Michael Feichtenbeiner aus Stuttgart ist Trainer der U-17-Nationalmannschaft. Foto: Baumann

Der U-17-Nationaltrainer Michael Feichtenbeiner aus Stuttgart sieht Verbesserungspotenzial in der Ausbildung deutscher Nachwuchsfußballer. Er würde teilweise den Abstieg abschaffen – und in den untersten Jahrgängen sogar noch weiter gehen.

La Manga - Der U-17-Nationaltrainer Michael Feichtenbeiner sieht einige Leitlinien in der Ausbildung von Nachwuchsfußballern in Deutschland kritisch. „Die Persönlichkeiten, die wir immer gerne haben wollen, werden alle in ein System gepresst“, sagt der 58-Jährige aus Stuttgart im Interview mit unserer Redaktion. „Die Akademien waren vor 19 Jahren, als sie entstanden sind, ein Riesensprung gegenüber den früheren Nachwuchsabteilungen. Aber wir müssen aufpassen, dass wir auch noch Persönlichkeiten entwickeln. Schlagwort Straßenfußballer.“

Warum die Franzosen zurzeit so viele Topspieler herausbringen

Straßenfußballer fehlen seiner Meinung nach in Deutschland, was einen Nachteil beispielsweise gegenüber anderen Ländern ist – etwa den Franzosen, die zurzeit einen Topspieler nach dem anderen herausbringen. „Sie haben oft eine brutale Athletik und sind Straßenfußballer, die wissen, dass sie durch den Fußball sozial aufsteigen können. Da ist die Motivation ungleich höher, als wenn einer bei uns in der U15 schon beim VfB oder FC Bayern spielt und vieles im Alltag abgenommen bekommt“, sagt Michael Feichtenbeiner. „Wenn wir gegen solche Mannschaften spielen, sind wir vergleichsweise zu vorsichtig und brav.“

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Lösungsansätze hat er auch parat. „Warum gibt es in der U15 Abstiegskampf? Das ist nicht im Sinne der Ausbildung“, sagt der U-17-Nationaltrainer. „Eine Idee ist es, in den unteren Jahrgängen den Abstieg abzuschaffen und noch weiter unten die Ergebnisse, das würde den Trainern helfen.“ Letzteres wird beispielsweise in Belgien praktiziert

Was den Sprung ins Profilager schwierig macht

Von den mehr als 100 000 Fußballern des Jahrgangs 2002 haben seine Nationalspieler die besten Voraussetzungen, schon bald den Sprung ins Profigeschäft zu schaffen. Dennoch gelingt dies letztlich nur einem Teil von ihnen, weil sie beispielsweise mit fehlender Spielzeit beim Übergang aus der Jugend nicht zurechtkommen. „Irgendwann ist vielleicht der Trainer schuld, der Berater sitzt beim Manager und dann wird er ausgeliehen. Sich gegen Widerstände durchzubeißen, ist schwierig“, sagt Michael Feichtenbeiner. „Es gibt eine Youth Champions League mittlerweile, viele Länderspiele und Europameisterschaften bei uns. Dann zu akzeptieren, in Fürth oder Sandhausen zu spielen, wenn einer vorher gegen Brasilien oder Italien gespielt hat, dafür muss man im Kopf vorbereitet sein und seine eigene Leistungsstärke und Entwicklung realistisch einschätzen.“

Das gesamte Interview mit Michael Feichtenbeiner erscheint am Montagmorgen um 6 Uhr auf unserem Portal.

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