Desinfizieren im Haushalt ist laut Gesundheitsexpertin Katrin Hantke nicht notwendig und kann sogar schädlich sein. Foto: dpa

Wer übermäßig seine Hände desinfiziert, kann seiner Gesundheit schaden. Laut einer Studie der Schwenninger Krankenkasse gehen vor allem junge Menschen zu naiv mit den flüssigen Mittelchen um.

Villingen-Schwenningen - Es gibt sie als Sprays, abgefüllt in bunten Flaschen und als Tücher: Desinfektionsmittel erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Das Problem: Übermäßiges Einschmieren und Sprühen kann gesundheitsschädlich sein. Einer Studie der Schwenninger Krankenkasse zufolge, gehen vor allem junge Menschen zu sorglos mit Desinfektionsmitteln um.

69 Prozent in der Altersgruppe zwischen 14 und 34 nutzen diese Mittelchen sogar regelmäßig. Das zeigt die Umfrage „Gesundheit 2019 – Thema: Hygiene“ der Schwenninger Krankenkasse. Befragt wurden mehr als 2.000 Bundesbürger ab 14 Jahren.

Natürlicher Schutz der Haut geht verloren

Ein alarmierendes Ergebnis. Denn die „chemische Keule“ ist im privaten Alltag meist nicht sinnvoll. Im Gegenteil: „Die Desinfektionsmittel können sich sogar schädlich auswirken“, sagt Tanja Katrin Hantke, Gesundheitsexpertin der Schwenninger Krankenkasse. Bei einem exzessiven Gebrauch von Desinfektionsmitteln werde die Bildung resistenter Keime gefördert, zudem stiegen die Belastungen für die Umwelt. Aber auch Anwender setzen sich selbst einer Gefahr aus, sagt sie.

Denn: „Innerhalb von 30 Sekunden werden große Keimzahlen abgetötet, beziehungsweise reduziert“, erklärt das Regierungspräsidium Stuttgart. „In Desinfektionsmitteln sind hochprozentige Alkohole enthalten. Der natürliche Schutz der Haut durch Talgdrüsenfette und Säureschutzmantel kann deshalb bei dauerhafter Anwendung beschädigt werden.“ Dadurch steigt die Infektionsgefahr.

Naiver Umgang mit Desinfektionsmitteln

Bei korrektem Gebrauch seien die Mittel nicht gesundheitsschädlich, erklärt das Regierungspräsidium weiter, doch Desinfektionsmittel im privaten Gebrauch nützen nur bedingt, denn der keimfreie Effekt, besonders an den Händen, ist oft nur von kurzer Dauer. In Ausnahmefällen, zum Beispiel bei Grippe-Epidemien oder Durchfallerkrankungen im eigenen Haushalt, sei die Desinfektion aber durchaus sinnvoll, genauso wie an Arbeitsplätzen im Krankenhaus und in der Pflege.

Warum vor allem junge Menschen zu Desinfektionsmitteln greifen, erklärt sich laut Studie auch aus einer gewissen Sorglosigkeit. 68 Prozent (Altersgruppe 14 bis 34 Jahre) halten die Mittel für harmlos, bei den über 54-Jährigen sind es nur 44 Prozent. „Da spielt eine gewisse Naivität mit“, sagt Gesundheitsexpertin Hantke. „Ein gesunder Mensch in einer gesunden Umwelt schützt sich durch Händewaschen ausreichend.“

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