Überraschung in Korntal-Münchingen Bewegung bei Plänen für Einzelhandel

Von Stefanie Köhler 

Das Konzept mit dem Eckgrundstück sieht Rewe und dm als Mieter für das Areal an Stuttgarter Straße und Kronenstraße vor. Foto: Architekturbüro Ludmann, IGC Wohnbau
Das Konzept mit dem Eckgrundstück sieht Rewe und dm als Mieter für das Areal an Stuttgarter Straße und Kronenstraße vor. Foto: Architekturbüro Ludmann, IGC Wohnbau

Drei mögliche Investoren haben ihre Konzepte für ein Grundstück an der Ecke von Stuttgarter Straße und Kronenstraße präsentiert. Ein Entwurf birgt dabei eine Überraschung.

Korntal-Münchingen - Die Bombe platzte mitten in der Veranstaltung. Zumindest die Bürger wurden überrascht, die in der Albert-Buddenberg-Halle erfahren wollten, welche Einzelhändler sich in Münchingen für das Areal an Stuttgarter Straße und Kronenstraße interessieren. Der Bürgermeister Joachim Wolf (parteilos) hatte eben noch bedauert, dass Korntal-Münchingen das 1200 Quadratmeter große Eckgrundstück nicht in seine Pläne einbeziehen könne, da dies der Eigentümer ablehne. Das städtische Grundstück habe deshalb eine Projektfläche von 3100 Quadratmetern. Das fänden viele Einzelhändler zu wenig, vor allem Vollsortimenter, die größere Einheiten nachfragten.

Doch jenes Areal, um das sich die Stadt seit Jahren erfolglos bemühte, ist Teil des Konzepts des Leonberger Architekten Hansjörg Ludmann, der IGC Wohnbau sowie IGC Immobilien Projektentwicklung. Ludmann verkündete, dass ihm die fehlende Ecke zur Verfügung stehe. Das habe er schriftlich. Zwar verkaufe der Besitzer das Grundstück nicht, wolle aber mitbauen. Dank der nun größeren Gesamtfläche kämen Rewe und die Drogeriekette dm als Ankermieter in Frage. „Wir haben von beiden eine schriftliche Zusage“, sagt Ludmann.

Große Pläne

Der Architekt stellt klar, dass er ohne die Zusage für das fehlende Grundstück nie in die Planung eingestiegen wäre. „Weder Rewe noch Edeka hatten Interesse an der kleinen Fläche“, sagt Ludmann, der für Münchingen große Pläne hat. Diese sehen an der Ecke einen fünfgeschossigen Bau vor, die restlichen Bauten haben zwei bis drei Etagen. Sie bieten Platz für Einzelhandel, Freiberufler, Praxen, Büros und bis zu 45 Wohnungen. An der Ecke soll ein Café mit Außenbereich entstehen, zudem viel „urbanes Grün“.

Von einer schriftlichen Zusage des Eigentümers des Eckgrundstücks erfuhr die Stadt erst bei der Präsentation. „Dem Architekturbüro ist offenbar gelungen, was uns nicht gelungen ist“, sagt der Bürgermeister. Nun müsse man sehen, wie man mit der „wettbewerbsverzerrenden Situation“ umgehe. Laut Stefan Wolf habe die Stadt mit dem Besitzer sämtliche Optionen für eine Zusammenarbeit durchgespielt. Der Fachbereichsleiter für Stadtentwicklung betont, dass die Zukunft des Areals trotz der Wendung völlig offen sei. „Wir bewerten das Gesamtpaket. Die Nutzung muss ebenso stimmen wie die Architektur.“ Gleichwohl würde die Stadt im Fall von Ludmann und IGC ihr Areal nur dann verkaufen, wenn notariell beglaubigt sei, dass das Eckgrundstück für die Planung zur Verfügung stehe. „Wir sind die Eigentümer des Hauptgrundstücks und damit Herr der Lage.“ So bald wie möglich will die Stadt einen vorhabensbezogenen Bebauungsplan erstellen. Spezielle Verträge sollen jedes noch so kleine Detail bei der Bebauung regeln. Wer auch immer baut: Im Optimalfall könnte er im Herbst 2019 loslegen.

Geschäftliche Beziehungen

Ludmann macht keinen Hehl daraus, dass seine früheren wie aktuellen Geschäftsbeziehungen zum Sohn des Grundstückseigentümers von Vorteil seien für die Planung in Münchingen. Derzeit baut Ludmann mit Lauser Immobilien aus Stuttgart ein Wohn- und Geschäftshaus in Leonberg.

Der Geschäftsführer Jürgen Lauser, dessen Vater das Münchinger Grundstück gehört, äußert sich nur ungern öffentlich. „Wir verkaufen nicht“, sagt er auf Anfrage unserer Zeitung. Er habe lediglich sein schriftliches Einverständnis gegeben, das Eckgrundstück zu gestalten, die Planung selbst kenne er noch nicht. Alle weiteren Dinge müssten erst besprochen werden.

Zwei Konzepte legte die Firma Wilhelm Geiger mit Sitz in Oberstdorf vor. Die Pläne sehen einen Lebensmittelmarkt (Netto) vor, alternativ eine Drogerie (Rossmann) mit Bäcker und Fachmarkt, jeweils neben einem Gewerbe- und Gesundheitshaus. Geiger hat etwa in Ditzingen, wo ein Firmenbüro ist, das Bahnhof Center realisiert. Und der dritte Investor Gartenstadt Weimar geht mit Tegut ins Rennen. Der Vollsortimenter habe sein Interesse bekundet.

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