Wo sonst nur Enten zu sehen sind, analysiert momentan der Biogeograf Jürgen Boos, in welchem Zustand der künstlich angelegte Uhinger Teich ist. Foto: Stadt Uhingen

Von der Viehtränke zum Naturdenkmal: Weil der Uhinger Charlottensee zu verlanden droht, wird nun nach den Ursachen geforscht.

Uhingen - Idyllisch schmiegt sich der Charlottensee am südlichen Ortsrand von Uhingen zwischen den Waldrand und Wiesen. Wenn nicht gerade Spaziergänger am Ufer rasten oder Radler zügig vorbeiziehen, gehört der etwas abseits gelegene See den Wasservögeln, die zwischen den üppig wuchernden Seerosen nach Futter suchen. Auffallend ist auch der dichte Schilfgürtel, der das Gewässer einrahmt. Allerdings fällt das Wachstum der Pflanzen am Charlottensee deutlich zu üppig aus – und nun droht der Teich zu verlanden.

Zwei Mal pro Jahr wird der See gemäht

Das Pflanzenwachstum sei so stark, dass selbst die bisherige intensive Pflege, bei der zwei Mal pro Jahr gemäht werde, auf die Dauer nicht ausreiche, um die Wasserfläche frei zu halten, erklärt der Uhinger Bürgermeister Matthias Wittlinger. Deshalb habe die Kommune ein Gutachten in Auftrag gegeben, das klären soll, auf welche Weise das wertvolle ökologische Gleichgewicht dieses Naturdenkmals stabilisiert werden kann.

Mit dem Gutachten beauftragt worden ist der Biogeograf und Binnengewässerkundler Jürgen Boos, der als ausgewiesener Spezialist für die Analyse von Stillgewässern gilt. Mit seiner Hilfe möchte die Kommune alle maßgeblichen Parameter zum Status quo des Charlottensees erheben, um daraus anschließend die nötigen Entwicklungs- und Unterhaltungsziele für den Teich ableiten zu können. Zu diesem Zweck sollen in den nächsten drei Monaten kontinuierlich Messungen stattfinden, kündigt der Bürgermeister an. Diese seien als vorbeugende Maßnahme anzusehen.

Bis Ende des Jahres soll das Gutachten vorliegen

Der beauftragte Experte für Binnengewässer soll bis Mitte September noch zweimal mit seinem Motorboot auf dem Charlottensee herumfahren und mit hochempfindlichen Sonden das beliebte Gewässer auf Herz und Nieren prüfen. Seine Ergebnisse werden der Uhinger Stadtverwaltung voraussichtlich bis Ende des Jahres vorliegen.

„Der Charlottensee liegt uns als Stadtverwaltung sehr am Herzen. Wir wollen seinen Wert als flächenhaftes Naturdenkmal erhalten“, versichert der Ordnungsamtsleiter Michael Eberhard. Die Verwaltung vermute, dass auch die veränderten klimatischen Bedingungen dem stehenden Gewässer zu schaffen machten.

Von der Viehtränke zum Naturdenkmal

In den 1990er Jahren war der Charlottensee bereits einmal von einem Baggerschiff von Schlamm befreit worden, um seine Verlandung zu verhindern. Ob es beispielsweise auch sinnvoll wäre, das Wasser des Sees komplett abzulassen, um den Schlamm dann mit Maschinen ganz entfernen zu können, soll nun das Gutachten ebenfalls erweisen.

Ursprünglich gehörte der See, der wohl Anfang des 15. Jahrhundert künstlich angelegt wurde, zu einer Gruppe von fünf unterschiedlich großen Weihern, die vermutlich früher als Viehtränke und zur Fischzucht dienten. Der Charlottensee gehörte früher zum Schloss Filseck und bildete mit dem Charlottenhof, der vor gut 50 Jahren abgerissen wurde, ein Ensemble. Während die anderen kleineren Teiche im Lauf der Zeit nach und nach zugeschüttet wurden, konnte der Charlottensee bis heute immer wieder vor der Verlandung bewahrt werden.

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