Traumpaar in Beige. Foto: Brigitte Bonnet

Die Klopapierhamsterei hat auch etwas Gutes, meint unser Kolumnist KNITZ. Jetzt darf er an einen gehäkelten Überzieher aus den Siebzigerjahren erinnern.

Stuttgart - Fast hätte KNITZ sie vergessen – oder sie womöglich gar verdrängt: die umhäkelte Klopapierrolle. Aber in diesen Tagen, da Papierrollen vielerorts zur Mangelware werden, erinnern sich die Älteren unter uns an jenen wollenen Verpackungskünstler aus den Sechziger- und Siebzigerjahren.

KNITZ hat keinen Dunst, wer auf den Trichter kam, Klopapierrollen unter einem Häkelhut zu verstecken. Aber das könnte durchaus im Schwäbischen gewesen sein, in einem Landstrich, in dem der Pietismus von jeher eine gewisse Rolle spielte und man in der Fastenzeit Fleisch in Teigtaschen versteckt.

In greifbarer Nähe und dennoch getarnt

Der Grund für das Rollenversteckspiel war klar: Offiziell sollte der Häkelüberzieher dafür sorgen, dass das Papier für den Fall der Fälle schön sauber bleibt. Aber in Wahrheit ging es wohl eher darum, ein schönfärberisch als Hygieneartikel bezeichnetes Produkt in greifbarer Nähe zu tarnen.

Umhäkelte Klorollen tauchten als ­Ersatzteile in heimischen Toiletten und Bädern auf – ein wunderschönes Paar hat Frau Brigitte Bonnet bei ihrer Mutter ausfindig gemacht und freundlicherweise für KNITZ abgelichtet.

Siegeszug auf der Hutablage

Aber ihren eigentlichen Siegeszug ­traten die umhäkelten Klorollen auf den Hutablagen von Automobilen an. Anfangs galt die Häkelrolle, ähnlich wie das Bild vom röhrenden Hirsch überm Sofa, als Ausdruck von Spießertum. ­Später wurden sie dann auch von Menschen verwendet, die behaupteten, das Rollenspiel sei ironisch gemeint.

Zuspruch vom Wackeldackel

So auch KNITZ, der auf der Hutablage eines Opel Commodore 2,5 S ein ganz spezielles Exemplar spazieren führte: In der Rolle steckte eine Tänzerinnenpuppe, so dass der Überzieher als Kleid fungierte. Der Zuspruch, den die flotte Mitfahrerin erhielt, war nicht zu übersehen: Neben dem Fräulein stand ein brauner Wackeldackel, dessen dauerhaftes Nicken bei der Fahrt durchaus als wohlwollend hätte interpretiert werden können.

KNITZ konnte nicht anders, er musste diese Geschichte erzählen. Schon deshalb, weil sich derzeit wohl kein Mensch trauen würde, eine Klorolle gut sichtbar im Auto liegen zu lassen.

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