Typisierungsaktion für Eva Auch Prominente spenden ihr Blut

Von Elke Rutschmann 

Der Moderator Jochen Bendel geht mit gutem Beispiel voran und lässt sich im Mercedes-Benz-Museum in Stuttgart Blut abzapfen.  Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Der Moderator Jochen Bendel geht mit gutem Beispiel voran und lässt sich im Mercedes-Benz-Museum in Stuttgart Blut abzapfen. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Die junge Mutter Eva Fidler hat Blutkrebs und benötigt dringend eine Stammzellenspende. Im Stuttgarter Mercedes-Benz-Museum haben sich am Sonntag 3401 Menschen bei der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) registrieren lassen.

Stuttgart - David Fidler ist überwältigt. Die Massen strömen am Sonntag kurz nach 11 Uhr ins Mercedes-Benz-Museum. In der ersten Stunde geben schon 300 Menschen ihre Blutprobe für die dringend benötigte Stammzellenspende für seine an Blutkrebs erkrankte Frau Eva ab. „Wahnsinn. Es sind auch Bekannte hier, die habe ich zuletzt als Kind gesehen“, sagt Fidler.

Die Schlange am Eingang reißt nicht ab. Hier steht eine bunte Box, in die man Briefe für Eva einwerfen kann. Kerstin und Stefan Keifer aus Stuttgart-Vaihingen stehen mit ihren beiden Mädchen an. „Wir haben auch schon unser Nabelschnurblut gespendet, und es geht einem sehr nahe, weil man will, dass die Mutter ihr Kind auch aufwachsen sieht“, sagt Kerstin Keifer. Begrüßt wird sie von Radio- und Fernsehmoderator Jochen Bendel, selbst Botschafter bei der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS), der ihren Töchtern rote Ballons in die Hand drückt. „Ich bin mit der Familie befreundet, wir haben schon Weihnachten zusammen gefeiert, und in der Not hilft man sich“, sagt Bendel.

Am Dienstag haben sich auf der Geschäftsstelle des VfB Stuttgart 80 Spieler und Mitarbeiter typisieren lassen, beim 3:1 gegen Eintracht Frankfurt kamen 500 Fans aus der Cannstatter Kurve hinzu. Unter den Spendern im Mercedes-Benz-Museum ist auch Handball-Nationalspieler Michael Kraus vom Bundesligisten Frisch Auf Göppingen. „Wir haben selbst ein Baby in dem Alter, und da berührt einen das Thema besonders“, sagt Kraus, der auf seiner Facebook-Seite zum Spenden aufgerufen hat.

"Dafür überwindet man die eigene Trägheit"

Aus Bad Boll (Kreis Göppingen) sind Ulrike und Wolfgang Betz angereist, die in der Schule ihrer Tochter vom Aufruf erfahren haben. „Dafür überwindet man dann auch die eigene Trägheit“, sagt Wolfgang Betz. Es dauert etwa 15 Minuten, bis man die Anmeldung und die Abgabe der Probe hinter sich gebracht hat. Es sind nur 0,5 Milliliter Blut, die abgezapft werden, aber ein junger Mann ist umgekippt und liegt bleich auf einer Bahre. „Es kommt vor, dass der Blutdruck abfällt, besonders betroffen sind junge Männer“, sagt Arzt Hans Roth. Nach einer Stunde geht es dem Spender wieder besser.

Sabrina Krüger, die das Projekt für die DKMS betreut, hat es selten erlebt, dass sich die Angehörigen mit derart viel Leidenschaft, Herzblut und kreativen Ideen einsetzen. „Eva macht auch anderen Betroffenen Mut. Das macht alles so besonders “, sagt Krüger. Weil sie mit diesem Ansturm gerechnet hat, wurde die Aktion um eine Stunde verlängert. Letztlich ließen sich bis 16 Uhr 3401 Menschen testen, und auch die Online-Anmeldungen bei der DKMS sind in den vergangenen zwei Wochen im Raum Stuttgart gestiegen.

Alle Beteiligten wissen, dass die Wahrscheinlichkeit, den genetischen Zwilling zu finden, eher gering ist. Entscheidend ist die Übereinstimmung von zehn, mindestens aber acht Merkmalen zwischen Spender und Empfänger. „Jetzt können wir nur hoffen“, sagt David Fidler. Am Mittwoch hat er mit Töchterchen Emilia zu Hause in Bad Cannstatt den 25. Geburtstag von Eva gefeiert. Ein paar schöne Stunden, ehe es für die junge Frau zur nächsten Chemotherapie ins Katharinenhospital ging. Dahin wird sich David Fidler jetzt auch auf den Weg machen, um seiner Frau Gulasch und selbst gemachte Spätzle von der Oma vorbeizubringen.

Evas Schwester Anna Schmid steht regelmäßig in telefonischem Kontakt mit der Schwerkranken. „Das Ganze hier baut sie unheimlich auf, und sie ist wahnsinnig froh über die Unterstützung“, sagt Schmid.

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