Weggeworfener Karton: Was macht das mit dem Behältnis? Foto: KNITZ

Warum für unseren Kolumnisten KNITZ das Wegwerfen von Müll kein Kavaliersdelikt, sondern eine echte Sauerei ist.

Er lag am Rande eines Rad- und Fußwegs. Keine Ahnung, wie er da hingekommen war. Hatte ihn der Fahrtwind von einem Anhänger geweht? Oder wurde er absichtlich weggeworfen? Auf jeden Fall war er leer. Irgendwie tat KNITZ der einsame Karton leid.

 

Angenommen, er wurde bewusst ausgesetzt, dann stellt sich für KNITZ in all seiner Einfühlsamkeit die Frage: Haben sich die Menschen nicht überlegt, was sie dem Behältnis damit antun? Was in dem Karton vor sich geht? Oder, um’s im modischen Journalisten-Slang zu sagen: Was das mit einem Karton macht? Entleert, also seiner Funktion beraubt, ausgesetzt zu werden.

Dem Aufdruck war zu entnehmen, dass der Karton mal als Verpackung für eine Heißluftfritteuse gedacht war. KNITZ weiß nicht, was man mit einer Heißluftfritteuse anfangen soll. In seiner Küche hätte es auch keinen Platz dafür. Das erste Mal, dass er auf so einen Apparat stieß, war an der Kasse eines Elektroniksupermarkts, als er im Begriff war, eine Mehrfachsteckdose zu kaufen.

Hinter ihm stand ein Mann mit einem stattlichen Karton. Ein flüchtiger Blick, dann sagte KNITZ zu dem Mann: „Hat der alte Drucker nicht mehr wollen.“ Nein, erklärte der Mann, das sei eine Heißluftfritteuse. Die Geräte seien der letzte Schrei. Oder, wie man heutzutage sagt: ein heißer Scheiß.

Wäre KNITZ mit seiner Mehrfachsteckdose nicht an der Reihe gewesen, der Mann hätte ihm sicher erklärt, worin der Vorteil dieses Geräts besteht.

In der Stadt von KNITZ rief der damalige Oberbürgermeister vor Jahrzehnten unter dem Titel „Let’s putz“ eine Sauberkeitskampagne ins Leben. Es geht darum, dass die Bürgerinnen und Bürger in ihrer Stadt Müll einsammeln und sie grundsätzlich sauber halten sollen. KNITZ erinnert sich daran, dass der OB für die Initiative, die noch immer läuft, Häme einstecken musste, auch von KNITZ. Die Aktion erschien manchen mitsamt dem denglischen Slogan als Inbegriff von schwäbischem Spießertum.

Heute sieht KNITZ die Sache anders, was auch an Markus Töpfer liegt, Stuttgarts oberstem Müllmann, einem gebürtigen Hessen. Der hat ihm mal erklärt, dass eine saubere Gegend nichts mit oberflächlicher Kosmetik zu tun habe. Es sei bekannt, dass dort, wo Müll herumliege, es Leuten leichter falle, ihren Dreck ebenfalls abzuladen. Zudem trage ein sauberes Viertel zum Wohl- und Sicherheitsgefühl der Menschen bei.

Als geläuterter Let’s-putz-Fan, Mülltrenner und Kehrwöchner ist sich KNITZ nicht zu schade, Menschen, die ihre Wegwerfmentalität zur Schau stellen, zur Ordnung zu rufen. Vor einiger Zeit tat er das in einer Stadtbahn, bei zwei jungen Burschen, die meinten, mit Holzstücken, wie sie zu Eis am Stiel gehören, um sich werfen zu müssen.

KNITZ erklärte den Burschen, dass sie vor Verlassen der Stadtbahn die Hölzchen bitte wieder einsammeln mögen. Vermutlich haben sie es nicht getan. Aber sie konnten die Bahn auch nicht wie geplant verlassen. Denn ein gewisser K. bestand darauf, breitbeinig am Ausgang stehend, dass ihr Job noch nicht erledigt sei. Dann stieg er aus.

Kopf und Kragen hat KNITZ dabei nicht riskiert. Er hat sich die Bürschlein genau angeschaut, bevor es im Karton gerappelt hat. Natürlich völlig gewaltfrei.