Osram kümmert sich auch um Pflanzen. Mit einem neuartigen System testen die Forscher unterschiedliches Licht, ohne dafür die Leuchten auswechseln zu müssen Foto:  

Der Vorstand von Osram hat Bedenken, die Vertreter der Arbeitnehmer sowieso. Dennoch kommt AMS der geplanten Osram-Übernahme näher. Dem Lichtkonzern droht die Zerschlagung.

München - Die Bieterschlacht um den Münchner Traditionskonzern Osram entwickelt Züge einer feindlichen Übernahme. „Das ist kein freundlicher Akt“, findet IG- Metall-Vorstand Irene Schulz. „Das Vorgehen ist aggressiv“, bekräftigt Osram-Gesamtbetriebsratschef Thomas Wetzel. Beide sprechen vom Kaufangebot des kleinen österreichischen Sensorspezialisten AMS. Der will Osram für rund 4,3 Milliarden Euro auf Kredit kaufen und bietet damit ein Zehntel mehr als die beiden Finanzinvestoren Bain und Carlyle. Mit Letzteren könnten sich Gewerkschaft und Belegschaft anfreunden. Eine Übernahme durch AMS biete mehr Risiken für Jobs und Standorte als eine solche durch Bain und Carlyle, sagen IG Metall und Betriebsräte. Käme AMS zum Zuge, würden betriebsbedingte Kündigungen drohen.

In der verpflichtenden Stellungnahme des Osram-Aufsichtsrats hat die Arbeitnehmerseite deshalb gegen das AMS-Kaufangebot gestimmt. Auch der Osram-Vorstand unter Olaf Berlien äußerte Bedenken, empfahl letztlich aber eine Annahme der AMS-Offerte zu 38,50 Euro je Osram-Aktie. Das Angebot sei aber nur aus finanzieller Sicht attraktiv, relativierte Berlien. Es enthalte einige kritische Punkte hinsichtlich Strategie, Standorten und Integrationskonzept, also praktisch auf der gesamten operativen Seite. Bemerkenswert ist auch, dass Berlien eigene Osram-Aktien nicht verkaufen will.

Gewerkschafterin sieht Übernahmeangebot von AMS skeptisch

AMS-Chef Alexander Everke ist dagegen sicher, zum Zuge zu kommen. „Wir kriegen sie“, meinte er über die 62,5 Prozent Osram-Aktien, die neuerdings als Annahmeschwelle der eigenen Offerte dienen. Bislang galten 70 Prozent als Minimum. Wirklich sicher scheint Everke sich seiner Sache aber nicht zu sein, sonst würde er die Schwelle nicht senken. Für die IG Metall und die Osram-Betriebsräte ist das zudem ein weiteres Indiz für Sprunghaftigkeit und Unzuverlässigkeit von AMS. Ein erstes Übernahmeangebot für Osram hatten die Österreicher binnen 24 Stunden wieder zurückgezogen, um wenige Wochen später erneut anzutreten.

Das Angebot sei finanziell der Offerte von Bain und Carlyle überlegen sowie hinsichtlich Job- und Standortgarantien gleichwertig, sagt Everke. Auf dem Papier stimme das, räumt Gewerkschafterin Schulz ein. Bei AMS sei sie aber viel skeptischer, dass die dreijährigen Garantien für deutsche Standorte auch eingelöst werden. Denn inklusive bestehender AMS- und Osram-Schulden würde das kreditfinanzierte Gesamtgebilde mit der enormen Schuldenlast von 6,4 Milliarden Euro an den Start gehen. Bain und Carlyle dagegen würden eine Übernahme zu zwei Dritteln aus Eigenmitteln finanzieren. Dazu hat AMS schon Stellenabbau vor allem in der Münchner Osram-Zentrale angekündigt. Einige Hundert Jobs dürfte das kosten, sagt Everke. Doppelfunktionen würden eliminiert, Fertigungsstandorte im Ausland optimiert. Gleichzeitig ködert er mit dem Aufbau einiger Hundert Stellen im Regensburger Osram-Hauptwerk.

Osram-Digitalgeschäft soll verkauft werden

Auf jeden Fall verkaufen will AMS bei einer Übernahme das Digitalgeschäft von Osram mit zuletzt 900 Millionen Euro Jahresumsatz und weltweit rund 5000 Beschäftigten. Das ist ein Viertel des gesamten Konzernumsatzes und knapp ein Fünftel der Gesamtbelegschaft. IG Metall und Betriebsräte werten das als Zerschlagung, die quer durch Werke gehe. So wäre die Hälfte der 690 Mitarbeiter im Werk Berlin von einem Spartenverkauf betroffen.

IG Metall und Betriebsräte sehen es kritisch, weil AMS plant, 17 000 Osram-Patente nach Singapur zu verlagern, wo der AMS-Großaktionär Temasek sitzt. Zudem hätten die Österreicher noch nie eine Übernahme in der Dimension von Osram gema­nagt. Die Münchner sind hinsichtlich Stellen und Umsatz dreimal größer als AMS. Die Österreicher wiederum sind profitabler und wachstumsstärker. Davon würden Osram und seine Belegschaft profitieren, meint Everke. Gemeinsam könne man zudem Technologien kombinieren und Produkte anbieten, die noch kein Konkurrent habe. So ließen sich auch schnell Schulden abbauen. Die Integration von Osram hält Everke im Gegensatz zur IG Metall und zu den Betriebsräten für relativ einfach, weil es auf Produktebene kaum Überschneidungen gebe. Bis 1. Oktober müssen sich alle Osram-Aktionäre entscheiden, ob sie sich von ihren Anteilen trennen wollen.

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