Wenn das heimische WLAN nicht mehr mitmacht, scheitert auch die Arbeit im Homeoffice – selbst wenn die Netze selbst nicht überlastet sind. Foto: Jürgen Fälchle/stock.adobe.com

Beschäftigte im Homeoffice klagen immer wieder über schlechte Internetverbindungen. Doch dahinter stecken meist hausgemachte Probleme.

Stuttgart - Mehr als zwei Millionen Kabel-, Telefon- und Internetkunden zählt Vodafone im Südwesten. Der Anbieter, der im vergangenen Jahr Unitymedia übernahm, ist derzeit ein Seismograf, wie sich die Verbraucher im Land verhalten: Im Vodafone-Festnetz ist der Datenverkehr im Vergleich zur ersten Märzwoche um mehr als 50 Prozent angestiegen, das Gleiche gilt für das Telefonieren im Festnetz und mit dem Handy. Nur der mobile Datenverkehr nahm etwas ab. „Persönliche Telefongespräche mit Freunden, Verwandten und Kollegen nehmen deutlich zu“, sagt ein Konzernsprecher. „Ebenso finden im beruflichen Umfeld deutlich mehr Telefonate statt – anstelle von persönlichen Gesprächen im Büro, Konferenzen, Tagungen und Meetings.“ Die Vodafone-Netze würden trotz erhöhter Last „sehr stabil arbeiten“, betont der Sprecher. Die Kapazitäten seien nicht eingeschränkt und könnten weiter ausgebaut werden. Dazu habe man Teams gebildet, die jederzeit gegensteuern könnten.

 

Die Zahl der Videokonferenzen steigt um 50 Prozent

Millionen Menschen im Homeoffice, Schüler beim Surfen zu Hause, boomende Streamingdienste wie Netflix: Allein im größten deutschen Internetknotenpunkt DE-CIX in Frankfurt wurde bereits am vergangenen Dienstag beim Datendurchsatz ein Rekord von 9,1 Terabit – also 9,1 Millionen Megabit – in der Sekunde erzielt, aktuellere Zahlen liegen noch nicht vor. Die Zahl der Videokonferenzen mit Diensten wie Skype, Web-EX und Teams stieg um 50 Prozent, der Datenverkehr mit Online-Spielen und sozialen Medien nahm um ein Viertel zu. Kann man da Aussagen vertrauen, wonach die Netze nicht überlastet seien?

Auf weitere Anfragen unserer Zeitung gibt man allerorts Entwarnung: „Die Netze sind derzeit stabil, gravierende Beeinträchtigungen der Internetverbindung werden aktuell nicht erwartet“, heißt es bei der Bundesnetzagentur, die die Netze reguliert. Neben Vodafone melden auch die beiden anderen großen Netzbetreiber keinerlei Probleme: „Zum jetzigen Zeitpunkt sind unsere Kapazitäten sehr ausreichend dimensioniert, und wir haben jede Menge Reserven“, heißt es bei Telefónica. Und die Telekom informiert: Man habe „rund um die Uhr“ Experten im Einsatz; diese berechneten derzeit auch „mögliche Lastszenarien für die nächsten Tage und Wochen“, um schnell gegenzusteuern zu können.

Die Probleme sind oft hausgemacht

Dagegen verweisen Branchenexperten auf einen weniger spektakulären Engpass, wenn Beschäftigte im Homeoffice ruckelnde Videobilder sehen oder aus den Programmen geworfen werden: Die virtuellen privaten Netzwerke (VPN), die die Firmen zur sicheren Kommunikation aufbauen, sind teils überlastet. Manchmal fehle es schlicht an Bandbreite und leistungsfähigeren Servern, heißt es, außerdem müssten kurzfristig eingekaufte Lizenzen und damit Zugänge integriert werden. Aber auch die Anbieter von Webkonferenzen seien in den vergangenen Tagen teilweise überfordert gewesen, sagt Nick Kriegeskotte, Leiter Infrastruktur & Regulierung beim IT-Branchenverband Bitkom. „Bei einzelnen Diensten war keine Einwahl möglich, weil einzelne Server überlastet waren.“ Inzwischen hätten die Anbieter ihre Serverkapazitäten erweitert und die Probleme weitgehend beseitigt.

Jetzt gilt es, das WLAN neu zu justieren

Ein zentrales Problem indes ist nicht so leicht zu beseitigen – es liegt in den Haushalten selbst. Wenn die Eltern in Videokonferenzen sind und der Sohn online spielt oder auf Youtube unterwegs ist, bremst das den Datenverkehr im WLAN aus. Hier helfe es oft, wenn ein LAN-Anschluss mit einem Ethernetkabel mit dem Router verbunden wird, erklärt Kriegeskotte. Außerdem sei es sinnvoll, die Geräte in der Nähe des Routers zu bedienen und diesen nicht in eine Zimmerecke zu stellen. Ferner könne man über den Router Geräte priorisieren wie beispielsweise den Firmen-Laptop. Wer allerdings auf dem Land arbeitet und keinen schnellen Anschluss hat, bleibt außen vor.

Hintergrund: Maßnahmen gegen überlastete Netze

Spitzenlast

Auch in der Corona-Krise erreicht der Datenverkehr in Deutschland abends seinen Höhepunkt. Dann nutzen viele Verbraucher datenintensive Video-Streamingdienste wie Netflix, heißt es beim IT-Branchenverband Bitkom.

Drosselung

Die größten Videostreaming-Anbieter wie Netflix, Amazon, Youtube und auch die soziale Videoplattform TikTok haben in der EU die Datenmengen reduziert und spielen in den kommenden Wochen Videos meist in SD- statt in HD-Qualität ab. Dazu hatte die EU-Kommission aufgerufen, um die Netze zu entlasten.

Bundesnetzagentur

Sind Netze überlastet, könnte die Gleichbehandlung des Internetverkehrs ausgehebelt werden. Das teilte die Bundesnetzagentur mit: „Dann steht den Netzbetreibern die Möglichkeit offen, weitere Maßnahmen zum Verkehrsmanagement zu ergreifen“, heißt es.