Er hat die Zauberkunst in Deutschland geprägt wie kein anderer, verhalf Stuttgartern wie Topas, Andy Häussler und Roxanne zum großen Erfolg: Eberhard Riese, der Ehrenpräsident des Magischen Zirkels, ist mit 73 Jahren überraschend gestorben.
Für Topas alias Thomas Fröschle, den Stuttgarter Weltmeister der Magie, war Eberhard Riese „ein zweiter Papa“. Eine eigene Familie im klassischen Sinn hatte der frühere Oberstudiendirektor des Paracelsus-Gymnasiums Hohenheim nicht, aber eine große Familie in seiner Kunst des Zauberns. Die magische Szene in Deutschland trauert um einen ganz Großen ihrer Zunft. Im Alter von 73 Jahren ist der gebürtige Leipziger, den die Branche „Ebs“ nannte und der in Bernhausen lebte, am Samstag überraschend „eines natürlichen Todes“ gestorben, wie Topas bestürzt und tief betroffen unserer Redaktion mitteilt.
Noch vor einer Woche besuchte „Ebs“ einen Zauberworkshop
Noch in der Woche vor seinem Tod hat Riese einen Workshop des Magischen Zirkels Deutschlands, dessen Ehrenpräsident er war, besucht, hat die Proben und die Auftritte der jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer verfolgt und „ihnen wertvolle Tipps gegeben, wie immer geduldig und profund Fragen beantwortet“, wie Lars Tepel, der Präsident des Zirkels, berichtet.
„Seine ,Stuttgarter Schule’ hat fantastischen Künstlern zu noch größerem Erfolg verholfen“, sagt Tepel über seinen Vorgänger, der Präsident des Magischen Zirkels Deutschland von 2011 bis 2024 war, bevor er Ehrenpräsident wurde. Zuletzt hat Riese den 20-jährigen Maurice Grange zum Sieg bei der Europameisterschaft der Zauberkunst geführt. Neben den vielen Preisträgern, die der Verstorbene entdeckt und gefördert habe, hätte „Hunderte von Nachwuchstalenten von seinen Ideen und seinem unverwechselbarem Stil profitiert“, so Lars Tepel.
Riese war für seine bescheidene und herzliche Art beliebt, er war ein Menschenfreund. Sein Wort zählte, weil er in jeder Situation Rat wusste und mit seinen oft überraschenden Ideen überzeugte.
Topas verdankt Riese sein „berufliches und privates Glück“
„Eberhard Riese hat mein Leben verändert“, sagt Topas, „er war mein Mentor, mein Vorbild und mein väterlicher Freund bis zuletzt.“ In 42 Jahren habe er ihn begleitet, beraten und inspiriert. „Ebs“ habe sein berufliches und privates Glück ermöglicht – seine Frau Roxanne, eine Zauberkünstlerin, lernte er über ihn kennen. Roxanne sagt: „Viele der schönsten Momente in meinem Leben durfte ich mit ,Ebs’ teilen, ich hege die Erinnerungen daran wie einen Schatz.“
Seit 1979 war Riese, der die Fächer Mathematik, Deutsch und Geschichte bis zur Pensionierung im Jahr 2016 unterrichtet hat, Vorsitzender des Magisches Zirkels in Stuttgart und hat ganz wesentlich mit dazu beigetragen, dass Stuttgart zur deutschen Zaubermetropole geworden ist. Sein legeres Outfit und die Schlappen gehörten zu ihm wie seine Leidenschaft für Illusion. Zum Einstand beim Magischen Zirkel bekam er ein T-Shirt mit aufgedruckter Krawatte.
Die Trauer in der Zauberwelt ist sehr groß. „Was ich auch sagen würde, es wäre zu wenig“, erklärt Andy Häussler und bedankt sich für „fast 50 Jahre Unterstützung, Ratschläge und gemeinsame Erlebnisse“. Musicalregisseur Klaus Seiffert ist „unfassbar traurig“. Riese habe ihn stets bei seinen Stuttgarter Premieren besucht, man habe sich zuletzt beim Kongress in Lübeck gesehen. Sein Tod sei ein „großer Verlust für die Zauberszene und für alle, die ihn kannten“.