwahrscheinlich viele Kleinigkeiten zu machen, das unterschätzt man leicht“, sagt Buß. Wenn die Konzerte gegen 23 Uhr zu Ende sind, können die Helfer noch lange nicht Feierabend machen. Alles muss wieder weggeräumt werden – im Jahr eins nach der Veränderung ein noch größerer Aufwand als bisher. „Es muss sich zeigen, wie wir damit fertig werden.“ Trotz der bevorstehenden Herausforderung bleibt er aber optimistisch. „Vielleicht stellt sich ja heraus, das alles viel besser läuft als bisher.“

Klassik, Flamenco und Jazz

Swingin’ Hollywood:
Zum Auftakt des Sommerfestivals auf Schloss Filseck spielen Andrej Hermle & sein Swing Dance Orchestra am Samstag, 23. Juli, Filmmelodien aus den Dreißiger und Vierziger Jahren .

Frauen-Power
: Songs von Joni Mitchell, Nina Simone, Edith Piaf und anderen stehen am Sonntag, 24. Juli, mit Les Brünettes auf dem Programm. Die vier Sängerinnen kennen sich aus Mannheimer Studientagen.

Kindermusical
: Göppinger Kinderchöre und die Gardezwerge der Tanzgarde Wäschenbeuren führen am Montag, 25. Juli, um 10.30 und um 19.30 Uhr „Das Dschungelbuch“ auf. Die Musik stammt aus der Feder des Liedermachers Konstantin Wecker.

Preisträger
: Das mehrfach preisgekrönte Ebonit Saxophone Quartet gastiert am Dienstag, 26. Juli, mit Werken von Bach, Mendelssohn, Grieg und Ravel im Schlosshof. „Bach – Meister und Gesellen“ lautet der Titel des Programms.

Sakralmusik
: Der Kammerchor Capella Nova und das Kammerorchester Nota Cambiata sind am Mittwoch, 27. Juli, um 20.30 Uhr mit Monteverdis „Marienvesper“ in der Oberhofenkirche zu hören. Am Pult steht Gerald Buß.

Junger Jazz
: Das Mehl Consortium wartet am Donnerstag, 28. Juli, mit delikatem, sinnlichem und variantenreichem Jazz im Schlosshof auf. Gespielt werden Stücke aus Magnus Mehls Album „City Views“.

Flamenco
Azucena Rubio aus Sevilla und die Gruppe Café del Mundo bieten am Freitag, 29. Juli, feurigen Flamenco. Café del Mundo, das sind die zwei preisgekrönten Gitarristen Jan Pascal und Alexander Kilian.

Musik-Comedy
: Show, Schalk und Schabernack verspricht die Gruppe The ThreeX am Samstag, 30. Juli. Die drei Musiker aus Polen bieten eine spritzige Musik-Comedy mit Werken von Frédéric Chopin über Johannes Brahms bis hin zu Michael Jackson und John Lennon.

Schlusskonzert:
Liebesgeschichten der Weltliteratur stehen im Mittelpunkt des Abschlusskonzertes am Sonntag, 31. Juli. Das Festivalorchester unter Leitung von Gerald Buß spielt Tschaikowskis „Romeo und Julia – Fantasieouvertüre nach William Shakespeare“ und Rimski-Korsakows „Scheherazade opus 35 – Sinfonische Suite nach 1001 Nacht“, bevor das Sommerfestival traditionell mit einem großen Feuerwerk zu Ende geht.

Konzertbeginn
: Mit Ausnahme des Kindermusicals beginnen alle Konzerte im Schlosshof um 20.30 Uhr. Bei schlechtem Wetter finden alle Open-Air-Konzerte in der Bürenhalle in Wäschenbeuren statt.

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