Außenangreiferin Mija Siftar verlässt nach nur einer Woche den Volleyball-Bundesligisten Allianz MTV Stuttgart schon wieder – was Sportchefin Kim Renkema fassungslos macht.
Kim Renkema ist seit siebeneinhalb Jahren Sportdirektorin beim Volleyball-Bundesligisten Allianz MTV Stuttgart, in dieser Zeit hat sie viele Spielerinnen kommen und gehen sehen. Aber noch nie lag zwischen Kommen und Gehen nur eine Woche. „So etwas ist bisher undenkbar gewesen“, sagt Kim Renkema in einer Mischung aus Verärgerung und Fassungslosigkeit, „auf diese schlimme Art und Weise hat noch niemand die Mannschaft im Stich gelassen.“
Es geht um Mija Siftar (18). Die Außenangreiferin verbrachte den Sommer bei der slowenischen Nationalmannschaft, kam am 3. September nach Stuttgart. Und forderte an diesem Mittwoch – lediglich acht Tage später – die Auflösung ihres Vertrags. „Wir hatten keine Möglichkeit mehr, sie davon abzubringen“, erklärt Kim Renkema. Letztlich habe der Verein das Arbeitsverhältnis auch aus grundsätzlichen Erwägungen beendet: „Was wir in den vergangenen Jahren in Stuttgart aufgebaut haben, gründet sich auch auf die herausragende Mentalität und die tollen Charaktereigenschaften unserer Spielerinnen. Deshalb werden wir das Thema Mija Siftar nun schnell abhaken und uns positiven Dingen zuwenden.“ Auch wenn das eine oder andere Fragezeichen zurückbleibt.
In Stuttgart „unwohl“ gefühlt
Schon Mitte August hatte Kim Renkema den ersten Anruf des Beraters von Mija Siftar erhalten. Er erzählte ihr, dass Alessandro Orefice, der Trainer des slowenischen Nationalteams und des französischen Erstligisten Levallois Paris Saint Cloud, der Außenangreiferin das Angebot gemacht habe, in die französische Hauptstadt zu wechseln – weil sich dort eine Spielerin, die für diese Position vorgesehen war, verletzt habe. Nach der Ankunft Siftars in der Scharrena war laut Kim Renkema von dieser Option allerdings nicht mehr die Rede. Die Slowenin, die vergangene Saison bei Volley Mulhouse spielte, habe sehr gut trainiert, positive Stimmung verbreitet und ihr großes sportliches Potenzial angedeutet. Umso überraschter war die MTV-Sportchefin über den Sinneswandel.
Am Mittwoch habe Mija Siftar ihr erklärt, dass sie mit der vom Verein zur Verfügung gestellten Wohnung in Untertürkheim nicht zufrieden sei, es ihr in Stuttgart nicht gefalle und sie sich hier „unwohl“ fühle. „Wir haben ihr angeboten, etwaige Probleme zu lösen“, sagt Kim Renkema, „doch sie wollte keine Lösung. Sie wollte nur weg.“ Allerdings nun doch nicht nach Paris: „Dort will sie angeblich nicht hin. Vielleicht werden wir genauere Hintergründe erfahren, wenn wir sehen, bei welchem Verein sie unterschrieben hat.“
Kommt noch eine Verstärkung?
Bei Allianz MTV Stuttgart muss nun ein neues Mannschaftsfoto gemacht werden – eines ohne Mija Siftar. Zudem wird überlegt, was mit dem freien Platz im Kader geschieht. Einerseits stehen Trainer Konstantin Bitter nach der überraschenden Rückkehr von Maria Segura Palleres, die ihre Karriere nun doch eine weitere Saison fortsetzt, immer noch vier Außenangreiferinnen zur Verfügung. Andererseits fehlt die Schlagkraft von Mija Siftar. „Sie ist ein Rohdiamant, verfügt über die nötige Größe und Körperlichkeit. Sie hätte bei uns eine absolut wichtige Rolle übernehmen können, das hat sie in den Testspielen gezeigt“, erklärt die Sportdirektorin des Triple-Siegers, „wir haben auf ihre Angriffsqualität gebaut. Sie wird, weil der Markt zu diesem Zeitpunkt natürlich nicht mehr viel hergibt, nicht gleichwertig zu ersetzen sein.“