Typ 430 rollt ab Dezember wieder S-Bahnen fahren nach Pannen wieder

Von Konstantin Schwarz 

Der Hersteller Bombardier und die DB Regio AG unternehmen vom 15. Dezember an den zweiten Versuch, die neue S-Bahn der Baureihe 430 auf die Schiene zu bekommen. Nach Pannen waren die Züge am 2. Juli aus dem Verkehr gezogen worden.

Der Hersteller Bombardier und die DB Regio AG unternehmen vom 15. Dezember an den zweiten Versuch, die neue S-Bahn der Baureihe 430 auf die Schiene zu bekommen. Nach Pannen waren die Züge am 2. Juli aus dem Verkehr gezogen worden.

Stuttgart - Auf der Linie S  1 zwischen Herrenberg und Kirchheim/Teck soll am 15. Dezember die S-Bahn der Baureihe 430 den Neustart wagen. Der Hersteller Bombardier hat bisher 13 Fahrzeuge dieses Typs an die DB Regio AG in das Betriebswerk nach Plochingen geliefert. Weitere 74 stehen bei Bombardier auf Halde. Die DB Regio hatte nach einer Pannenserie Anfang Juli die weitere Abnahme verweigert und den Typ aus „Deutschlands modernster S-Bahn-Flotte“ (so der Bahn-Werbeslogan) verbannt.

Auf der stark belasteten Linie S 1 mit einem Vollzug (zwei der neuen Einheiten) zu beginnen habe „ganz praktische Gründe“, sagt Hans-Albrecht Krause, der Sprecher der Stuttgarter S-Bahn-Geschäftsführung, am Montag bei einem Pressetermin im Bahnhofsturm: „Die Strecke führt am Betriebswerk vorbei.“ Sollten sich neuerliche Defekte einstellen, müsse man die Züge aus anderen S-Bahn-Ästen nicht erst mühevoll nach Plochingen rangieren.

So weit aber soll es nicht kommen, versichert Stefan Wätzold, der für dieses Fahrzeug zuständige Projektleiter des Herstellers Bombardier. „Es gibt keine sicherheits- und betriebsrelevanten Störungen, die Änderungen sind zu unserer vollen Zufriedenheit.“ Geändert werden musste an dem neuen Typ, der für die Fahrgäste an den senkrecht stehenden Scheinwerfern, einer durchgehenden Blende am Dach und frischeren Design im Innenraum vom Typ 423 zu unterscheiden ist, einiges. Und die Änderungen sind nicht abgeschlossen. Über freie Fahrt muss noch das Eisenbahn-Bundesamt als Zulassungsbehörde entscheiden. In dieser Woche laufen nächtliche Probefahrten, in denen bis zu drei Züge hintereinander gekoppelt werden. Dabei muss nachgewiesen werden, dass die Datenübertragung zwischen den Einheiten und zum Führerstand funktioniert. Als extrem störanfällig erwies sich bei dem neuen Zug der unter jeder Tür ausfahrende Schiebetritt. Das Blechstück soll den Spalt zwischen Bahn und Bahnsteig überbrücken. Doch der Tritt klemmte, mancher ließ sich auch von Hand nicht mehr zurück unter die Tür schieben.

Störanfälliger Schiebetritt außer Funktion

Wätzold spricht von „einfachen mechanischen und Softwareproblemen“. Nun wird der Tritt ausgeschaltet. „Deaktiviert“, sagt Wätzold. Das Bauteil eines Zulieferers habe sehr viele Schnittstellen zum Fahrzeug, die gekappt worden seien.

Obwohl die Überbrückungshilfe vom Verband Region Stuttgart als Besteller der S-Bahn im neuen, bis 2028 geltenden S-Bahn-Vertrag vorgeschrieben wurde, soll sie zunächst nicht zum Einsatz kommen. „Unser Interesse ist, dass die neuen Fahrzeuge jetzt in den Betrieb kommen“, sagte Krause. Der Tritt sei „erst mal zweitrangig“. Erstrangig ist für DB Regio und den Regionalverband, dass das S-Bahn-System endlich wieder zur alten Pünktlichkeit zurückfindet. Dazu hat Krause das Programm „Jede Sekunde zählt“ aufgelegt. Als Haltezeit wird den Bahnen an den Stationen je 30 Sekunden zugestanden. Ziel sei, „mit allen Zügen auf diese 30 Sekunden zu kommen“, so Krause. Für den schnellen Fahrgastwechsel steht ab Dezember im Hauptbahnhof auf den S-Bahnsteigen Personal bereit. Ab Ende Januar sollen die Zugführer alle Türen zentral öffnen und schließen können. Im Hauptbahnhof werden dazu für die Zugführer Bildschirme aufgehängt. Für den Halt Stadtmitte sind sie Mitte 2014 vorgesehen. „Wir sind guter Hoffnung, dass wir uns damit den Schließzeiten für die Türen der alten Baureihe 420 nähern“, sagt Krause – ohne Schiebetritt, der zusätzlich Zeit frisst.

Die Baureihe 420, Methusalem auf den S-Bahn-Gleisen der Region, soll in Frankfurt, München und Rhein/Ruhr weiter fahren. Abgegeben werden die Fahrzeuge aber erst, wenn die neuen 430er problemlos rollen. „Und zehn alte Fahrzeuge bleiben als Notreserve da“, sagt Krause.

 

 

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