Nicht nur die THW-Präsidentin hat sich am Dienstag ein Bild von der Lage in Rudersberg gemacht. Vor Ort waren auch die beiden Waldfeen Mya und Lea Schuler. Was es mit diesem ungewöhnlichen Besuch im Katastrophengebiet auf sich hat.
Überall Schlamm, an den Straßenrändern stehen zerstörte Habseligkeiten von Menschen – und mittendrin zwei junge Frauen in makellosen grünen Kleidern. Ein Tross von Besuchern und Medienvertretern hat am Dienstagnachmittag das vom Hochwasser schwer getroffene Rudersberg besucht. Mit dabei waren unter anderem die beiden Schwäbischen Waldfeen Mya und Lea Schuler.
Die beiden Zwillingsschwestern sind eigentlich Markenbotschafterinnen des Tourismusvereins, die auf Events für die Region werben sollen. Als solche machten sie in all der Verwüstung und Aufräumarbeiten zunächst einen deplatzierten Eindruck. Doch der Rems-Murr-Landrat Richard Sigel erklärte, was dahintersteckt: „Nach den immensen Schäden wird es vielerorts an Geld fehlen. Unser Ziel ist es, schnell und unbürokratisch zu helfen.“ Noch am selben Nachmittag solle eine Spendenhotline live gehen – und hier kamen die Waldfeen ins Spiel: Sie drehten ein Video, in dem sie zu Spenden aufrufen. „Das liegt ihnen besonders am Herzen, denn es hat hier ja auch ihren Heimatort Rudersberg getroffen“, so Sigel.
THW-Präsidentin Lackner hört Betroffenen zu
Der Hauptgast aus der Besuchergruppe war indes jemand anderes: Sabine Lackner, die Präsidenten des Technischen Hilfswerks (THW), hat sich ein Bild von der Lage im von der Flutkatastrophe schwer betroffenen Rudersberg gemacht. Lackner sprach mit Rettungskräften, Behördenvertretern und Betroffenen. „Ohne das Ehrenamt würden wir so etwas nie schaffen“, lobte sie mit Blick auf die funktionierende Zusammenarbeit der ehren- und hauptamtlichen Helfer. Sie fühle sich durch die Eindrücke sehr an die Katastrophe im Ahrtal im Sommer 2021 erinnert.
Der Einsatz des THW rufe aber auch in Erinnerung, dass Ausrüstung und Liegenschaften der einzelnen THW-Ortsvereine aktualisiert beziehungsweise ausgeweitet werden müssten. „Teils fehlte es an watfähigen Fahrzeugen – auch bei Pumpen und Aggregaten gilt: Mehr hilft mehr“, sagte Lackner.
Besonders im Gedächtnis bleiben wird ihr wohl auch das Gespräch mit dem 82 Jahre alten Werner Diggelmann. Sein Haus an der Mündung des Igelsbaches in die Wieslauf wurde bei der Sturmflut schwer beschädigt. „Meine Tochter musste nach draußen, die Ponys retten – sie war für eine Stunde vermisst, wir konnten sie nicht erreichen“, erzählte der rüstige Senior. „Wir leben seit 35 Jahren hier, aber so etwas haben wir noch nicht erlebt.“ Diggelmann hat jedoch auch viel Hilfsbereitschaft erfahren: „Leute, die ich noch nie gesehen habe, haben mich gefragt, was sie tun können", sagte er.
So können Freiwillige in Rudersberg helfen
So gehe es auch anderen, erklärte der Rudersberger Bürgermeister Raimon Ahrens: „Viele Menschen aus den Hanglagen helfen mit, Keller von Nachbarn freizuschaufeln.“ Während hauptamtliche Retter vor allem damit beschäftigt sind, Verkehrssicherheit und Infrastruktur zu wahren, sind Freiwillige an anderer Stelle gefragt: „Die Mengen an Schrott und Müll sind einfach unvorstellbar.“ Wer einen Schlepper oder Hänger besitze, sei aufgerufen, Unrat von den Straßen wegzuschaffen. Deponien im Landkreis nehmen diesen kostenfrei an, einige haben ihre Öffnungszeiten erweitert.