Solche Warteschlangen wie hier vor dem Bürgerbüro in der Stadtmitte gibt es auch in Möhringen. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Das Bürgerbüro in Degerloch ist seit gut einem Jahr geschlossen. Vor dem Bürgerbüro in Möhringen gibt es meist Warteschlangen. Das Amt setzt auf Stellenausschreibungen.

Colyn Heinze ist erst seit gut einem Monat in seinem neuen Amt als Degerlocher Bezirksvorsteher. Doch mit einem Problem ist er bereits bestens vertraut: Das Bürgerbüro in Degerloch ist seit gut einem Jahr geschlossen. Naheliegenderweise suchen die Degerlocher dann jenes in Möhringen auf, doch dort erleben sie die nächste Enttäuschung. Einer unserer Leser aus Degerloch schreibt: „Obwohl ich um 8.05 Uhr in Möhringen war, gab es bereits eine Warteschlange um zwei Häuserblocks herum. Und das Büro öffnet erst um 8.30 Uhr“. Sein Resümee: „Die Warteschlange wird also sicher noch länger. Die Konsequenz: „Ich habe entnervt umgedreht und habe es als erfrischende morgendliche Radtour abgehakt.“ Dem Leser ist aber auch klar: „Für ältere Menschen oder für dringende Angelegenheiten ist dieser Zustand jedoch unzumutbar.“

Heute geschlossen

Ein anderer Leser hat zunächst das Internet bemüht. Dort hat er erfahren: „Das Bürgerbüro West ist geschlossen, im Rathaus in der Eberhardstraße hat man im August keine Termine mehr frei. Dann die Meldung, dass sich die Bürgerbüros am Donnerstag von 14 bis 18 Uhr ausschließlich mit Ausweis- und Passangelegenheiten befassen.“ Mit dieser Info ist er nun nach Möhringen gefahren. „Dort war ein Aufsteller, der besagt, dass das Rathaus wegen personeller Engpässe heute geschlossen ist“, so der Leser.

Eine Sache des Amts für öffentliche Ordnung

Heinze gibt zu: „Was die Leute beklagen und schildern, ist nachvollziehbar und korrekt. Besonders für ältere Menschen ist das sehr belastend: Wie komme ich nun schnell nach Möhringen? Und komme ich dort auch noch dran? – Das sind Fragen, die die Menschen schon sehr beschäftigen.“ Doch Heinze muss auch zugeben: „Als Bezirksvorsteher sind meine Möglichkeiten da leider sehr beschränkt. Bürgerbüros sind eine Sache des Amts für öffentliche Ordnung“, und damit frei von den Befugnissen eines Bezirksvorstehers. Was Heinze in dieser Situation wurmt: „In Degerloch ist das Bürgerbüro ja im Rathaus untergebracht. Immer wieder sind nun Menschen der Meinung, nicht nur das Bürgerbüro hat geschlossen, sondern das ganze Rathaus. Und das ist natürlich nicht der Fall.“

Vom Amt für öffentliche Ordnung heißt es, von drei Stellen im Bürgerbüro Degerloch seien seit dem 1. Oktober 2022 zwei Stellen unbesetzt, darunter auch die Stelle der Bürgerbüroleitung. Mehrere Besetzungsverfahren seine erfolglos geblieben. „ Aktuell findet wieder ein Verfahren zur Besetzung der Leitungsstelle statt“, wird mitgeteilt.

Unzumutbare Wartesituationen

Hier wie auch im Fall der Bürgerbüros heißt es dann: „Wir setzen alles daran, dass das Bürgerbüro Degerloch so bald wie möglich wieder öffnen kann. Mittels einer Dauerausschreibung und wöchentlich stattfindender Auswahlverfahren sind wir zuversichtlich, dass wir ein Großteil der Sachbearbeiterstellen in den nächsten Monaten besetzen können und sich die personelle Situation bei den Bürgerbüros insgesamt und somit auch in Degerloch wieder verbessert.“

Speziell zu Degerloch teilt das Amt für öffentliche Ordnung mit: „Da auch nur wenige der Springerstellen besetzt sind und in den letzten Monaten insgesamt bis zu 40 Sachbearbeiterstellen unbesetzt waren, konnte das Bürgerbüro Degerloch auch nicht mit Aushilfspersonal geöffnet werden.“ Deshalb nennt zum jetzigen Zeitpunkt auch niemand ein Datum, wann das Degerlocher Bürgerbüro wieder geöffnet sein könnte.

Erledigungen auf dem Bezirksamt und online

Ganz untätig müssen Heinze und seine Mitarbeiter jedoch nicht zuschauen: „Bei uns auf dem Bezirksamt kann man den Landesfamilienpass und die Ausstellung sowie die Aufladung der Familiencard beantragen. Man kann Kopien und Unterschriften bestätigen lassen und Fundsachen abgeben beziehungsweise abholen“, sagt Heinze. Diese Aufgaben wurden offiziell Anfang dieses Jahres von den Bürgerbüros an die Bezirksämter übertragen. Und online ist inzwischen auch einiges möglich: Den Wohnsitz an- , um- oder abmelden, Meldebescheinigungen einholen sowie Führungszeugnisse und Bewohnerparkausweise beantragen.