Mehrere Fälle von schwerem sexuellen Missbrauch bei Remsecker Vereinen haben die Staatsanwaltschaft beschäftigt. Nun sind die Ermittlungen abgeschlossen. Foto: dpa

Die Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen einen 19-Jährigen erhoben, der sich in drei Remsecker Sporvereinen an Jungen vergangen haben soll. Der Ex-Fußballtrainer gibt die Vorwürfe zu – zum Teil.

Remseck - Der junge Mann mit kurzer Hose und hellem T-Shirt blickt etwas schüchtern in die Kamera, vor sich her kickt er einen Fußball. In wenigen Sätzen beschreibt er im Amtsblatt, dass er derzeit ein Freiwilliges Soziales Jahr bei Sportvereinen in Remseck und Pattonville absolviere und dabei auch in mehreren Remsecker Grundschulen arbeite. Mit jedem Kind, schreibt der junge Mann in dem Artikel, müsse man auf unterschiedliche Weise umgehen und es individuell fördern. „Schon nach kurzer Zeit konnte ich praktisch jedes Kind für mich liebgewinnen“, meint er.

Heute, fast genau ein Jahr nach dem Artikel im Amtsblatt, liegt ein dunkler Schatten über diesen Zeilen. Denn der 19-Jährige soll in seiner Funktion als Jugendtrainer bei drei Sportvereinen minderjährige Jungen sexuell missbraucht haben. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat in diesen Tagen ihre Ermittlungen abgeschlossen und Anklage beim Stuttgarter Landgericht erhoben. Laut Heiner Römhild, dem Sprecher der Behörde, gehe man von sieben Taten aus. Sechs davon sollen zwischen Dezember 2017 und Juli dieses Jahres passiert sein, eine bereits 2015. Fünf Kinder und Jugendliche seien Opfer des 19-Jährigen geworden, vier von ihnen trainierte er in den Sportvereinen. Dreimal soll es zu körperlichen Übergriffen gekommen sein.

Drei Mal soll es zu körperlichen Übergriffen gekommen sein

Die Jungen, so hat es die Staatsanwaltschaft in ihrer Anklage zusammengetragen, seien alle im Alter von etwa 14 Jahren. Vorgeworfen wird dem 19-Jährigen daher sexueller Missbrauch von Jugendlichen, schwerer sexueller Missbrauch von Jugendlichen und Missbrauch von Schutzbefohlenen, außerdem das Erwerben, Verbreiten und der Besitz von Kinderpornos. Einen Teil der Vorwürfe, sagt der Staatsanwalt Römhild, habe der Ex-Trainer zugegeben. Er sitzt seit Ende August in Untersuchungshaft. Einen Verhandlungstermin vor einer Jugendkammer des Landgerichts gibt es noch nicht.

Begonnen hatten die Ermittlungen, weil sich die Eltern eines 14-Jährigen Ende Juli bei der Polizei meldeten und erklärten, der 19-Jährige habe ihrem Sohn über Handynachrichten sexuelle Angebote gemacht. Während der Ermittlungen stellte sich heraus, dass solche Nachrichten auch an andere Schützlinge des Ex-Trainers gingen. Im Gegenzug seien den Jungen „Gegenleistungen und Vorteile“ in Aussicht gestellt worden, teilte die Polizei mit. Welche genau, darüber schwiegen die Beamten.

Sexuelle Angebote per Handynachricht verschickt

Vor der Verhaftung wurde die Wohnung des jungen Mannes durchsucht, die Polizei stellte dabei Datenträger sicher. Unter anderem soll der 19-Jährige einen 20-Jährigen bei sexuellen Handlungen gefilmt haben, ohne dass der davon wusste.

Der Vorstand der betroffenen Vereine ist auch Monate nachdem die Taten bekannt wurden schockiert. Man habe umgehend Kontakt zum Württembergischen Landessportbund aufgenommen, um sich beraten zu lassen, erklärt ein Vorsitzender. Per E-Mail und in persönlichen Gesprächen seien die Eltern informiert worden, „um Gerüchten entgegenzuwirken“. Vereinsaustritte in größerer Zahl habe es nicht gegeben.

Vereine: Kein Hinweis im polizeilichen Führungszeugnis

Auch auf den Internetseiten veröffentlichten die Klubs eine gemeinsame Stellungnahme zu den Vorfällen. „Es gab zuvor keinerlei Anzeichen, auch im polizeilichen Führungszeugnis war kein Eintrag vorhanden, und den Vereinen war nichts bekannt. Sonst hätten wir selbstverständlich früher reagiert. Stattdessen folgten wir nach Bekanntwerden sofort dem Rat der Polizei, den betroffenen Trainer umgehend von allen Aktivitäten zu entfernen und ihm Hausverbot zu erteilen, sodass bei uns keinerlei Gefahr mehr von ihm ausging“, heißt es darin. Und: Man bedauere die Vorkommnisse außerordentlich.

Als Konsequenz haben die Klubs einen Ehrenkodex verfasst, den alle Trainer und Betreuer unterschrieben haben. Zudem wollen sie von Trainern, die neu anfangen, das polizeiliche Führungszeugnis einholen.

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