Uhinger Baulandstreit Der Widerstand wächst

Von Andreas Pflüger 

Ulrike Höflinger überreicht dem Uhinger Bürgermeister Matthias Wittlinger die Listen mit den Unterschriften gegen das künftige Baugebiet. Foto: Pflüger
Ulrike Höflinger überreicht dem Uhinger Bürgermeister Matthias Wittlinger die Listen mit den Unterschriften gegen das künftige Baugebiet. Foto: Pflüger

Der Widerstand gegen die Erweiterung des Wohngebietes Weilenberger Hof in Uhingen wächst – und schon jetzt sind genügend Unterschriften für ein Bürgerbegehren gesammelt worden.

Uhingen - Noch ehe das Bebauungsplanverfahren für die Erweiterung des Wohngebiets Weilenberger Hof auf den Weg gebracht wurde, hat die Stadt Uhingen wegen der vorgesehenen Erschließung von den Anwohnern der Stauferlandstraße Gegenwind bekommen. Jetzt ist daraus ein Sturm geworden. Denn während die potenziellen Nachbarn des Gebiets Weilenberger Hof III nur eine zweite Zufahrtsstraße gefordert hatten, macht jetzt, nachdem die Einleitung des Bebauungsplanverfahrens vom Gemeinderat beschlossen worden ist, eine Bürgerinitiative gegen das Vorhaben an sich mobil.

Unterschriften gegen neues Baugebiet gesammelt

Eine Gruppe um Ulrike Höflinger und Konrad Bauerle, die beide im nahen Eulenhofweg zuhause sind, will das Projekt verhindern. Unter dem Motto „Erhalt des Naherholungsgebiets Charlottensee – keine Bebauung von Weilenberger Hof III“ wurden Unterschriften gesammelt, die jetzt Bürgermeister Matthias Wittlinger im Rathaus übergeben worden sind. Die Baugebietsgegner streben einen Bürgerentscheid – und sind dabei auf einem guten Weg. „Wir haben in zweieinhalb Wochen 1518 Unterschriften von wahlberechtigten Uhingerinnen und Uhingern gesammelt“, sagt Ulrike Höflinger. Außerdem hätten auch viele Besucher und Spaziergänger, die rund um den Charlottensee angetroffen wurden, das Papier unterzeichnet, ergänzt sie.

Das Quorum für ein Bürgerbegehren ist bereits erreicht

Dieser Punkt ist von Gesetzeswegen zwar nicht ausschlaggebend. Aber allein die gut 1500 Namenszüge erfüllen das notwendige Quorum für die Durchführung eines Bürgerbegehrens schon bei Weitem. Um dieses einzuleiten, hätten rund 760 Unterschriften ausgereicht. Angesichts dieser „Planübererfüllung“ zweifelte Matthias Wittlinger nicht daran, dass das Bürgerbegehren gemäß § 21 der Gemeindeordnung für Baden-Württemberg zulässig ist. „Das letzte Wort hat aber natürlich der Gemeinderat, der das Ansinnen voraussichtlich in seiner Sitzung am 12. Mai prüfen wird“, betonte der Schultes.

Bedenken wegen sieben Mehrfamilienhäuser

Neben der Größe des Baugebiets mit einer Bruttofläche von fast acht Hektar stößt den Vertretern der Bürgerinitiative vor allem auf, dass im Gebiet Weilenberger Hof III unter anderem sieben Mehrfamilienhäuser mit maximal drei Stockwerken entstehen sollen. „Das sieht nicht nur unmöglich aus und passt da schlicht nicht hin, sondern beeinträchtigt auch die Frischluftzufuhr in die Kernstadt“, sagte Ulrike Höflinger. Mit Sicherheit sei dies auch der Grund dafür, warum Bürger aus ganz Uhingen die Listen mit unterschrieben hätten. „Wir sind gewiss nicht gegen eine Baulandentwicklung, aber gegen eine in dieser Form“, ergänzte sie. Diese Bedenken werden im Übrigen von der Göppinger Ortsgruppe des Landesnaturschutzverbands geteilt, der jüngst „schwere Bedenken“ gegen den Bebauungsplan Weilenberger Hof III geäußert hat.

Wittlinger machte deutlich, dass das geplante Areal nicht nur im Regionalplan als Wohngebietserweiterungsfläche ausgewiesen sei, sondern dass diese ursprünglich hätte dreimal so groß ausfallen sollen. „Die Belange, die sie vortragen, sind bereits abgewogen, denn ganz gleich, wo man in Uhingen 600 Leute unterbringen will, hat das immer irgendwelche Auswirkungen“, betonte der Bürgermeister. Andererseits brauche die Stadt solche Möglichkeiten zur Erweiterung, um die vorhandene Infrastruktur erhalten zu können. „Würden wir solche Maßnahmen nicht in Angriff nehmen, fehlt uns im Haushalt pro Jahr rund eine Million Euro“, rechnete er vor.

Bürger fordern demokratisches Verfahren

Wie das Bürgerbegehren letztlich ausgeht, steht noch in den Sternen. Zunächst haben die Gemeinderäte die Möglichkeit, ihren eigenen Beschluss wieder einzukassieren. Geschieht das nicht, kommt es zu einem Bürgerentscheid, in dem über die Umsetzung des Projekts abgestimmt wird. Votieren hierbei mindestens 20 Prozent der Wahlberechtigten mehrheitlich dagegen, ist das Thema durch. „Wir wollen, nachdem die Bevölkerung noch einmal informiert werden muss, ein demokratisches Verfahren in dieser wichtigen Sache“, sagte Ulrike Höflinger. Man spürt, dass es ihr und ihren Mitstreitern sehr ernst ist.

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