Einsatzkräfte, DRK, Bauhof und Nachbarn haben in der Hochwassernacht von Montag auf Dienstag in Waldenbuch gemeinsam das Schlimmste verhindert – verletzt wurde niemand, doch die Schäden sind immens.
Waldenbuch - Nach den schweren Überflutungen in der Altstadt und im Stadtteil Glashütte beginnt in Waldenbuch das große Aufräumen. Bei Bürgermeister Michael Lutz wirken die dramatischen Ereignisse noch nach. „Solche Bilder kannten wir bisher nur aus den Geschichtsbüchern“, sagte er bei einer ersten Schadensbilanz. Während des Hochwassers im Juli 1953 waren Kinder an der Zehntscheuer im Waschzuber Boot gefahren.
Theoretisch wäre das auch in der Nacht von Montag auf Dienstag möglich gewesen. Im Neuen Weg und in der Vorderen Seestraße stand das Wasser bis zu den Außenspiegeln der parkenden Autos. Keller und Tiefgaragen liefen voll. Das Erdgeschoss der Seniorenwohnanlage Sonnenhof wurde geflutet und die Bewohner mussten in Sicherheit gebracht werden.
Straßen verwandelten sich in kurzer Zeit in strömende Bäche
60 Waldenbucher Feuerwehrleute und sieben Wehren aus den Nachbarkommunen waren im Einsatz und verhinderten das Schlimmste. „Gott sei Dank wurden keine Personen verletzt“, stellte der Bürgermeister erleichtert fest. Das galt auch für das Gebiet Glashütte, wo sich die Fahrbahnen im Langen Trieb und in der Brunnenstraße wegen des anhaltenden Starkregens innerhalb kürzester Zeit in strömende Bäche verwandelt hatten. „Insgesamt gingen 38 Meldungen beim Notruf ein, die von der Feuerwehr und mit Unterstützung des DRK-Ortsvereins abgearbeitet wurden“, berichtete Bürgermeister Michael Lutz.
Nicht nur die Hilfsorganisationen und die Mitarbeiter des Bauhofs halfen dabei, die Schäden zu begrenzen. Auch viele Waldenbucher waren sofort zur Stelle und unterstützten ihre Nachbarn mit Eimern und Schaufeln bei der Beseitigung des Wassers und des zähen Schlamms. Helfer aus anderen Stadtteilen boten über Facebook ihre Dienste an. „Es hat sich gezeigt, dass die Stadtgemeinschaft in der Not zusammenhält“, lobte der Schultes das Engagement.
Die Seniorenwohnanlage Sonnenhof sei bis auf weiteres nicht mehr bewohnbar
Was die Schäden des Hochwassers betrifft, fällt die Bilanz ernüchternd aus. „Es wurden beachtliche Vermögenswerte zerstört“, berichtete Michael Lutz. Die Seniorenwohnanlage Sonnenhof sei bis auf weiteres nicht mehr bewohnbar. Die Küche, die Gemeinschaftsräume und die fünf Wohnungen im Erdgeschoss seien besonders stark betroffen. „Bis die Räume wieder nutzbar und bezugsbereit sind, wird es Monate dauern“, erklärte der Bürgermeister. Schneller soll es in den oberen Stockwerken gehen. Bevor der Aufzug und die technischen Anlagen nicht funktionieren, müssen aber auch deren Bewohner in Ausweichquartieren oder bei Verwandten wohnen.
Kleinere Schäden wurden im Pflegeheim Haus an der Aich festgestellt, und in der historischen Zehntscheuer zieht sich eine zehn Zentimeter dicke Schlammschicht über den Boden. Schlechte Nachrichten gibt es auch aus dem Stadtteil Glashütte. In der Brunnenstraße haben die Wassermassen Teile der Asphaltdecke weggespült. Eine Baufirma ist bereits mit der Reparatur der Fahrbahn beauftragt worden. Der Gemeinderat hat dafür in seiner Sitzung am Dienstagabend eine außerplanmäßige Ausgabe von 200 000 Euro genehmigt. Von diesem Geld sollen auch die Kosten für die Einsatzkräfte bestritten werden.
Praktische Hilfen gibt es für jene Bürgerinnen und Bürger, die durch das Hochwasser im privaten Bereich betroffen sind. Beschädigte Möbel oder Gegenstände können auf dem von der Stadt angemieteten Haka-Parkplatz an der Bahnhofstraße abgeliefert werden. Am Samstag wird dort mit Unterstützung des Landkreises ein Presscontainer aufgestellt, in dem das ramponierte Interieur in einer konzertierten Aktion entsorgt wird. Auch in der Glashütte ist als Sofortmaßnahme an der Brunnenstraße bereits ein Sammelcontainer aufgestellt worden.