Mit seinem waghalsigen Einsatz schenkt der Nikolaus den Kindern einen unvergesslichen Moment. Foto: Eibner-Pressefoto

Die Höhenretter der Werkfeuerwehr im Heldeneinsatz: In der Böblinger Kinderklinik sorgt eine spektakuläre Nikolausaktion für strahlende Kinderaugen und unvergessliche Momente.

Es ist mucksmäuschenstill. Dann raschelt es über den Köpfen der Kinder. Hoch oben am Rand des Klinikdachs taucht eine rote Gestalt auf. Ein Seil, ein kurzer Wink – und der Nikolaus schwebt auf seinem Schlitten Stück für Stück nach unten in den Innenhof der Böblinger Kinderklinik. Die kleinen Patienten drücken ihre Nasen an die Fensterscheiben und sehen dem Mann mit dem roten Mantel, dem weißen Bart und einem großen, prall gefüllten Jutesack gebannt zu. Auch ihre Eltern und das Klinikpersonal beobachtet das Schauspiel. Für einen Augenblick tritt der Krankenhausalltag in den Hintergrund. Schmerz, Sorgen und Behandlungen verlieren an Gewicht. Stattdessen liegt Staunen in der Luft.

 

Nach seiner Landung winkt der Nikolaus den begeisterten Kindern, die im Inneren der Klinik auf ihn warten, zu und macht sich auf den Weg zu ihnen. Rund 30 Kinder werden derzeit in der Kinderklinik stationär behandelt. Der Nikolaus, der in Begleitung von Superman und einem Pandabären ist, besucht sie alle und nimmt sich Zeit für jedes Kind. Jeder kleine Patient bekommt ein Geschenk. Für viele der jungen Patientinnen und Patienten ist es einer der seltenen Momente, in denen sie nicht nur Zuschauer, sondern im Mittelpunkt sind.

Ein besonderer Einsatz – auch für die Werkfeuerwehr

Möglich gemacht wurde die besondere Nikolausaktion durch die Werkfeuerwehr der Mercedes-Benz AG aus Sindelfingen, die mit zehn Ehrenamtlichen der Höhenrettungsgruppe vor Ort war und die Aktion in Böblingen gemeinsam mit dem Förderverein der Kliniken Sindelfingen-Böblingen auf die Beine gestellt hat. Die Idee für die Veranstaltung sei sehr kurzfristig vor etwa zwei Wochen entstanden, erzählt ein Werkfeuerwehrmann. Es habe lediglich eine Generalprobe gegeben, um zu sehen, ob alles passe. „Dort stellte sich heraus, dass die Teleskopmaschine, die den Nikolaus in den Innenhof schweben lassen sollte, genau ausreicht“, sagt Bernd Schäfer von der Werkfeuerwehr. Der Einsatz am Seil gehört für die Höhenrettungsgruppe zwar zum Alltag. Sie werden gerufen, wenn ein Kranfahrer hoch oben Hilfe benötige, oder wenn man eine stark übergewichtige Person aus einer Wohnung bergen muss. Doch dieser Einsatz sei auch für sie ein besonderer, sagt einer der Beteiligten: „Wenn man die Kinder strahlen sieht, weiß man sofort, warum man das macht.“

Unterstützung holte sich der Nikolaus von Superman, der sich ebenfalls vor den Augen der Kinder vom Dach der Klinik abseilte. Foto: Eibner-Pressefoto

Mitorganisiert hat das Ereignis der Förderverein der Kliniken Sindelfingen-Böblingen. Horst Nebelsieck, der Vorsitzende des Fördervereins und ehemaliger Chefarzt der Kardiologie am Klinikum Sindelfingen, betont, wie wichtig solche Veranstaltungen für die jungen Patienten seien, um Ablenkung und Freude zu erhalten. Nächstes Jahr wolle man die Aktion wiederholen, dann aber mit etwas mehr Vorlaufzeit, damit noch mehr Menschen in den Genuss der Aktion kämen.

Auch das Klinikpersonal ist angetan von der Aktion

Während es im benachbarten Suttgart und Reutlingen ein solches Nikolausspektakel an den jeweiligen Kinderkliniken schon mehrmals gab, so ist es in Böblingen neu. „Die Aktion ist dieses Jahr zum ersten Mal in Böblingen. Wir sind der Werkfeuerwehr und dem Förderverein sehr dankbar, denn die Aktion ist eine tolle Abwechslung für die Kinder, die am Nikolaustag und in der Vorweihnachtszeit im Krankenhaus verbringen müssen“, erklärt Lukas Schult, der Kliniksprecher. Überall sehe man die kleinen Patienten an den Fenstern stehen, aber ebenso für das Klinikpersonal sei das Event eine schöne Abwechslung. Auch Lutz Feldhahn, geschäftsführender Chefarzt der Kinderklinik, ist begeistert von der Aktion: „So etwas hat es hier seit 1967 noch nicht gegeben. Es ist etwas ganz Besonderes, dass ein so großes ehrenamtliches Team für unsere Kinder so etwas auf die Beine stellt.“ Solche Momente bringen Licht in den Alltag, der für die kranken Kinder, aber auch für deren Eltern nicht leicht ist.

Als der Nikolaus mit seinen treuen Gefährten die Kinderstation später wieder verlässt, bleibt der Zauber noch ein wenig hängen. Auf den Fluren hört man fröhliche Stimmen, blickt in leuchtende Kinderaugen und mit Schokolade verschmierte Gesichter. Und für viele Kinder bleibt die Gewissheit: Selbst hierher findet der Nikolaus seinen Weg.