Ob Städtetrip, Ausflug oder Geschäftsreise: In Stuttgart übernachten immer mehr Gäste. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Stuttgart und die Region werden für Reisende immer beliebter: 2017 kamen so viele Gäste wie noch nie. In Zukunft stehen die Stuttgarter Touristiker aber vor großen Herausforderungen.

Stuttgart - Wilhelma, Cannstatter Wasen oder Mercedes-Museum: Die Landeshauptstadt zieht immer mehr Besucher an. Zum ersten Mal hat Stuttgart die Zwei-Millionen-Gäste-Grenze überschritten. Im vergangenen Jahr stellte die Stadt Stuttgart mit insgesamt fast 3,8 Millionen Übernachtungen zudem einen neuen Rekord auf. Diese Zahlen gab Stuttgart-Marketing am Mittwoch bei ihrer Bilanzpressekonferenz bekannt. Dabei hat vor allem die Region mit 8,8 Millionen Übernachtungen touristisch aufgeholt.

Dass sich die Touristenströme immer mehr in die Städte verlagert haben, spielt Stuttgart in die Karten. Auch, wenn mit nur 30 Prozent der Anteil der Urlauber im Vergleich zu den Geschäftsreisenden relativ gering ist. Stuttgarts Tourismus-Chef will sich auf den guten Zahlen nicht ausruhen. „Wir brauchen sowohl für die Geschäftsreisenden als auch für die Urlauber stärkere Anreize, Highlights und große Projekte in greifbarer Zukunft“, sagt Armin Dellnitz. Zu den Herausforderungen für den Tourismus gehören auch die 4000 neuen Betten, die in den kommenden Jahren in Stuttgart hinzukommen und noch mehr Gäste anlocken sollen. „Wir haben uns immer gewünscht, dass in Hotels investiert wird. Jetzt ist es so weit und wir müssen handeln“, sagt Dellnitz.

Tourismus-Chef fordert mehr Großveranstaltungen

Für die etwa drei Millionen Geschäftsreisenden pro Jahr sieht er den Bedarf an weiteren innerstädtischen Tagungs- und Kongresszentren. Für die Privatreisenden und Tagesausflügler sollte zudem das Angebot ausgebaut werden. „Die Erwartungshaltung der Reisenden wächst. Daher brauchen wir Sonderausstellungen und mindestens fünf bis sechs weitere Veranstaltungen in der Größenordnung des Volksfestes“, fordert Dellnitz. Auch deshalb setzt der Tourismus-Chef dieses Jahr verstärkt auf das Thema Kulinarik, um weitere Besucher in die Landeshauptstadt und die Region zu locken. „Wir wollen endlich weg vom Feinstaub und hin zur Genussstadt“, sagt Andrea Gerlach, Prokuristin bei Stuttgart-Marketing.

Wie viele Gäste kamen? Das Jahr 2017 war ein weiteres Rekordjahr für den Tourismus in Stuttgart. 2,04 Millionen Gäste buchten 3,78 Millionen Übernachtungen. Damit knackt die Landeshauptstadt erstmals die Zwei-Millionen-Grenze und steigert seine Zahlen um zwei Prozent. Mit durchschnittlich 1,85 Tagen ist die Aufenthaltsdauer der Gäste relativ kurz und das niedrigste Ergebnis seit 1950.

Wer besuchte Stuttgart? Der größte Teil der Gäste kommt weiterhin aus Deutschland. 70 Prozent sind Geschäftsreisende. Urlauber machen 30 Prozent aus. Im Vergleich zum Vorjahr konnte die Zahl sogar um 2,2 Prozent auf 2 629 836 inländische Übernachtungen gesteigert werden.

Woher kamen die Ausländer? Spitzenreiter bleiben trotz eines Rückgangs weiterhin die USA mit 171 518 Übernachtungen. Das sind etwa sieben Prozent weniger als noch im Vorjahr. Auf Platz zwei liegt die Schweiz mit 139 334 Übernachtungen. Hier geht die Zahl im Vergleich zu 2016 leicht zurück. Auch die Übernachtungen von Besuchern aus den Arabischen Golfstaaten gingen um 15 Prozent weiter zurück. „Das Thema Medizintourismus ist nicht mehr so groß“, sagt Dellnitz. Einen überraschenden Zuwachs von 15 Prozent gab es bei den Gästen aus Spanien (32 912 Übernachtungen) und 23 Prozent aus Polen (25 846).

Wie viele Hotelbetten gab es? In Stuttgart haben 172 Übernachtungsbetriebe insgesamt 20 712 Schlafgelegenheiten angeboten. Die Zahl der Betten ist im Vergleich zum Vorjahr um 870 angestiegen. Die Bettenauslastung lag bei 50,5 Prozent und ist damit geringer als noch 2016.

Wie sieht es in der Region aus? Die Region hat im vergangenen Jahr Stuttgart in Sachen Wachstum überholt. Mit 8,78 Millionen Übernachtungen in 815 Betrieben mit genau 55 844 Betten ist das ein Wachstum von 2,4 Prozent. Gewinner ist der Landkreis Göppingen. Er zieht zwar am wenigsten Besucher an, konnte mit mehr als fünf Prozent aber am stärksten zulegen. Mit 1,52 Millionen Übernachtungen liegt der Kreis Esslingen weiterhin auf dem ersten Platz im Regionsvergleich.

Was wird für 2018 erwartet? Der Tourismuschef blickt zuversichtlich in die Zukunft. Er rechnet mit einem weiteren Zuwachs: „Der Veranstaltungskalender ist voll und wir feiern 200 Jahre Cannstatter Volksfest. Ich rechne mit vier Millionen Übernachtungen in Stuttgart und mehr als neun Millionen in der Region. Das wäre ein Plus von vier Prozent.“ Bis 2030 sollen es sogar 30 Prozent mehr werden. „Eine Wirtschaftsregion sind wir schon, jetzt müssen wir noch eine Tourismusregion werden.“

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