Volkswagen kann bei Scania durchgreifen Foto: dpa

Rechtzeitig zur Hauptversammlung der VW-Aktionäre in Hannover verkündet Konzernchef Martin Winterkorn die Komplettübernahme von Scania. Trotzdem läuft bei den Niedersachsen längst nicht alles rund.

Rechtzeitig zur Hauptversammlung der VW-Aktionäre in Hannover verkündet Konzernchef Martin Winterkorn die Komplettübernahme von Scania. Trotzdem läuft bei den Niedersachsen längst nicht alles rund.

Hannover/Stuttgart - Es ist vollbracht. Nach einer mehrwöchigen Zitterpartie hat sich VW den schwedischen Lkw-Bauer Scania komplett einverleibt. Am Dienstag teilte der Konzern pünktlich zur Hauptversammlung in Hannover mit, dass die angestrebte Mehrheit von über 90 Prozent erreicht sei. Zuvor hatte der schwedische Rentenfonds Alecta dem Verkauf seines Anteils zugestimmt.

„Wir freuen uns, dass die Aktionäre von Scania unser sehr attraktives Angebot im erforderlichen Umfang angenommen haben“, erklärte VW-Chef Winterkorn. Jetzt könne man den nächsten Schritt zur operativen Integration von Scania, MAN und Volkswagen Nutzfahrzeuge gehen. Um dreistellige Millionenbeträge pro Jahr zu sparen, sollen unter anderem analog zur Pkw-Sparte mehr baugleiche Teile verwendet werden. Die Übernahme dürfte die Niedersachsen 6,7 Milliarden Euro kosten. Für die reibungslose Zusammenarbeit, die wegen der unterschiedlichen Unternehmenskulturen in der Vergangenheit schwierig war, soll von kommendem Jahr an der Ex-Daimler-Manager Andreas Renschler sorgen.

Es war nicht die einzige gute Nachricht, die Winterkorn für seine Aktionäre mitgebracht hatte. Der Absatz läuft gut. Er legte mit rund 2,6 Millionen Fahrzeugen in den ersten drei Monaten des Jahres um knapp acht Prozent zu. Die magische Marke von zehn Millionen Autos und Nutzfahrzeugen aller Marken scheint in diesem Jahr greifbar. Ursprünglich war dies erst für das Jahr 2018 angepeilt worden.

Weil der erwirtschafte Gewinn mit 11,7 Milliarden Euro im Jahr 2013 mehr als ordentlich ausfiel, dürfen sich die Aktionäre außerdem über eine gegenüber dem Vorjahr um 50 Cent je Aktie erhöhte Dividende freuen. Winterkorn kündigte an, in Zukunft noch mehr Wert auf das qualitative Wachstum, also den Profit legen zu wollen. „Wir wollen immer besser, effizienter, umweltfreundlicher und noch kundenorientierter werden – dazu gehört auch, dass wir die Abläufe und Prozesse im Unternehmen noch schlanker und noch effizienter machen“, so Winterkorn.

Trotzdem sehen Auto-Experten wie Ferdinand Dudenhöffer von der Uni Duisburg-Essen sehen die Gefahr, dass vor allem die Kernmarke VW ins Hintertreffen geraten könnte. So sei etwa der pro Auto erwirtschaftete Gewinn im ersten Quartal dieses Jahres deutlich niedriger ausgefallen als im Vorjahr – und zudem geringer als bei Mitbewerbern wie Nissan oder Toyota. Und dies, obwohl mit dem Ausbaus der modularen Baukästen Milliarden eingespart werden sollen.

Ausgewertet wurden dabei nur die Pkw-Sparten der Konzerne. Ein Grund für die niedrige Marge ist für Dudenhöffer der im Vergleich mit anderen Autobauern hohe Personalstand bei VW: „Sogar in Deutschland als teuerstem Standort werden ja noch Kapazitäten aufgebaut.“ VW beschäftige aktuell weltweit knapp 575 000 Mitarbeiter, Toyota bei leicht höherem Absatz 339 000 Mitarbeiter.

Schwer tut sich die Kernmarke VW vor allem auf dem US-Markt. Trotz Einführung des neuen Passat ist der Absatz mit 118 154 Einheiten im ersten Quartal gegenüber dem Vorjahr um zehn Prozent eingebrochen, während der Gesamtmarkt um über drei Prozent zulegte. Auf der einen Seite wolle man Premium sein und den Phaeton wieder in den Markt bringen, auf der anderen Seite biete man mit dem Einsteiger-Passat ein günstiges Modell.

„Das passt nicht zusammen und verwirrt den US-Kunden“, so Dudenhöffer. VW brauche nicht noch ein zusätzliches Modell wie den geplanten mittelgroßen Geländewagen, sondern eine Strategie. Zugleich werde die Abhängigkeit von China immer mehr zum Risiko. Inzwischen verkauft VW dort 41,5 Prozent der Kernmarke. „Mit Blick auf China sind wir im Länderportfolio fast schon in einer Monokultur“, warnt Dudenhöffer. Wie gut, dass der Markt dort immer noch rasant wächst.

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