Die Raffinerie von Heinrich Roth hat inzwischen einen Sammlerwert von 6500 Euro Foto: Gottfried Stoppel

Fast jeder hat sie schon einmal in der Hand gehabt, die kleinen Überraschungen, die sich in Schokoladeneiern verbergen. Für viele der Miniaturen zeichnet Heinrich Roth aus Remshalden verantwortlich.

Remshalden - Die kleine Raffinerie passt locker auf Heinrich Roths Handfläche. Drei farbige Plastiktanks, durch Röhrchen miteinander verbunden – „die hat einen Sammlerwert von 6500 Euro“, sagt der Grunbacher ganz nebenbei. Das Spielzeug steckte Anfang der 80er-Jahre in einem Schoko-Ei und kostete damals weniger als 60 Pfennige. Es war Teil der sogenannten Hafenwelt, einer Serie von Überraschungsei-Spielzeugen. „Es gibt tatsächlich Sammler, die solch hohe Preise bezahlen würden – allerdings müsste man die eine Weile suchen“, sagt Roth. Er selbst macht dennoch keinen großen Reibach mit seinen Figürchen. Eine Raffinerie hat er neulich für 50 Euro verscherbelt.

Zu Beginn seiner Laufbahn als Produktdesigner arbeitete der heute 76-jährige Roth in Dänemark für Verner Panton, einen der einflussreichsten Möbeldesigner und Architekten des 20. Jahrhunderts. Nach seinem darauf folgenden Studium, Ende 1977, kam der gebürtige Schweizer zu Ferrero Deutschland, um für die in Frankfurt ansässige Firma Spielzeuge zu entwickeln, die klein genug für die gelben, nur viereinhalb mal drei Zentimeter großen Kapseln waren. Oder genauer gesagt: Spielzeuge, die zusammengebaut doch so groß waren, dass sie tatsächlich für eine Überraschung sorgten. Wie bei einer russischen Matroschka ließ er die kleineren Bauteile in den größeren verpacken. Auf diese Weise hat er die drei Raffinerie-Tanks im Ei untergebracht, aber die Überraschungseier fassten dadurch auch Mondraketen und Türme, die fertig montiert bis zu 28 Zentimeter lang wurden. „Es war mir auch immer ein Anliegen, die Eihülle mit einzubeziehen“, sagt Roth. Und so wanderte die Plastikkapsel bei vielen seiner Spielzeugen nicht in den Abfall, sondern wurde mit verbaut. Zum Beispiel als Rumpf eines U-Boots, als Reifrock eines holden Burgfräuleins oder als Kanzel eines Raumschiffs.

In den sieben Jahren seiner Arbeit im Zeichen der Eier entwarf Roth nach eigenen Angaben „bestimmt 1000 Spielzeuge“. Wie viele davon in Serie gingen, hat er nie gezählt. In Heftern bewahrt er all seine Entwürfe auf, die er mit schweizerischer Gründlichkeit geordnet hat. Auch die Ideen, die es nie zur Serienreife geschafft haben: etwa ein aufblasbares Floß, für das sich damals kein Hersteller fand.

Nicht alle Spielzeuge in den Ferrero-Eiern waren immer nach Roths Geschmack. Mit Disney-Fanartikeln oder Figuren ohne Bastelfaktor konnte der Designer noch nie viel anfangen. Wenn er dagegen von der von ihm entwickelten „Familie Hämmerli“ spricht, deren erste Figur aus zwölf Einzelteilen zusammengesetzt wurde, beginnen seine Augen zu leuchten. Im Jahr 1984 ging Roths Tätigkeit im Auftrag des Süßigkeitenherstellers zu Ende. Er widmete sich anderen Erfindungen – Messeständen aus Karton oder der Form und dem Aussehen von großen Spezialmaschinen. Seit einigen Jahren genießt er seinen Ruhestand, doch das Tüfteln kann er noch immer nicht ganz lassen. An der Wand hängt eine Eselsmaske aus Pappe. Aus der Serie gab es auch ein Schwein oder eine Kuh - „ich überlege noch, ob wir sie neu auflegen sollen“, sagt Roth.

Das Museum Remshalden, Schillerstraße 48, zeigt in einer Vitrine Überraschungsei-Figuren von Heinrich Roth. Das Museum ist sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet, Gruppen nach Vereinbarung. Eintritt frei. Das Museum Welzheim, Pfarrstraße 8, zeigt bis zum 3. Mai rund 1000 Ü-Ei-Exponate aus der Sammlung von Roland Birkle. Die Ausstellung ist sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet.