Hier, am Stuttgarter Platz, geht’s rechts von der Schorndorfer Straße ab in den „Einkaufsbereich nördliche Bahnhofstraße“, so auch die Aufschrift auf dem Verkehrsschild – also zur Haupteinkaufsmeile in Fellbach. Foto: Dirk Herrmann

Die Fellbacher Verwaltung widerspricht diversen „Unkenrufen“, wonach die Innenstadt aussterbe. Die Leerstandsquote sei so niedrig wie lange nicht, erklärt OB Gabriele Zull.

Die Stadt Fellbach steht, zumindest was den Einzelhandel und die Gastronomie betrifft, besser da, als etliche Kundinnen und Kunden offenkundig glauben. Denn entgegen „vieler Unkenrufe“, die die Verantwortlichen im Rathaus zuletzt vernommen haben, ist Fellbach in diesen Segmenten durchaus beliebt.

 

Nachdem sie die neuesten Zahlen durch Citymanagerin Thea Heinzler übermittelt bekommen hat, erklärt die Fellbacher Oberbürgermeisterin Gabriele Zull: „Die Leerstandsquote liegt deutlich unter dem bundesweiten Durchschnitt.“ Gründe für die Analyse waren die allgemein herausfordernden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sowie wiederholt vorgetragene Beschwerden von Fellbacher Bürgern und Händlern. Diese hatten in Richtung Verwaltung moniert, dass „die Innenstadt ausstirbt“.

Spielzeugbibliothek im ehemaligen i-Punkt

Diese „gefühlte Realität“, wonach man in Fellbach vermehrt Leerstände beobachten könne, „entspricht nicht den Tatsachen“, betont die Citymanagerin. Bei einer ausführlichen Untersuchung der Belegung der Geschäftsflächen in den Fellbacher Einkaufszonen hat Heinzler nur fünf dauerhafte Leerstände festgestellt. Diese Quote beziffert den Stand April 2026. Der Anteil der leerstehenden Erdgeschossflächen ist damit, so ergänzt die Leiterin der Fellbacher Wirtschaftsförderung, Anette Popp, „auf den niedrigsten Wert der vergangenen zwei Jahre gefallen.“

285 Quadratmeter Ladenfläche zu vermieten: Leerstand an der Stuttgarter Straße in Fellbach. Foto: Dirk Herrmann

Zwei der aktuellen Leerstände seien aber bereits projektiert, betont Heinzler. Insgesamt reguliere sich der Wechsel auf den Geschäftsflächen erstaunlich zügig. Vielfach müsse auf die Nachfolge nicht lange gewartet werden. In den letzten Monaten konnten zum Teil langjährige Leerstände einer neuen Nutzung zugeführt werden, wie beispielsweise der alte i-Punkt im Rathaus mit der Spielzeugbibliothek oder die Hintere Straße 29 mit dem Modegeschäft „Stoffwechsel“.

Zum Vergleich: Der Deutsche Handelsverband gibt sieben Prozent Leerstand als „normale Fluktuation“ an. Deutschlandweit stehen derzeit aber deutlich mehr Handelsflächen leer. Der Blick in viele Innenstädte zeigt nach Auffassung der Fellbacher Fachfrauen, dass nicht nur Corona und Online-Käufe Spuren hinterlassen haben, sondern auch, dass sich der Branchenmix verändert. „Diese Entwicklung spüren wir in Fellbach natürlich auch“, so die Citymanagerin. Seit 2023 verfolgt Thea Heinzler die Leerstände akribisch. Sie listet leere Handelsflächen auf, verfolgt die Wiederbelegung und hat so ein umfassendes Bild der Entwicklung.

Erinnerung an frühere Tage: Altes Schild der Bahnhofstraße in Fellbach. Foto: Dirk Herrmann

Momentan stehen unter 5 Prozent der insgesamt 301 Handelsflächen in der Innenstadt leer – „eine wirklich sehr gute Quote“, bilanziert Wirtschaftsförderin Popp. Sowohl im Bereich Gastro als auch im Handel habe es eine Belebung gegeben. Insgesamt seien knapp 32 Prozent der Gewerbeflächen durch den Einzelhandel und knapp 15 Prozent durch die Gastronomie belegt. Dies sei in vielen anderen Städten leider anders.

Die Herausforderungen werden dabei nicht weniger. Zu den allgemeinen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen kommen im nächsten Jahr noch die Baustelle für die Verlegung der Endhaltestelle der Stadtbahn an der Lutherkirche sowie später auch Baumaßnahmen in der Bahnhofstraße. Die Stadtverwaltung arbeitet zusammen mit dem Stadtmarketingverein und den Unternehmen vor Ort Maßnahmen aus, wie der Innenstadthandel in diesen Phasen unterstützt werden kann.

Gesundheitsleistungen und Versicherungen auf dem Vormarsch

Im Innenstadtbereich ändere sich auch der Branchenmix, so gewinnen Dienstleistungen immer mehr Boden. Gesundheitsleistungen, Versicherungen und andere Formen der Dienstleistungen spielten inzwischen auch in den Ortsmitten eine größere Rolle. Vielleicht sind es diese Veränderungen, die manche Bürger als negativ empfänden, ordnet Thea Heinzler die skeptischen Rückmeldungen ein.

Allerdings habe sich die Geschäftsstruktur schon immer an die tatsächliche Nachfrage angepasst. Früher habe es beispielsweise deutlich mehr Handwerksbetriebe in den Einkaufszonen gegeben. Nach Einschätzung von OB Zull „liegt es an uns allen, dass wir attraktive Innenstädte haben und behalten“. Ihre Empfehlung: „Vor Ort einzukaufen, ist die beste Wirtschaftsförderung.“