Im Kreistag gibt es neue Verhältnisse: Die Grünen werden stärker, die CDU verliert ihre Dominanz. Foto: Landratsamt Ludwigsburg, Wuerth

Der grüne Höhenflug hat sich bei der Kreistagswahl in Ludwigsburg nur abgeschwächt fortgesetzt. Wahlsieger sind die Freien Wähler, die erstmals knapp stärker als die CDU geworden sind.

Ludwigsburg - Damit hätten die Freien Wähler (FW) selbst am allerwenigsten gerechnet: Mit 24,7 Prozent sind sie der knappe Gewinner der Kreistagswahl und werden erstmals die stärkste Kraft vor der CDU. Die landet mit 24,0 Prozent auf Platz zwei. Die Grünen setzen ihren Höhenflug zwar fort und erreichen immerhin 21,3 Prozent, bleiben aber drittstärkste Kraft. Auch die AfD zieht erstmals ins Kreisparlament ein.

„Wir sind vollkommen überrascht“, sagt Rainer Gessler, der FW-Fraktionschef, „damit konnten wir nicht rechnen.“ Offenbar hat die hohe Zahl an Bürgermeistern auf der Liste der „Freien“ den Ausschlag gegeben. Hochspannend war das vor allem im Wahlkreis Ludwigsburg, wo der OB Werner Spec und Michael Ilk in den Kreistag einziehen.

Im internen Wettkampf hat der Baubürgermeister Ilk die Nase vorn mit 11 714 Stimmen vor Spec (11 331), der sich sogar Ilks Amtsvorgänger Hans Schmid (CDU, 11 347) geschlagen geben muss. Stimmenkönig ist der Ex-Polizeipräsident Frank Rebholz, der mit fast 16 000 Stimmen für die Grünen gewählt wurde. Aber auch in Vaihingen schnitten die Freien Wähler mit OB Gerd Maisch und dem Bauernverbands-Chef Eberhard Zucker stark ab. In Bottwartal gab es einen spannenden Wettstreit: Der Steinheimer Bürgermeister Thomas Winterhalter und der Getränkehändler Stefan Apfelbach aus Oberstenfeld holten für die Freien Wähler beide exakt 6803 Stimmen.

Die CDU war schon vorgewarnt

Die CDU hat nach den Wahlergebnissen vom Sonntag mit dem Schlimmsten gerechnet. „Angesichts der Stimmungslage können wir damit leben“, sagt Fraktionschef Manfred Hollenbach. Der Abgang des Bietigheimer Ex-OB Manfred List brachte starke Einbußen. Hollenbach wundert sich über die „intensive Wahlwerbung“ der Freien Wähler und kritisiert, diese hätten zu stark auf „Parteifreiheit“ gesetzt. Die Grünen sind erfreut über Platz drei mit 21,3 Prozent. „Wir sind glücklich“, sagt die Fraktionschefin Brigitte Muras. Vor allem das Ergebnis im Wahlkreis Ludwigsburg mit 27,7 Prozent zieht die Ökopartei nach oben. In Asperg erreichten die Grünen 27,8 Prozent, vielerorts blieben sie unter 20 Prozent.

Die Talfahrt der SPD geht weiter. Ihr Stimmengarant bleibt der Bietigheimer OB Jürgen Kessing, der immerhin 10 412 Stimmen holte, doch mit 14,4 Prozent rutschte die Partei weiter ab und erreichte in Asperg, Oberstenfeld oder Erligheim gar einstellige Ergebnisse.

Die FDP punktet mit guten Kandidaten

Die Liberalen hingegen freuen sich über einen klaren Aufwärtstrend. Mit 8,4 Prozent legten sie deutlich zu und gewannen zusätzliche Mandate im Kreistag. „Wir haben solide Arbeit im Kreistag geleistet, das ist nicht unbemerkt geblieben“, sagt der Fraktionschef und Ingersheimer Bürgermeister Volker Godel. In Ditzingen konnte der Arzt Horst Ludewig ein gutes Ergebnis erzielen, in Korntal-Münchingen die Optikerin Viola Noack, das hilft der Partei entgegen dem Landestrend. Godel verweist zudem auf einen hohen Frauenanteil bei der Kandidatenliste der FDP: „Das hat auch genutzt.“

Die AfD bleibt unter dem Bundestrend

Die Linken bleiben stabil und behalten ihre vier Mandate. Sie holten erneut die meisten Voten in Ludwigsburg, der Kreisvorsitzende und Ex-Bundestagskandidat Peter Schimke ist in Vaihingen ein Stimmenbringer. So kann sich Hans-Jürgen Kemmerle, der Fraktionschef im Kreistag, beruhigt zurückziehen: „Das Feld ist bestellt, andere können übernehmen.“ Er hat nicht erneut kandidiert.

Die AfD hat nur 14 Kandidaten kreisweit aufgestellt, daher bleibt sie mit 2,8 Prozent weit unter dem Bundestrend, erringt allerdings drei Mandate. „Angesichts der Schwierigkeiten ist das in Ordnung“, sagt der Kreisvorsitzende Michael Mayer. Allein in Bietigheim-Bissingen seien zehn Kandidaten abgesprungen, weil sie Sorge gehabt hätten, sich mit Name und Adresse öffentlich zur AfD zu bekennen.

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