Typisierung in Stuttgart-Degerloch Auch Miss Germany Anahita Rehbein kämpft um Larissas Leben

Von Alessa Becker 

Im Gazi-Stadion auf der Waldau haben am Sonntag etwa 2500 Menschen an einer Typisierungsaktion teilgenommen, um der achtjährigen Larissa aus Stuttgart-Vaihingen bei der Suche nach ihrem genetischen Zwilling zu helfen. Ihr Vater ist überwältigt von der Hilfsbereitschaft.

Degerloch/Vaihingen - Steffen Müller hat die Geschichte mittlerweile schon oft erzählt, Verwandte, Freunde und Kollegen, alle wissen Bescheid. Seine älteste Tochter ist schwer krank. Anfang des Jahres wurde bei ihr MDS diagnostiziert, das myelodysplastische Syndrom. Durch eine Erkrankung ihres Knochenmarks werden zu wenig funktionstüchtige Blutzellen gebildet.

Die Achtjährige wurde immer blasser, bekam blaue und unerklärliche rote Flecken auf der Haut. „Wie rote Sommersprossen“, erinnert sich Müller, Vater von drei Mädchen. Der Kinderarzt diagnostizierte dann die tödliche Krankheit. „Seither ist unser Familienleben komplett auf den Kopf gestellt.“ Nur eine Stammzellenspende kann Larissa jetzt retten. Jede Woche bekommt sie eine Bluttransfusion, die sie bis dahin am Leben halten soll. Zur Schule gehen darf sie nicht mehr, dafür ist ihr Immunsystem zu schwach. Eine Lehrerin kommt regelmäßig ins Haus und gibt ihr Schulaufgaben. Manchmal dürfen Freundinnen zu Besuch kommen, aber nur, wenn sie nicht erkältet sind. Unter Hochdruck helfen Steffen Müller und seine Frau Silke derweil der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) auf der Suche nach Larissas genetischem Zwilling. Sie bringen die Aktion „#saveLarissa“ ins Rollen und machen ihre Geschichte öffentlich.

Viele Prominente unterstützen den Aufruf

Auf dem Blog seines Arbeitgebers Daimler hat Steffen Müller einen Aufruf gestarten, in dem er jeden zwischen 17 und 55 Jahren bittet, sich typisieren zu lassen. „Es geht um das Überleben meiner Tochter“, schreibt er. Etwa 40 000 Menschen haben den Blogeintrag seither gelesen. Als ehrenamtlicher Fanbetreuer bei den Kickers ist Müller bekannt in der Fußballwelt. Jürgen Klinsmann begleitet seine Aktion als Schirmherr und stößt auf großes Echo. Der VfB, die Stuttgart Scorpions, das DFB-Team, Mario Gomez, Sami Khedira, der Sportmoderator Ulli Potofski und Robin Dutt, der Trainer des VfL Bochum, teilen den Aufruf oder nehmen selbst Videos auf. Auch die Regionalliga Südwest, der Württembergische Fußballverband und der TSV Steinhaldenfeld unterstützen die Familie.

Das gesamte Kickers-Team rückte an

Das gesamte Kickers-Team rückte am Sonntag zur Typisierung an. Weitere Fußballmannschaften kamen geschlossen und Anahita Rehbein, die frisch gekürte Miss Germany, war auch dabei. Ein Abstrich der Wangenschleimhaut und eine Einverständniserklärung – mehr ist nicht nötig, um sich bei der DKMS als Stammzellenspender registrieren zu lassen. Von 11 bis 16 Uhr waren etwa 110 freiwillige Helfer im Einsatz, um etwa 2500 Menschen zu empfangen, die Larissa helfen möchten. „Vor allem junge Familien fühlen sich uns verbunden“, sagt Steffen Müller, der überwältigt ist von der Hilfsbereitschaft der Stuttgarter. Er habe in den letzten Monaten sehr viel Verständnis und Rückendeckung erlebt. „Ich bin seit 22 Jahren als Stammzellenspender registriert, hätte aber nie gedacht, dass mich das Thema mal so direkt betreffen wird“, sagt er.

Yvonne Renz, Aktionsbetreuerin der DKMS, ist begeistert von der Solidarität. „Einem unbekannten Menschen durch eine Stammzellenspende zu helfen, ist eine starke Leistung“, sagt sie.

Für Larissa besteht Hoffnung. Etwa 85 Prozent der Erkrankten finden ihren genetischen Zwilling. Wer die Aktion am Sonntag verpasst hat, kann sich auch online ein Typisierungspaket nach Hause bestellen unter www.DKMS.de oder mit einer Geldspende helfen. Empfänger: DKMS,IBAN: DE 88 6415 0020 0002 3337 37, BIC: SOLADES1TUB,Stichwort: Larissa

Redaktion Degerloch

Ansprechpartner
Ralf Recklies
degerloch@stz.zgs.de

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