Am Freitag waren mehrere Kampfjets über der Region unterwegs – wir haben bei der Luftwaffe nachgehakt. Foto: Christian Charisius/dpa

Am Freitagmittag sorgten gewaltige Schläge für Unruhe im Raum Backnang. Wir haben bei der Luftwaffe nachgehakt – und erfahren, dass außergewöhnlich viele Kampfjets den Ernstfall übten.

Was für ein Schlag: Am Freitagmittag glaubten im Rems-Murr-Kreis und an anderen Orten in der Region Stuttgart viele Menschen an eine Explosion. Doch auch diesmal steckten Kampfjets dahinter, die schneller als der Schall flogen und dabei einen Überschallknall verursachten.

 

Am Montag hat die Bundeswehr Details des Flugs bekannt gegeben. Demnach waren insgesamt acht Kampfjets des Typs Eurofighter über der Region unterwegs. „Drei von ihnen flogen dabei zeitweise mit Überschallgeschwindigkeit“, erklärt ein Sprecher des Luftfahrtamtes der Bundeswehr. Gegen 11 Uhr war rund 20 Kilometer östlich von Ulm einer der Kampfjets mit knapp 1400 Stundenkilometern unterwegs, kurz darauf zwei weitere.

Die Maschinen waren zuvor auf dem Fliegerhorst in Neuburg an der Donau (Bayern) gestartet. Dort ist das 74. Taktische Luftwaffengeschwader stationiert – zu dessen Aufgaben gehört unter anderem die Sicherung des süddeutschen Luftraums. Dafür trainieren die Pilotinnen und Piloten, im Ernstfall schnell aufzusteigen und verdächtige Flugzeuge abzufangen – so auch bei dem Flug am Freitag.

Region Stuttgart: Wo fliegen Kampfjets bei ihren Übungen?

Ein Pilot der Bundeswehr macht sich startbereit (Archivbild). Foto: Bundeswehr / Neumann

Für solche Übungen werden aus Sicherheitsgründen spezielle Lufträume genutzt, die zeitweise für den zivilen Verkehr gesperrt werden können. Einer dieser sogenannten Temporary Reserved Airspaces (TRA) befindet sich über dem Ostallgäu und reicht bis in die Region hinein. Dieser Teil des Luftraums erstreckt sich nordöstlich von Gaildorf etwa bis nach Winnenden, von dort aus bis nördlich von Nürtingen.

Außergewöhnlich war bei dieser Flugbewegung die Zahl der eingesetzten Maschinen. Bei derartigen Übungen, die derzeit verstärkt Überschallknalle über der Region Stuttgart verursachen, kommen für gewöhnlich eher zwei bis vier Kampfjets zum Einsatz, wobei manche von ihnen feindliche Flugzeuge simulieren. Dass gleich acht Flugzeuge gleichzeitig das Abfangen beziehungsweise den Luftkampf üben, kommt im Alltag eher selten vor.

Für Überschallflüge gibt es in Deutschland – zumindest bei Übungen – folgende gesetzliche Bestimmungen:

  • Sie müssen zwischen 8 und 12.30 Uhr sowie zwischen 14 und 20 Uhr stattfinden.
  • Die Flughöhe muss mindestens 36.000 Fuß (knapp 11.000 Meter) betragen.
  • Die Flüge müssen unter Radarüberwachung stehen und zuvor mit der Flugsicherung koordiniert werden.
  • Die Flugroute muss so angelegt sein, dass der Überschallknall dicht besiedeltes Gebiet nach Möglichkeit vermeidet.