Der Flughafen Stuttgart rüstet für die Zukunft auf. Foto: dpa

Die Vorbereitungen für einen Terminalneubau und neue Parkhäuser kommen am Flughafen immer mehr in Schwung. Doch die Umsetzung dauert noch.

Stuttgart - Die Landesmesse und vor allem die Stuttgarter Flughafengesellschaft haben in aller Stille Weichen gestellt für teure Bauprojekte. Für das Ausstellungsgelände sollen 1600 Parkplätze entstehen, für den Airport 2500. Der Flughafen-Aufsichtsrat gab jetzt grünes Licht, die Planungen voranzutreiben, ebenso die Vorbereitungen für den über 300 Millionen Euro teuren Neubau von Terminal 4.

Im Oktober will das Gremium dem Terminalprojekt eine zweite Sondersitzung widmen. Dann wolle man Aspekte wie Zuschnitt, Ausgestaltung und Größe des geplanten Baukörpers in einen Text für die Auslobung des geplanten Architektenwettbewerbs packen, sagte Walter Schoefer, Sprecher der Geschäftsführung. Das Fluggastgebäude T4-neu soll bis 2025 auf der Fläche des bisherigen Behelfsterminals T4 entstehen – und auf einem Grundstück, über das bisher ein Verbindungssteg zwischen T3 und T4-alt verläuft. Der Neubau wird nämlich nicht nur repräsentativer und funktionaler, sondern auch größer. Zweifel, dass so viel Kapazität nötig ist, hat Schoefer nicht: Weil die Airlines größere Flugzeuge einführten, seien heutzutage in Spitzenzeiten doppelt so viele Reisende am Flughafen wie damals, als die Terminals 1 bis 3 entstanden. Auch Sicherheitskontrollen erforderten mehr Platz. Schoefer: „Wir dürfen uns daher nicht mehr an den Durschnittswerten den Tag über messen.“ Sprich: Man müsse anders planen.

2500 neue Stellplätze in Planung

Bei den Parkplatzplänen setzt er, anders als vor zwei Jahren, nicht mehr bevorzugt auf ein neues Parkhaus über dem Landschaftsgraben mit den S-Bahn-Gleisen. Neuerdings möchte man auf dem ebenerdigen Parkplatz P0 ein Parkhaus bauen und das bestehende Parkhaus P2 verlängern und möglicherweise aufstocken. Der Platz dafür ist zwar knapp, könnte aber durch die Verlegung der Straße zwischen P0 und P2 etwas vergrößert werden, heißt es.

„In unseren Gesprächen mit der Stadt Leinfelden-Echterdingen sind wir mit den Untersuchungen für P2 und P0 vorangekommen“, sagte Flughafenchef Schoefer, „beide Standorte haben auch den Vorteil, dass sie relativ schnell umsetzbar sind.“ Schoefer würde im westlichen Flughafengelände gern bis zum Jahr 2021 rund 1500 Stellplätze schaffen. Weitere 1000 Stellplätze sollen bis etwa 2025 folgen. Perspektivisch stehen stehen auch die Parkplätze P9 und P12 für Bauvorhaben zur Verfügung, das Parkhaus P11 für eine Aufstockung. In diesen Bereichen wird aber erst der Bau des Flughafenbahnhofs, der Flughafenkurve der künftigen Fern- und Regionalbahnstrecke und des Parallelgleises zur S-Bahn-Station Spuren hinterlassen.

Würde man sich nur nach der Prognose richten, dass der Flughafen im Jahr 2030 14,5 Millionen statt momentan rund elf Millionen Passagiere haben könnte, müssten zu den gegenwärtig 10 500 Stellplätzen des Flughafens weitere 5000 kommen, sagte Schoefer. Diese Zahl habe man aber reduziert, weil der Anteil der Nutzer von öffentlichen Verkehrsmitteln von 23 auf 43 Prozent erhöht werden soll: durch Verlängerung der Stadtbahnlinie U6 zur Messepiazza und die künftige Einbindung in den Bahnknoten Stuttgart. In den 2500 Stellplätzen sind 378 enthalten, die der Bahn für die Bauphase und den Betrieb der S-21-Anlagen zugesagt sind.

Pläne sind immer auch ein Politikum

Die Kosten für die Parkhäuser sind noch vage. Pro Stellplatz rechnet man rund 25 000 Euro, also insgesamt mit gut 62 Millionen Euro im Fall des Flughafens, mit 40 Millionen im Fall der Messe. Bei der Projektgesellschaft Neue Messe, die das Messe-Areal baulich betreut, sind die Überlegungen für den Ausbau von jetzt 8200 auf 9800 Parkplätze ebenfalls längst angelaufen. Dem Vernehmen nach möchte sie das frühere Projekt des Flughafens im Bereich S-Bahn-Gleise übernehmen. Zudem peilt sie ein Rundparkhaus jenseits der Autobahn und nah beim Bosch-Parkhaus an. 800 Stellplätze sollen die Verluste für den Bau der im Januar eröffneten Paul-Horn-Halle wett machen. 800 Stellplätze sind der höheren Hallen- und Besucherkapazität geschuldet. Die Realisierung könne etwa vier Jahre dauern, heißt es. Ihre Anbindung an die L 1192 möchte die Messe neu organisieren.

Solche Pläne sind immer ein Politikum. Grund: In Echterdingen wehrt man sich gegen Autos, die mangels Parkplatzangebot von Airport und Messe in die Wohngebiete und das Parkhaus am S-Bahnhof Echterdingen drängen. Andererseits werden aber auch der Flächenverbrauch und die städtebauliche Wirkung von Neubauten nebenan kritisch beäugt. Die Notwendigkeit zusätzlicher Parkplätze für den Flughafen war mit Verweis auf ein Ingenieursgutachten erst im Juni in Zweifel gezogen worden.

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