„Twerxout“ heißt das neue Tanz-Workout im Urbanhealthclub in Ludwigsburg, bei dem das ruckartige Poposchwingen die Muskeln brennen lässt. Obszön geht es dabei nicht zu – stattdessen haben die Teilnehmer jede Menge Spaß.
Was im Hip Hop-Musikvideo so leicht aussieht, wird im Fitness-Studio zur schweißtreibenden Angelegenheit. Dass eine Stunde Hinternwackeln so anstrengend sein kann, hat wohl kaum jemand vermutet, der sich auf den neuen Kurs „Twerxout“ im Urbanhealthclub in Ludwigsburg eingelassen hat. Doch die Regionen, die beim Twerken am meisten trainiert werden, machen sich schneller bemerkbar als gedacht: vor allem Po und Oberschenkel werden beansprucht. Dass viele Bewegungen aus dem Squat – also aus einer breiten, tiefen Kniebeuge – ausgeführt werden, zeigt seine Wirkung.
„Nicht aus dem Rücken arbeiten, sondern aus der Hüfte“
Sexy wie im Nachtclub sieht das Hinternschütteln allerdings nur bei Trainerin Maddie Hamberger aus. Obszön wird es gar nicht, sondern eher lustig. Fast alle im Kurs twerken zum ersten Mal – oder versuchen es zumindest. Die Bewegung ist neu und ungewohnt. „Nicht aus dem dem Rücken arbeiten, sondern aus der Hüfte“, erklärt die 28-Jährige. „Wie bei der Schwangerschaftsgymnastik.“ Mit einem Griff an die Hüftregion macht sie an einer Teilnehmerin klar, was da jetzt genau vor und zurück soll. Im Kurs werden zuerst die Grundlagen des Twerkens erlernt. Die Bewegungen heißen „Up and Down“, „Side to Side“ oder „Tictoc“. Die Empfehlung: „Kopf loslassen, Hintern loslassen.“
„Vorkenntnisse sind nicht notwendig“, sagt Maddie Hamberger. „Ich konnte vorher gar nichts, ich hab nicht einmal getanzt und hatte kein Körpergefühl.“ Auch ihr fiel der Anfang nicht leicht. „Irgendwann macht es Klick im Kopf und wenn die Kiste einmal im Schwung ist, dann läuft’s.“ Zum Twerken kommen einige einfache Tanzschritte aus dem Hip Hop dazu. Das fördert die Ausdauer. Und Stützpositionen, bei denen der Hintern geschwungen wird, sorgen für ein spaßiges Ganzkörper-Workout.
„In einer Stunde verbrennt ihr 500 bis 800 Kalorien“, erklärt die Trainerin. Wer sich den ganzen Tag den Allerwertesten plattgesessen hat, dem kommt sein Hinterteil nach der Stunde wie aufgeschüttelt vor. Und die heute oft durch langes Sitzen unterforderte Hüftregion wird außergewöhnlich gefordert. Der Beckenboden wird gestärkt. „Das ist weiblich und sexy, das ist ein toller Ausgleich zum Training an den Geräten.“, sagt Svetlana Syrykh, die zum ersten Mal dabei gewesen ist. „Wenn du deinen Körper fühlst, macht das auch etwas mit deinem Kopf“, ergänzt die Trainerin. „Ich habe durch das Twerken sehr viel mehr Selbstbewusstsein bekommen.“
Aus Afrika in die USA und jetzt ins Fitnessstudio
Das Hinternschütteln zu Hip Hop, Raggaeton und Afro-Beats hat es also aus der US-Rapszene bis nach Ludwigsburg geschafft. „Ursprünglich stammt es aus einem afrikanischen Fruchtbarkeitsritual“, weiß die Trainerin. Der dazugehörige Tanz heißt Mapouka. Mit dem Sklavenhandel kam diese Kultur in die USA, entwickelte sich weiter und boomte als Twerken zunächst in den 2000er in New Orleans. Das Fitness-Programm Twerxout wurde allerdings in Deutschland von den Trainerinnen Kristina Markstetter und Rimma Banina im Jahr 2018 entwickelt. Heute gibt es hierzulande zahlreiche Kurse und der Trend ist bereits nach Frankreich, Ungarn und Mexiko geschwappt. In Heilbronn hat Maddie Hamberger das Workout 2019 bei einer Veranstaltung in ihrem damaligen Fitnessstudio als Teilnehmerin kennengelernt. Kristina Markstetter hat aber ihr Talent erkannt und sie gleich aufgefordert, doch eine Ausbildung als Trainerin zu machen.
Im Urbanhealthclub in Ludwigsburg rannte Maddie Hamberger mit Twerxout offene Türen ein. Denn dieser Club wolle sich stetig weiter entwickeln. Hier werden Trends ausprobiert wie zum Beispiel „Hyrox“, bei dem das Laufen und funktionelles Training an verschiedenen Stationen verbunden wird – auch draußen. Den größten Hype erlebt gerade Reformer Pilates. Dabei wird das Ganzkörpertraining auf speziell entwickelte Geräte verlagert, die einen Widerstand erzeugen, der das Workout noch effektiver macht.
„Mein nächstes Projekt ist eine Art Cycling-Disko“, erzählt Urbanhealthclub-Gründer Philipp Maier. „Dadurch kommt Spinning, wie man es bisher kennt, auf das nächste Level.“ In seiner Vorstellung verbreiten Trainer eine solche Partystimmung, dass die Teilnehmer gar nicht mehr merken, wie anstrengend das Treten in die Pedale ist. Schon im nächsten Jahr soll sein Traum in Erfüllung gehen.
Selbst ausprobieren?
„Twerxout“-Kurse
Die Kurse finden momentan alle zwei Wochen am Dienstagabend ab 18 Uhr im Urbanhealthclub in Ludwigsburg statt. Immer am ersten und am letzten Sonntag eines Monats gibt es außerdem einen 75 Minuten langen Workshop. Wer reinschnuppern möchte, meldet sich dafür unter hello@urbanhealth-club.com oder 0 71 41 / 2 58 79 00 an. Mehr Infos gibt es auch hier.