Wolfgang Strobel, Markus Gaugisch und Axel Kromer waren erfolgreiche Handballer. Manche ihrer Söhne haben ihre Papas in Sachen Titel inzwischen überholt. Woran liegt das?
Mika Baur, der Sohn von Handball-Weltmeister Markus Baur, mischt als Stammspieler des SC Paderborn gerade mit seinem Club die Zweite Fußball-Bundesliga auf. Sein prominenter Vater kann mit dem bisherigen Karriereverlauf des 21-Jährigen sehr zufrieden sein. Auf die Karte Fußball zu setzen hat zumindest zwei Vorteile: Es gibt ein paar Euro mehr zu verdienen, und im Fall Baur wird der Filius nicht mit dem hochbegabten Papa verglichen, denn der war ein Weltklasse-Handballer, aber eben nur ein, wenn auch versierter, Hobby-Fußballer.
Söhne überholen Väter
Im Fall der Familien Strobel, Gaugisch und Kromer sieht das Ganze anders aus. Die Herren Wolfgang Strobel, Markus Gaugisch und Axel Kromer hatten zwar nicht die ganz großen handballerischen Erfolge wie Markus Baur. Doch zu Bundesligaspielern hat es allemal gereicht. Zudem ist Gaugisch Frauen-Bundestrainer, Kromer war Sport-Vorstand des Deutschen Handball-Bundes (DHB) und fungiert aktuell als Geschäftsführer des HBW Balingen-Weilstetten. In Sachen internationale Titel haben nun die Söhne von Strobel und Gaugisch ihre Papas überholt.
Bennett Strobel feierte im August 2025 in Ägypten als Kapitän der deutschen U-19-Nationalmannschaft den Gewinn der Weltmeisterschaft, sein jüngerer Bruder Lenn krönte sich erst vor Kurzem, am 1. November in Marokko, durch ein 44:43 n. V. gegen Ägypten zum U-17-Champion bei der in dieser Altersklasse erstmals ausgespielten WM. Lenn Strobel und Kalle Gaugisch warfen im Finale – vor den Augen ihrer Eltern auf der Tribüne – je sieben Tore, mit Fritz Henselek zählte ein dritter Spieler des HBW Balingen-Weilstetten zum deutschen Team.
Und auch wenn diese U-17-WM den Charakter eines Einladungsturniers hatte (mit Deutschland und Spanien nahmen nur zwei Nationalteams aus Europa teil, gespielt wurde mit dem kleineren Molten-Ball der Größe zwei ohne Harz) – Titel bleibt Titel. „Die Jungs haben Geschichte geschrieben, knapp 20 Jahre nach dem Gewinn der U-20-Europameisterschaft in Österreich mit ebenfalls drei Balinger Spielern“, freute sich Wolfgang Strobel. Damals gehörten sein Bruder Martin, Jürgen Müller und Robin Haller zum Team von Junioren-Bundestrainer Martin Heuberger.
HBW stolz auf seine Spieler
„Wir als Verein sind natürlich sehr stolz auf diesen Erfolg unserer Spieler“, freut sich HBW-Geschäftsführer Axel Kromer. Seine beiden Söhne spielen ebenfalls in Balingen: Janis (17) nahm auch schon an DHB-Stützpunkteinheiten teil, Julian (15) kommt in der Baden-Württemberg-Auswahl zum Einsatz. Gemeinsam mit Markus Gaugisch hat er seine beiden Jungs, Fritz Henselek und Kalle Gaugisch ab der E-Jugend fünf Jahre lang in Mössingen trainiert, schon zu Beginn dreimal pro Woche.
„Die Erfolge unserer Söhne sind das Ergebnis von viel Fleiß, Zusatzeinheiten in den Bereichen Lauf- und Krafttraining. Das Grundmindset muss stimmen. Nur mit Talent und zweimal Training pro Woche schaffst du es nicht in die Bundesliga“, betont der aktuelle Frauen-Bundestrainer. Auch für Kromer steht fest, dass es ohne Verzicht und Disziplin nicht geht: „Diese Leistungssportmentalität haben wir als Eltern vorgelebt.“ Kein Nachteil ist natürlich auch das gute Netzwerk der (Ex-)Profis, das dem Nachwuchs zum Beispiel auch in medizinischen Fragen helfen kann. Und natürlich spielen die Gene eine Rolle – auch die Frauen von Markus Gaugisch und Wolfgang Strobel, Silke und Julia, spielten höherklassig Handball.
Ob der große Name denn auch Nachteile hat? „Den Namen haben sie nun mal, unsere Kinder wachsen damit auf, und Neider, die sagen, der ist nur dabei, weil . . . – die gibt es in jeder Sportart“, sagt Gaugisch, dessen Tochter Ida in der Regionalliga bei der HSG Stuttgart/Metzingen spielt. Wolfgang Strobel sieht das genauso: „Die Jungs lernen von Kindesbeinen an, damit umzugehen.“
Wobei sich Vergleiche zu seinem älteren Sohn Bennet anbieten, da der als abwehrorientierter Kreisläufer auf der gleichen Position spielt wie früher der Vater. „Ich war nie so schnell und konnte nie so hoch springen. Von daher hat sich das mit dem Vergleichen schnell erledigt“, sagt Wolfgang Strobel mit einem Augenzwinkern.
Die Promi-Papas sehen die Sache gelassen. Sich einzumischen in sportliche Belange – das ist nicht ihr Ding. „Wir sind keine Tennis-Muttis, die sich über die Erfolge ihres Nachwuchses definieren“, betont Kromer. Vielmehr ist auf der Tribüne Fachsimpeln angesagt. Sollte die ausgeprägte Handball-Kompetenz bei einem anderen Elternteil oder bei einem Trainer mal gefragt sein, dann gibt es gerne mal eine Einschätzung oder ein Feedback.
Das wird bestimmt auch für die nächste Generation bekannter Balinger Handball-Papas gelten, deren Kids schon munter fangen, prellen und werfen. Ferdinand, der Sohn von HBW-Chefcoach Matti Flohr, spielt in der von Bennet Strobel trainierten D-Jugend und zeigt in der Bezirksauswahl sein Können. Per, der Filius von 2016-Europameister Martin Strobel, jagt in der Balinger E-Jugend dem Ball nach. Und Lasse, das vierjährige Söhnchen des zweiten HBW-Geschäftsführers Felix König, zeigt bei den Handballzwergen sein Talent.
Es wäre keine Sensation, wenn auch diese Nachwuchs-Gallier irgendwann einmal den Handball-Thron erobern würden.