Udo Kier in „Iron Sky“ als Führer Kortzfleisch Foto: Verleih

Udo Kier über die Nazi- und USA-Satire „Iron Sky“ und den längsten Nachspann aller Zeiten.

Berlin - Er hat mit Fassbinder gedreht, mit Andy Warhol, mit Gus van Sant oder Lars von Trier. Udo Kier, 67, schreckt aber auch nicht vor Trash zurück. In der Satire „Iron Sky“ spielt er einen Naziführer, der auf der dunklen Seite des Mondes eine Invasion vorbereitet.


Herr Kier, sind Sie eigentlich stolz auf das Etikett „König des Trash“?
Wenn man mir für mein Lebenswerk den Preis „Euro Trash“ verleiht, nehme ich den natürlich dankend mit. Preis ist Preis, egal ob das eine Filmrolle ist, aus der Blut fließt, oder eine Johnny-Walker-Flasche. Solange sich die Leute mit einem beschäftigen, ist doch völlig gleichgültig, wie sie einen nennen. Es wäre doch furchtbar, wenn sie dich gar nichts mehr nennen!

Wissen Sie, wie viele Filme Sie gedreht haben?
Genau weiß ich das nicht. Als Schauspieler zählt man nur die ersten 20 Filme. Wenn man es geschafft hat, danach noch immer im Filmgeschäft zu sein, dann zählt man nicht mehr weiter. So viel ist das ja gar nicht. Fassbinder ist mit 36 Jahren gestorben und hat 42 Filme gemacht. In meinem Alter hätte Fassbinder mich mit Sicherheit übertroffen.

In dem Film „Iron Sky“ spielen Sie den Führer Kortzfleisch, der die Nazis auf dem Mond befehligt. Werden Nazis nicht verharmlost, wenn man sie als läppische Trottel auftreten lässt?
Wäre im Film das ernste Thema Holocaust vorgekommen, hätte ich mir sehr überlegt, ob ich dabei mitspiele. Aber es geht hier ja nur um Komödie, Satire und Klischees – bis hin zur Persiflage auf die US-Präsidentin und ihren „Yes We Can“-Werbespruch.

Als Hitler-Darsteller haben Sie schon einige Erfahrungen – lohnt das Führer-Abo?
Hitler habe ich immer nur in Komödien gespielt, wie etwa für Rob Zombie und Quentin Tarantino. Auch diesmal ist es nicht anders, diese Nazis spielen ja nur die Macht: Ich bin dabei der Führer auf dem Mond, der nicht mit protzigem Mercedes vorfährt, sondern mit einem alten, schwarzen VW-Käfer mit kleinem Fähnchen.

Weshalb raschelt der Führer, den Sie spielen, ständig mit Bonbon-Papier?
Meine Idee war, dass ich ständig Schokolade esse. Ich überlege mir zu jeder ­Figur immer eine Parallelgeschichte. In diesem Fall hatte ich eine gut aussehende Mutter, die es dank Wernher von Braun auf den Mond verschlug. Als sie dort mit mir schwanger war, haben sie alle angebetet und brachten Schokolade vorbei. Jene Szene, wo ich die kleinen Schokostücke in meinem Tresor horte, hat es leider nicht in den Film geschafft.
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