Beim Stadtbahn-Bau gab es in der Stuttgarter City schon mal tiefe Gräben wie hier auf dem Schlossplatz. Klicken Sie sich durch unsere Bildergalerie. Foto: Kraufmann

Vor 25 Jahren fuhr die erste Stadtbahn - Streckennetz auf 123 Kilometer ausgebaut.

Stuttgart - Es war eine sanfte Revolution, dafür wirkt sie noch immer nach: Vor 25 Jahren, am 28. September 1985, feierte die erste Stadtbahn auf der Linie 3 von Vaihingen über Möhringen nach Plieningen ihre Jungfernfahrt. Auch in diesem Jahr wird das Streckennetz weiter ausgebaut.

Die Stimmung, so berichtete es der Autor der Stuttgarter Nachrichten, war fast wie auf dem parallel stattfindenden Volksfest. Dicht an dicht drängten sich die Bürger auf dem Bahnsteig am Vaihinger Bahnhof. Trommler marschierten auf, dazu Karawanen von Schulkindern, Väter versuchten, für ihre Söhne ein Foto vom neuen Zug zu erhaschen, der zum ersten Mal ganz offiziell mit Fahrgästen die acht Kilometer lange Strecke zurücklegte. "Wenn die vielen Leut' auch weiterhin so viel Interesse an der Bahn zeigen, gehört dem öffentlichen Nahverkehr die Zukunft", frohlockten die Vertreter von Verkehrsverbund und Stuttgarter Straßenbahnen (SSB).

Anders als der Termin vermuten lässt, erfolgte der Übergang von der Straßen- zur Stadtbahn aber eher allmählich als abrupt. Bereits Anfang der 60er Jahre entschied der Gemeinderat, die Straßenbahn in der Innenstadt unter die Erde zu legen. 1966 wurde die erste Haltestelle am Charlottenplatz eröffnet. Der Tunnel zwischen Neckartor und Marienplatz wurde 1972 fertiggestellt. Obwohl die Straßenbahnen damals auf der schmalen Spur unterwegs waren, bauten die Ingenieure der Stadt die Tunnel bereits so, dass auch Fahrzeuge auf der Normalspur darin Platz hatten. Die Vision: eine U-Bahn, wie sie zu dieser Zeit auch München und Nürnberg planten.

Die reine Untergrundbahn erwies sich jedoch schnell als zu teuer. Deshalb sattelten die Planer im Jahr 1976 endgültig um auf das Konzept der Stadtbahn. "Sie fährt unterirdisch, wo es besonders angebracht ist, und oberirdisch, wo es der Platz zulässt oder es nicht anders geht", erklärt Hans-Joachim Knupfer von den SSB die Idee. Damit sei ein rasches Durchkommen unter den Knotenpunkten der Stadt gewährleistet, während das Verkehrsmittel andererseits gut zugänglich bleibe und das Straßenbild belebe. Das U, das trotzdem die Haltestellen der Stadtbahn ziert, steht daher in Stuttgart nicht für Untergrundbahn, sondern für unabhängig, weil der Betrieb vom Straßenverkehr getrennt ist.

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