Für Matthias Reichart war die Stammzellenspende „kein großer Act“. Foto: Fraunhofer IPA/Bez

Matthias Reichart hat sich 2007 in Uhingen typisieren lassen. Bei seiner Stammzellenspende hat er gute Erfahrungen gemacht. Am Samstag findet in Uhingen eine neuerliche Aktion statt. Nicht nur Reichart hofft auf viele Nachahmer.

Uhingen - Die Wahrscheinlichkeit außerhalb der eigenen Familie einen genetischen Zwilling zu finden, der als Stammzellenspender für einen Leukämie erkrankten Menschen infrage kommt, liegt im besten Falle bei 1 : 20 000, in aller Regel aber weit darüber. Der Uhinger Fabian Kaul muss auf diesen Glückstreffer, wie bereits berichtet, aller Voraussicht nach nicht mehr hoffen. Sein Bruder Philipp weist identische Gewebemerkmale auf, so dass dem 13-jährigen Hieberschüler, bei dem die Akute Lymphatische Leukämie (ALL) im vergangenen Jahr erneut ausgebrochen ist, wohl geholfen werden kann.

Dennoch wird es, nicht zuletzt auf Fabians Wunsch und auf Betreiben der gesamten Schulgemeinschaft, an diesem Samstag in der Hieberschule eine Typisierungsaktion für potenzielle Stammzellenspender geben. Der Nachmittag, der in Zusammenarbeit mit der DKMS (der früheren Deutschen Knochenmarkspenderdatei), dem Malteser Hilfsdienst und mehr als einem Dutzend freiwilliger Fachkräfte durchgeführt wird, steht unter dem Motto „Helden gesucht“. Und obwohl dieses Vorhaben der viel zitierten Suche nach der Strecknadel im Heuhaufen gleicht, werden derartige „Helden“ doch in rund 85 Prozent der Fälle gefunden, weil die Spender-Register mittlerweile sehr umfangreich sind.

Nach neun Jahren kam ein überraschender Anruf

Matthias Reichart etwa, der sich 2007 bei einer ähnlichen Aktion just in Uhingen fünf Milliliter Blut hat abzapfen lassen, ist ein solcher Spender geworden. Im vergangenen Frühsommer wurden einer erkrankten Österreicherin Stammzellen des 34-Jährigen übertragen. Wie es der Frau heute geht, weiß Reichart zwar nicht, da das Gesetz vor der Offenlegung eine Wartefrist von mindestens fünf Jahren vorschreibt. Er ist aber seinem Vorsatz gerecht geworden, der ihn seinerzeit zur Bestimmung seiner genetischen Gewebemerkmale veranlasst hatte.

„Ich war eh schon Blutspender und dachte mir, dass mir kein Zacken aus der Krone bricht, einem Schwerkranken zu helfen, sofern es von den Merkmalen her passt“, erinnert sich Reichart, der 2007 noch in Süßen gewohnt hat, mittlerweile aber in Ehningen im Kreis Böblingen lebt. Als er schließlich den überraschenden Anruf erhielt, habe er sich gefreut, fügt er hinzu. Danach ging dann alles ziemlich schnell: Einem aufwendigen medizinischen Check, bei dem Reichart erfuhr, dass er „pumperlgsund“ ist, folgte später eine mehrtägige Medikamenteneinnahme. „Damit wurde dem Körper ein Infekt vorgegaukelt, so dass er automatisch mehr Stammzellen produziert“, schildert der Spender stark vereinfacht den Grund für dieses Prozedere. Nebenwirkungen durch das Mittel seien zwar möglich. Bei ihm seien diese aber ausgeblieben, fügt er hinzu.

Reichart: Ein großer Akt war das alles jedenfalls nicht

Der Tag der Stammzellenspende verlief dann ebenfalls reichlich entspannt. Die Zeiten, in denen Knochenmark aus dem Beckenkamm gestanzt werden musste, sind, wenn alles normal läuft, vorbei. „Das läuft so ähnlich wie bei der Dialyse. Man bekommt links und rechts eine Nadel in den Arm und da, wo das Blut wieder in den Körper läuft, wird einem etwas kühl“, erzählt Reichart, der inzwischen am Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung in Stuttgart arbeitet. Er habe sich während der Blutwäsche im Krankenhausbett die Filme „Lord of War“, „Die Simpsons“ und „8 Mile“ angeschaut und es sich gemütlich gemacht.

„Ätzend war nur, dass ich kurz vor Schluss der ganzen Aktion, ein dringendes Bedürfnis verspürt habe und die Bettflasche benutzen musste, fährt er lachend fort. Im Anschluss habe er dann in der Klinik-Kantine noch etwas zu essen bekommen, ehe er mit der S-Bahn wieder nach Hause gefahren sei. „Ein großer Akt war das alles jedenfalls nicht, und deshalb muss auch niemand, der leukämiekranken Menschen wirklich helfen möchte, Angst vor einer Stammzellenspende haben“, sagt er.

Wer dennoch Bedenken hat, kann im übrigen auch auf andere Weise etwas tun. So kostet die Analyse der Blutprobe und die Registrierung eines jeden neuen Spenders die DKMS rund 40 Euro. An der Hieberschule werden am Samstag daher auch Geldspenden gerne entgegen genommen.

Weitere Spender werden gesucht

Die Typisierungsaktion „Helden gesucht“ für potenzielle Stammzellenspender, findet am Samstag, 11. März, statt. In der Uhinger Hieberschule in der Schulstraße 4 wird von 13 bis 17 Uhr aber nicht nur Blut abgenommen, sondern­ auch Geld gesammelt – unter anderem durch den Verkauf von Kaffee und selbst gebackenem Kuchen.

Mitmachen und ihre Gewebemerkmale bestimmen lassen, können in Uhingen alle gesunden Männer und Frauen im Alter zwischen 17 und 55 Jahren. Im Internet unter der Adresse www.dkms.de gibt es detaillierte Informationen zur Stammzellenspende.

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